Seine spannenden Spionagethriller finden sich auf allen Bestsellerlisten, gelten als stilistische Meisterwerke, haben längst Kultstatus erreicht und gehörten in Zeiten des Kalten Krieges beim russischen Geheimdienst KGB sogar einmal zur Pflichtlektüre. Was nicht weiter verwundert, immerhin war der britische Schriftsteller John le Carré sechs Jahre lang selber für den Geheimdienst seines Landes tätig. Die Welt der Spionage, der er einst auch aus moralischen Gründen den Rücken gekehrt hat, ist ihm vertraut und inspiriert ihn immer noch und immer wieder zu neuen, spannenden Geschichten.
Erfolg auf allen Ebenen
Sein internationaler Durchbruch gelang dem Autor 1963 mit seinem dritten Roman "Der Spion, der aus der Kälte kam", für den er erste Auszeichnungen erhielt. Erfolgreich war auch die Verfilmung mit Richard Burton in der Hauptrolle, die 1965 gleich zweimal für den Oscar nominiert wurde. Nun ist es wieder soweit. Die derzeitige Nummer 1 der britischen Kino-Charts "Dame, König, As, Spion" - ein weiterer spannender Agententhriller aus der Feder des Erfolgsautors – kommt dieser Tage auch in die heimischen Kinos (2. Februar).
Hauptdarsteller Gary Oldman, der in diesem Film als Meisterspion George Smiley an der Seite von Colin Firth und Tom Hardy zu sehen ist, wurde für diese Rolle bereits mit einer Nominierung "als bester Schauspieler" für den diesjährigen Oscar belohnt. Ob er den Preis auch erhält, wird sich Ende Februar zeigen.
Charakterfest
John le Carrés Spione sind, was die eigene Moral angeht, Ausnahmeerscheinungen. Der Autor ist nach eigenen Worten stets bestrebt, sein Wissen für gute Geschichten zu nutzen, ohne das Agentenmilieu in irgendeiner Weise zu mystifizieren oder gar zu romantisieren. Das Mehrdeutige und Widersprüchliche dabei gekonnt zu einem Thema zu verarbeiten sei nicht immer einfach, aber stets sein Ziel.
Nachdem er sich schlechter Erfahrungen wegen lange bitten ließ, hat der britische Autor vor einiger Zeit nun doch weiteren Verfilmungen von fünf seiner Romane zugestimmt, unter anderem wird Brad Pitt den Thriller "The Night Manager" produzieren.
Illegale Geldquellen
In John le Carrés bislang letztem Roman "Verräter wie wir" begegnet ein junger, von einer ersten Sinnkrise geplagter Londoner College-Dozent im Urlaub auf Antigua einem russischen Millionär. Zunächst spielt man nur Tennis miteinander, doch bald mehren sich die gemeinsamen Unternehmungen und die zunehmende Vereinnahmung durch den reichen "Dima" werden dem mit dem eigenen Dasein ziemlich unzufriedenen Dreißigjährigen und seiner Freundin, einer Rechtsanwältin, allmählich unheimlich. Und doch geraten beide immer tiefer in die Angelegenheiten des reichen, charismatischen Russen, der mit ihrer Hilfe die Millionen, die er natürlich nicht mit ehrlicher Arbeit verdient hat, auf seine Art "reinwaschen" möchte, um endlich legal als vermögender Mann in London Fuß zu fassen.
Dem "echten Dima", der ihm als Vorlage für diesen Roman diente, ist der Autor – wie er in einem Interview gegenüber dem Telegraph wissen ließ – tatsächlich vor 20 Jahren in Moskau begegnet.
Das Lebenswerk
Zweiundzwanzig Romane sind es bislang, mit denen John le Carré seine weltweite Leserschaft begeistert hat. Nach jeder Geschichte, so der mittlerweile achtzigjährige Autor, setze bei ihm zunächst Erleichterung und Zufriedenheit, bald danach aber – wie nach der Geburt eines Babys - eine Art postnatale Depression ein, die anhält, bis er sich neuen Geschichten zuwendet, von denen es hoffentlich noch einige geben wird.
Buchtipps
John le Carré Der Spion, der aus der Kälte kam -Ullstein Verlag
John le Carré Dame, König, As, Spion - List Taschenbuch
John le Carré Der Nachtmanager - List Taschenbuch
John le Carré Der Nachtmanager - Audiobook Zyx Music
John le Carré Verräter wie wir - Ullstein Verlag
Renate Rossbacher ist freie Autorin.

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