Thilo Sarrazin mag mit seiner Kritik an Sozialstaat oder Zuwanderungspolitik richtig liegen. Sein Buch bleibt trotzdem befremdlich, betont Andrea Seibel in ihrem Kommentar für die "Welt":
Was mag in den Bundesbank-Vorstand gefahren sein, als er dieses Buch schrieb, meint man Seibel regelrecht fragen zu hören, wenn sie ihren Kommentar mit den Worten eröffnet: "All die Menschen, die hoffen, hier sage 'endlich einmal einer die Wahrheit', werden enttäuscht und auch überfordert sein." Womit die Autorin auf Sarrazins heftig diskutierte Theorien über "Intelligenz, Genetik und Rassenlehre" anspielt, mit denen sich der Bundesbank-Vorstand politisch ins Abseits befördern sollte.
Seine Kritik - wenn auch in fataler Optik präsentiert - sei im Kern jedoch durchaus berechtigt, sieht auch Seibel einen empfindlichen Nerv der deutschen Gesellschaft getroffen. Sie greift einige Stichworte heraus: ein Sozialstaat, der sich übernimmt. Zuwanderer, die sich nicht integrieren wollen. Sinkendes Bildungsniveau. All diese Probleme auf politischer Ebene zu diskutieren und entschlossen anzugehen - das ist auch der Autorin zufolge überfällig. Aber nicht, wie es einem Sarrazin vorschwebe. Denn, spricht Seibel sich und ihren Lesern Mut zu: "So schnell geht Deutschland nun wirklich nicht unter". Und in Richtung Bundesbank-Vorstand: "Verbitterung und Fatalismus sind schlechte Ratgeber."

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