Der deutsche Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat ein Buch mit dem Titel "Deutschland schafft sich ab" geschrieben - über verfehlte Zuwanderungspolitik, Probleme mit schlecht integrierten Muslimen und den jüdischen Erfolgsweg. Die Politik tobt. Zu Unrecht, bricht Jens Tartler in der "Financial Times Deutschland" eine Lanze für den seiner Ansicht nach Missverstandenen:
Tartler klopft die Argumente, die Sarrazin in seinen 400 Seiten umfassenden Ausführungen ins Rennen führt, auf ihren sachlichen Gehalt hin ab. Und kommt, wie er vorausschickt, zu einem positiven Ergebnis. Denn, spricht er dem Bundesbank-Chef Anerkennung aus, dessen Blickwinkel sei der eines Ökonomen, der sich eben schon seit längerem mit demografischen Entwicklungen und den möglichen Folgen beschäftige. Der "FTD"-Autor fasst dabei noch einmal die wichtigsten Aussagen Sarrazins zusammen, die seit Tagen für Aufregung sorgen:
Deutschland, sei der Volkswirt überzeugt, lasse die falschen Migranten - sprich "hauptsächlich Angehörige der Unterschicht aus muslimischen Ländern" - zuwandern. Die sich laut Sarrazin stärker als Einheimische vermehren, sich schlecht bis gar nicht integrieren, mangelhaft ausgebildet und daher stärker als andere Gruppen auf Sozialleistungen angewiesen seien. Demgegenüber, zeige sich der Bundesbank-Vorstand besorgt, bekommen zu wenige gebildete Frauen Kinder. Deutschland, so sein Schluss, steuere also auf eine "bildungsferne Gesellschaft" zu und falle damit im internationalen Wettbewerb deutlich zurück. Soweit die These des Bundesbank-Präsidenten, wobei dieser laut Tartler betone, nichts gegen Ausländer zu haben. Ebensowenig wie gegen die jüdische Bevölkerung, der er wiederum besondere Intelligenz und Geschäftstüchtigkeit zuschreibe.
Tartler hingegen hält Sarrazins Beteuerungen für glaubhaft und dessen Theorien für schlüssig. Zumal, wie der "FTD"-Autor betont, der Bundesbank-Vorstand auch Lösungen anbiete: etwa, dass jeder Arbeitsfähige gemeinnützige Arbeiten verrichten müsse, wenn er keinen Job findet. Zuwanderer zu Deutschkursen verpflichtet werden und bei Nicht-Einhaltung Kürzungen bei Sozialleistungen hinnehmen müssen. Ob das allein schon ausländerfeindlich sei? Rassistisch? Oder am Ende sogar nationalistisch? Für Tartler auf jeden Fall nicht. Denn nicht Sarrazins Buch sei brisant. Sondern die Umstände, die es beschreibt, meint man aus den Zeilen des Autors herauszulesen: "Wer das Buch liest, versteht die ganze Aufregung nur schwer."

23.1°C
16.9°C
22.6°C














