Wien Bewölkt 23.1°C
Quelle: ZAMG

Kolumnen

Renate Rossbacher

kulturlounge Ystad, Stockholm, London: Krimi-Reisen liegen im Trend.


Manuel Simbürger

Inside Out Life Ball 2012: Fast-Live-Ticker zum Ball der Bälle.


Sascha Bém

provokant SMFPK? - Wenn sich Männer nach "Tetschn" sehnen.


Ute Rossbacher

Media's Digest Stars und Sternchen einmal anders: ein Blick in die Welt der Astrologie.


Markus Berndt

HR quergedacht Die ignorierten eierlegenden Wollmilchsäue.


Dr. Erdal Cetin

Inside OP Fersensporn: Schmerzhaft und langwierig zu behandeln.


Werner Becher

FrechDAX Bye Bye, Griechenland.

Interviews

Bildergalerien

Weitere Meinungsthemen

Costa Concordia: täglich mehr Fragezeichen

Massimo Percossi/EPA/picturedesk.com

relevant Redaktion

Costa Concordia: täglich mehr Fragezeichen

24.01.2012
Ebenso ungewöhnliche wie unglaubliche Details stechen bei dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" hervor.

Als Kapitän Francesco Schettino die "Costa Concordia" am Abend des 13. Jänner in Küstennähe manövrierte, um eine sogenannte "Verneigung" vorzunehmen (zur Begrüßung der Bewohner fährt das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen vorbei), rammte das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff einen Felsen vor der toskanischen Insel Giglio. Erst eine Stunde später begann die Evakuierung des Schiffes, auf dem sich zum Zeitpunkt des Unglücks 4.200 Personen befanden, darunter auch 77 Österreicher. 15 Tote wurden bisher geborgen, mindestens 20 Menschen gelten noch als vermisst.

Zur Verantwortung gezogen werden soll der 52-jährige Kapitän, dem eine 15-jährige Haftstrafe wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes mitten in der Evakuierung vorgeworfen wird. Derzeit steht er wegen Fluchtgefahr unter Hausarrest. Schettino selbst bestreitet die alleinige Verantwortung für den folgenschweren Unfall.

Auffällig sind freilich einige Details, die so unglaublich wie ungewöhnlich erscheinen.


Verpatzte Taufe Als die "Costa Concordia" am 7. Juli 2006 feierlich eingeweiht wurde, wollte die Champagnerflasche, die das Topmodel Eva Herzigová gegen den Bug schleuderte, nicht zerschellen. Erst nach mehrmaligen Anläufen gelang das Vorhaben. Nicht wenige wollen darin nachträglich ein böses Omen erkennen.

Unfall Nummer 1 Bereits 2008 - berichtet unter anderem die Bild - soll das Luxus-Kreuzfahrtschiff bei der Fahrt in den Hafen von Palermo beschädigt worden sein.

Freitag, der 13. Den Aberglauben nährt, dass sich die aktuelle Schiffskatastrophe an diesem unseligen Datum ereignete.

Warten ... worauf? Warum der Kapitän die Hafenbehörden nach einer Stunde immer noch beschwichtigte, statt Hilfe anzufordern, obwohl immer größere Wassermengen die Schiffskabinen fluteten, ist noch nicht restlos geklärt. Nach eigenen Angaben wollte Schettino keine Panik verbreiten.

Kapitäne zuerst Umso schwerer ist es daher nachzuvollziehen, warum es ausgerechnet Schettino war, der sich im ersten Rettungsboot befand. Zu Protokoll gab er, dass er abgedrängt worden und dabei in das Rettungsboot gefallen sei. Während sich zahlreiche panische Passagiere immer noch an Bord befanden.

Geld für Leben? Nicht weniger brisant ist die Vermutung, dass betuchtere Passagiere aus Russland an Mitarbeiter des Schiffs Bargeld gezahlt haben, um sich Plätze in den Rettungsbooten zu sichern.

An Land Trotz strikter Anweisungen soll der Kapitän nicht mehr an Bord des Schiffes zurückgekehrt, sondern mit dem Taxi heimgefahren sein.

Die große Unbekannte Unklar ist dabei auch die Rolle einer 25-jährigen Moldawierin, der der beschuldigte Kapitän am Tag nach dem Unglück seinen Notebook übergeben haben soll. Angeblich hat die junge Frau als Hostess und Dolmetscherin auf dem Schiff gearbeitet.

Blinde Passagiere Wie vermutet wird, sollen sich an Bord auch mehrere blinde Passagiere befunden haben.

Attraktion Tatort Zahlreiche Schaulustige fahren täglich an die Küste, um von dort die andauernden Bergungsmaßnahmen und das Schiff, das zur Hälfte noch aus dem Wasser ragt, zu beobachten und zu fotografieren.

Umweltbombe Rund zwei Millionen Liter Dieseltreibstoff befinden sich noch an Bord des Schiffs. Jener wie auch Unmengen an Müll und chemischen Substanzen drohen ins Meer zu geraten.

Schadenersatz Der Betreiber der Concordia, die Costa Crociere, will nach eigenen Angaben die Kosten für verlorene Gegenstände und Ausgaben für die Rückfahrt zurückerstatten und rüstet sich für allfällige Sammelklagen.

Notstand Die italienische Regierung hat in der Zwischenzeit den Notstand ausgerufen, um die Hilfe für die Unfallregion auszuweiten. Weitere Ermittlungen sollen klären, ob und inwieweit auch die Reederei für das Unglück verantwortlich gemacht werden kann.

Held wider Willen Während Schettino in den italienischen Medien zur persona non grata erklärt wurde, gilt der diensthabende Küstenoffizier Gregorio De Falco, der seinem Kollegen die Rückkehr auf das Schiff befohlen hatte, als neuer Held des Landes. Was dieser jedoch gar nicht sein möchte. Für ihn ist nämlich klar, dass er nichts anderes als seinen Job erledigt habe, als er Schettino am Telefon entgegenbrüllte: "Gehen sie an Bord, verflucht noch mal!" Der Sager, der nach nur wenigen Tagen zahlreiche Fan-Shirts ziert, die sich tausendfach verkaufen.

Ute Rossbacher

Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech