Selbst, wenn es zu einer friedlichen Lösung zwischen Israelis und Palästinensern kommen sollte, dann nur um den Preis, dass letztere die Rechte aufgeben, die ihnen zustehen. Bemerkt eine enttäuschte Ghada Karmi in der britischen Tageszeitung "The Guardian":
Wenn sich Israel nicht so stur verhalte und sich damit um die eine oder andere Chance bringe, müssten die Palästinenser auch bei diesen Nahost-Verhandlungen in Washington befürchten, über den Tisch gezogen zu werden, ist bei Karmi Bitterkeit herauszulesen: "Die Palästinenser blicken den Verhandlungen zu Recht mit Bangen entgegen."
Denn den Glauben an einen verhandelbaren Frieden unter der Führung der USA haben die Palästinenser mittlerweile verloren - und das zu Recht, wie die Autorin unterstreicht. Seit 1967 habe noch jeder Chefverhandler eines für gegeben angenommen: die territoriale Vorherrschaft Israels. Was die Autorin besonders schmerzt: Noch in allen Konzepten, die seit damals erstellt wurden, sei Israel der größere Teil des Staatsgebietes zugesprochen worden. Was die Palästinser lehren sollte, sich zu nehmen, was sie kriegen können. Denn alles besser, als vom alleinigen Willen Israels abhängig zu sein. Ein wunder Punkt für Karmi: Doch gerade dadurch bringen sie sich letztendlich um jene Ansprüche, die ihnen doch zustehen.
Dabei ist es nicht das Verhalten Israels allein, so Karmi resigniert. Sondern auch der breite Rückhalt, den das Land im Westen genieße. Entsprechend ernüchtert blickt die Autorin daher auch der Zwei-Staaten-Lösung entgegen, die ab dem nächsten Jahr Wirklichkeit sein soll: 78 Prozent des staatlichen Gebietes gehören dann offiziell Israel. Dazu noch ein noch nicht abgestecktes Gebiet der West Bank. Der kärgliche Rest - weniger als 20 Prozent des Landes - wäre dann Palästina. Nicht genug damit, so Karmi weiter: Die palästinensischen Familien, die einst aus Israel vertrieben wurden, dürfen nicht zurückkehren. Wie groß der Stadtteil Ost-Jerusalems sein werde, der künftig zu Palästina gehört, sei überhaupt noch unklar.
Das Schicksal der Palästinenser wäre damit in Karmis Augen besiegelt: Da Israel nicht daran denke, auf seine Ansprüche zu verzichten, können die Verhandler weitere Zugeständnisse nur von den Palästinensern erzwingen. Das bedeutet für die Autorin: "Noch weniger Land also für den vermeintlichen palästinensischen Staat, der damit nur eine eingeschränkte Überlebenschance hat."
Karmi formuliert die größte Angst der Palästinenser: dass ihr Vertreter bei den Verhandlungen allen Forderungen Israels nachgebe. Ihnen, schließt die Autorin, bleibe daher auch nur eine Hoffnung: dass Israel niemals in einen Friedensvertrag - wie er den USA vorschwebt - einwilligt.

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