Er brauchte Bilder, "um etwas an der Wand zu haben", erklärte Musiker und Kunstliebhaber Bryan Ferry rückblickend seine plötzlich erwachte Sammelleidenschaft in einem Interview, das er kürzlich dem Kunstmagazin Monopol gab. Sein Wissen über Kunst habe er sich während eines acht Semester dauernden Studiums in den 60er-Jahren bei dem im September letzten Jahres verstorbenen britischen Maler und Grafiker Richard Hamilton, der auch als Vater der Pop-Art gilt, angeeignet. Und zwar lange bevor er die finanziellen Mittel hatte, sich dem Sammeln von Kunst, das sich für ihn mittlerweile zu einer "nachhaltigen, seriösen Beschäftigung" entwickelt hat, zu widmen.
Der Schwerpunkt seiner Sammlung liegt nach seinen Worten auf "der vom Kunstmarkt eher wenig beachteten Epoche britischer Moderne" und beinhalte unter anderem Werke von Julian Bell und Duncan Grant. Künstler also, die ihre Bilder in Sussex – jener Region, in der sich auch das viktorianische Anwesen des Musikers befindet – gemalt haben. Er umgebe sich nun mal gern mit schönen Dingen und investiere sein Geld lieber in Kunst als sich "teure Autos anzuschaffen".
Kunsthandel und Kunstraub in der Literatur
Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter hat sich in seiner neuen Romanreihe um den Lebemann Allmen, der – verarmt aber mit Niveau – versucht, seinen gewohnten Lebensstil mit allen Mitteln zu erhalten, dem Thema Kunstdiebstahl zugewandt. In "Allmen und die Libellen" lässt er seinen Protagonisten noch selber ein paar krumme Dinger drehen. Im Nachfolgeband "Allmen und der rosa Diamant" steht derselbe bereits auf der anderen Seite und macht sich auf zur Klärung einer zwielichtigen Sache. Nicht um Bilder oder andere Kunstgegenstände geht es dabei, sondern um einen millionenschweren Diamanten.
In dem neuen, vom britischen Erfolgsautor Anthony Horowitz ganz im "Sir-Arthur-Conan-Doyle-Stil" gehaltenen spannenden Sherlock-Holmes-Roman "Das Geheimnis des Weißen Bandes" ist es ein Kunsthändler, der sich und sein Leben bedroht sieht und sich hilfesuchend an das berühmte Duo "Holmes und Watson" wendet.
Mit Liebe und Leidenschaft Bücher sammeln
Ähnlich wie mit Kunstwerken scheint es auch mit dem Sammeln von Büchern zu sein. In ihrem Roman "Die Antiquarin" lässt die amerikanische Schriftstellerin Sheridan Hay, die selbst lange in einem New Yorker Antiquariat gearbeitet hat, die achtzehnjährige Rosemary Savage aus der australischen Provinz nach Amerika auswandern, wo sie sich aus Liebe zu Büchern um eine Stelle in dem riesigen New Yorker Antiquariat Arcade bewirbt, die sie zu ihrer Freude auch bekommt.
Die junge Protagonistin zeigt sich auf Anhieb beeindruckt von ihrem neuen Umfeld, den ungewöhnlichen Begegnungen mit Bücherliebhabern und leidenschaftlichen Sammlern, die an diesem Ort verkehren. Die Aufregung erreicht ihren Höhepunkt, als plötzlich ein verschollen geglaubtes Manuskript des Dichters Herman Melville angefragt wird, an dem sich alle möglichen Leute interessiert zeigen. Obwohl es keiner je gesehen hat, zweifelt niemand an dessen Existenz und unermesslichem Wert. Die Frage ist lediglich: Wo mit der Suche beginnen?
