Thommy, Thommy – war das wirklich die richtige Entscheidung? Seit vergangener Woche lädt uns der ehemalige "Wetten, dass ...?"-Veteran unter dem Titel "Gottschalk live" zu sich ins ARD-Wohnzimmer ein. Fast täglich, nämlich von Montag bis Donnerstag. Eine halbe Stunde lang. Gottschalk quatscht mit eingeladenen Gästen, tut alles, um zum "Wohnzimmer der Nation" zu werden. Macht auf gemütlich, auf schlagfertig.
Fad statt gemütlich
In Wirklichkeit heißt es nach einer Woche "Gottschalk live" eher: Langeweile statt Gemütlichkeit, Verwirrtheit statt Schlagfertigkeit. Sicher, Gottschalk hat sich da viel vorgenommen. Er ist zwar nach 25 Jahren "Wetten, dass ...?" live erprobt, eine tägliche Live-Wochensendung im Pensionistensender (ups!) ARD ist aber noch einmal etwas ganz anderes. "Wetten, dass ...?" hat(te) das Stigma einer Primetime-Samstagabend-Show, da schaltet man schon deshalb ein, weil es halt nix anderes spielt im TV. Um 19.20 Uhr wochentags aber? Da muss man sich schon ganz was Besonderes einfallen lassen, damit die Zuseher zur ARD zappen.
Gebt ihm die Showbühne!
Und genau dieses "Besondere" fehlt bei "Gottschalk live". Es wird, wenn auch bemüht, gequasselt, aber ohne Sinn und roten Faden. Das, was bei "Wetten, dass ...?" noch irgendwie süß wirkte, nervt jetzt nur noch: Gottschalk ist zu fahrig, er lässt seine Gäste nicht ausreden, geht gern auf Tuchfühlung. Eine halbstündige Talkshow, in der es ausschließlich ums Talken geht, enttarnt, was die Wetten-Show noch einigermaßen kaschieren konnte: Gottschalk ist Entertainer, aber kein guter Moderator. Oder Interviewer. Gebt ihm wieder die große Bühne, das klatschende Saalpublikum, die ganz großen Promis. Aber steckt ihn nicht in ein kleines wohliges Wohnzimmer, das zwar auf hip macht, aber alles andere als hip ist.
Gottschalk im freien Fall
Das dürfte sich auch das Publikum denken, das sich diese Woche von Gottschalk immer mehr verabschiedet hat: Sahen zum Sendungsauftakt noch 4,3 Millionen Deutsche zu, waren es am Donnerstag nur noch 1,83 Millionen. Uiuiui. Was zur nächsten Enthüllung führt: Vielleicht fanden wir all die Jahre Gottschalk selbst gar nicht so toll, sondern schalteten nur deshalb zu "Wetten, dass ...?", weil ... nun ja, weil es halt Tradition war. Und mit Traditionen brechen? Nein, das mag das werte Publikum so gar nicht. Und wenn ein Gottschalk nach Jahrzehnten das Genre wechselt - pfuh, da ist es vorbei mit der Nächstenliebe! Weil der Bauer halt nur das frisst, was er kennt.
Nicht im Wohnzimmer versauern
Deshalb, um fair zu bleiben: Es ist nicht allein Gottschalks Schuld, dass die neue ARD-Sendung nicht das Gelbe vom Ei ist. Das traditionsliebende Publikum muss erst überzeugt werden. Und: "Gottschalk live" wurde (zumindest anfangs) so sehr mit Werbung zugemüllt, dass selbst Profi Gottschalk in der Premierensendung verdutzt schaute, als schon wieder ein Werbeblock kam. Und: Etwas auf der ARD hip und cool wirken zu lassen, das ist schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Noch dazu, wenn (wieder: zumindest anfangs) beinahe die gesamte Nation darauf wartet, dass man auf die Nase fällt. Immerhin aber ist Gottschalk zu Selbstkritik fähig, wenn er in seiner "Bild"-Kolumne über seine neue Show schreibt: "Ja, es holpert noch!"
Bleibt zu hoffen, dass die Holpersteine bald aus dem Weg geschafft werden. Denn wie man im eigenen Wohnzimmer versauert, das wissen wir, auch ohne den Fernseher einzuschalten.
Manuel Simbürger ist freier Journalist.

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