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Inside OP - die chirurgische Kolumne

Gelenkzentrum

Dr. Cetin - Inside OP

Der Hallux valgus

30.01.2012
Was hinter der häufigsten Zehenerkrankung steckt - und wie wir sie mittlerweile gut in den Griff bekommen.

Der Hallux valgus ist eine sehr häufige Fußerkrankung, bei der es zu einer Fehlabweichung nach außen und Fehlrotation der Großzehe kommt. Meist geht diese Erkrankung einher mit einem ausgeprägten Spreizfuß. Klinisch kommt es zum so genannten "Schuhkonflikt" (sprich: Der Schuh drückt!) und - durch eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) - zu Schmerzen und Schwellungen über dem Innenrand des ersten Mittelfußknochens.

Die Subluxation (Abweichung) der Großzehe nach außen bewirkt auch eine Verdrängung der 2. Zehe, eventuell sogar der 3. - und damit eine Entstehung von Hammerzehen.

 

Diagnose durch Röntgen

Diagnostiziert wird der Hallux valgus, neben der klinischen Untersuchung, durch Röntgenaufnahmen des Fußes unter Belastung in zwei Ebenen. In ganz seltenen Fällen ist auch eine Magnet-Resonanz-Tomographische Untersuchung nötig, um die Knorpelverhältnisse zu beurteilen. Anhand der Röntgenbilder werden die Fehlstellungs-Winkel im Bereich der Mittelfußknochen (s.g. Intermetatarsalwinkel) und im Gelenksbereich (s.g. Hallux-valgus-Winkel) gemessen, welche wichtig sind für die Auswahl des nötigen operativen Verfahrens. Weiters kann dabei auch der Grad der Arthrose im Gelenk der Großzehe festgestellt werden.

 

Wie kann man den Hallux valgus therapieren?

Prophylaktisch - und wohl oft modisch problematisch - sollten Schuhe mit flachen Absätzen und genügend Zehenspielraum verwendet werden. Zehengymnastik zur Kräftigung der Fußbinnenmuskulatur ist ebenfalls geeignet zur Vermeidung eines Hallux valgus.

Als konservative Therapie sollten in den Anfangsstadien Schuheinlagen mit "retrokapitalem Metapolster" (in der Mitte erhöht) verwendet werden, welche das beim Spreizfuß abgeflachte Quergewölbe des Fußes heben. Dies führt zu einer geringen Verschmälerung des Fußes und damit zur Druckentlastung über dem medialen Rand der beim Hallux valgus entstandenen Hallux valgus Pseudoexostose (knöcherner Höcker am Fussinnenrand).

Weiters sind auch Maßnahmen wie Ausweitung des Schuhleders, Weichbettung des Schuhs und symptomatische Anwendungen wie Salbenverbände und kühlende Umschläge hilfreich bei der Therapie der milden Form des Hallux valgus.

 

Inside OP - die Methoden:

Als operative Therapieverfahren sind bis zu 200 Techniken in der Literatur beschrieben. Generell sollte nur bei ausgeprägten Beschwerden und nur in seltenen Ausnahmefällen aus kosmetischen Gründen operiert werden. Bei starken Durchblutungsstörungen der betroffenen Extremität sollte eine Operation nur bei massiven Beschwerden durchgeführt werden, da hier die Komplikationsrate, vor allem im Bereich des Knochens und der Haut, deutlich erhöht ist.

In den letzten Jahren haben sich vor allem drei Operationsmethoden zur Behandlung des Hallux valgus etabliert und werden von diversen Fachgesellschaften empfohlen.

1.) Bei milderen Formen mit einem Fehlstellungswinkel bis ca. 15 Grad im Mittelfußbereich ist die Chevron-Osteotomie geeignet, die mit (s.g. Austin-Osteotomie) oder ohne Weichteileingriff zur Lösung der kontrakten Gelenkskapsel durchgeführt werden kann. Bei dieser Methode wird der schmerzhafte Knochenhöcker entfernt und das durchtrennte Mittelfußköpfchen nach außen verschoben. Obwohl diese Operation auch ohne Fixierung beschrieben wird, würde ich die Fixation des Köpfchens mittels einer speziellen Schraube empfehlen, die auch nicht entfernt werden muss.
2.) Bei Fehlstellungen über 15 Grad im Mittelfußbereich ist die Scarf-Osteotomie zu empfehlen, bei der eine Verschiebung nicht nur des Köpfchens, sondern auch des Schaftes des ersten Mittelfußknochens, möglich ist. Die Fixation erfolgt hierbei mit zwei Schrauben der gleichen Art.
3.) Bei Winkeln über 25 Grad ist eher an eine Versteifung in Korrekturposition im Mittelfuß-Fußwurzelbereich (s.g. Lapidus-Arthrodese) zu denken. Gesichert wird diese Methode ebenfalls mit Schrauben oder durch spezielle Platten (Lapidus-Platte).

Bei massiven Fehlstellungen im Gelenksbereich, mit Luxation der Zehe, ist meist eine der oben beschriebenen Operationsmethoden nicht möglich. Dies ist zum Beispiel oftmals bei schwer verlaufender rheumatischer Erkrankung gegeben, sodass hier eine gelenksauflösende Methode (Brandes-Operation) oder Gelenksversteifung (Arthrodese) im Grosszehengrundgelenk von Nöten ist.

 

Wie erfolgt die Nachbehandlung bei Operation?

Bei gelenkserhaltenden Operationen kommen wöchentliche Spezialverbände mit speziellen Schuhen zur Verwendung. Diese Schuhe mit steifer Brandsohle verhindern ein Abrollen über die Großzehe und schützen somit das operierte Gelenk, ermöglichen aber gleichzeitig das plane Aufsetzen des Fußes ohne Krücken. Bei Scarf-Osteotomie und bei Arthrodesen sind, bei gleicher Verbandstechnik, spezielle Vorfußentlastungsschuhe indiziert (= angebracht und vom Arzt empfohlen).

Auch wenn sich die operativen Methoden recht drastisch lesen - ich kann Sie beruhigen, denn die Eingriffe sind Routine, die Heilungsphase überschaubar: Die Nachbehandlungszeit beträgt in der Regel sechs Wochen mit abschließender Röntgenkontrolle. Danach ist das Tragen üblicher Konfektionsschuhe ohne Probleme möglich.

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

 

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