"Was für Spuren konnte es denn geben von etwas, das verloren war?", fragt sich auch die Ich-Erzählerin, ehe sie sich gemeinsam mit ihrem Kollegen daran macht, das heiß begehrte Manuskript aufzuspüren. Dazu scheint es nötig, sich in die Biografie des Dichters zu vertiefen, in alten Briefen und Aufzeichnungen aus seiner Hinterlassenschaft zu stöbern, um auf mögliche Hinweise zu stoßen. Auf diese Weise erfährt letztendlich auch der Leser alles über die unerfreulichen Lebensumstände des hoch verschuldeten Dichters, der zu Lebzeiten mit seinem Roman "Moby Dick", in den er große Hoffnungen gesetzt hatte, einen Misserfolg landete, der ihn in tiefe Verzweiflung stürzte. Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin übrigens während ihrer wissenschaftlichen Forschungen zu Leben und Werk von Herman Melville.
Von Bibliophilen und Bibliomanen
Worauf es beim wahren Büchersammeln ankommt, erfährt man am besten aus Umberto Ecos Werk "Die Kunst des Bücherliebens". Auch ob man eher Anlagen zum Bibliophilen oder zum Bibliomanen zeigt.
Modemacher Karl Lagerfeld, der von sich sagt "Ich habe noch nie ein Buch weggeschmissen", scheint demnach jedenfalls die Anlagen zum Bibliophilen zu haben, der ganz einfach gerne Bücher um sich hat.
Insgesamt soll seine Sammlung mittlerweile an die 300.000 Bücher umfassen, wobei er von persönlichen Lieblingsbüchern nach eigener Aussage gleich mehrere Ausgaben an seinen verschiedenen Wohnsitzen vorrätig hält. Manche davon habe er so oft gelesen, dass er sie "fast auswendig" kennt. Dass auch Wörterbücher zu seiner bevorzugten Lektüre gehören, würde man vielleicht weniger vermuten. Auch davon hält er sich nämlich – weil an Übersetzungen aller Art interessiert - eine ganze Sammlung. Wohl mehr in Ehren als in Gebrauch befindet sich darunter auch ein lateinisches Wörterbuch seines Großvaters aus dem Jahr 1831.
Inhalt wiegt stärker als Einband und Jahrgang
Während wahre Büchersammler stets auf der Suche nach Besonderheiten sind, und wie von Umberto Eco beschrieben, allein beim Anblick oder der ersten Berührung sogenannter Raritäten den merkwürdigsten Gefühlsregungen ausgesetzt sind, bekennt der Modezar ganz nüchtern, dass ihm, was seine Büchersammlung angeht, allein an Raritäten nicht gelegen sei. Viel wichtiger als "Alter oder Einband" sei ihm immer noch das Thema. Meist genüge ihm allein die Durchsicht von Büchern, um visuell alles Wichtige zu speichern: "Mein Gehirn" – so der belesene Modemacher gegenüber Die Welt – "ist wie eine Diskette."
Karl Lagerfeld, der mit seinem L7 (steht für Lagerfeld und Hausnummer 7, Rue de Lille, 75007 Paris) in der französischen Hauptstadt neben seinem Fotostudio auch einen eigenen Buchladen und Verlag betreibt, hat aktuell an einer von Justine Picardie verfassten Biografie "Coco Chanel – Ihr Leben" mitgearbeitet. Alle Illustrationen in dem Buch, das am 10. März in den Handel kommt, stammen aus seiner Feder.
Buchtipps
Sheridan Hay Die Antiquarin - Kindler
Martin Suter Allem und die Libellen - Diogenes
Martin Suter Allmen und der rosa Diamant - Diogenes
Anthony Horowitz Das Geheimnis des weißen Bandes - Insel Verlag
Justine Picardie & Karl Lagerfeld Coco Chanel – Ihr Leben - Steidl (10.3.2012)
Umberto Eco Die Kunst des Bücherlesens - dtv
CD-Tipps
Bryan Ferry Olympia - Virgin Records (EMI)
Karl Mixed By Lagerfeld My Favorite Songs - Tolerance (Intergroove)
Renate Rossbacher ist freie Autorin.

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