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Kodak-Insolvenz: der verpasste Moment

Tom Dymond/Rex Features/picturedesk.com

relevant Redaktion

Kodak-Insolvenz: der verpasste Moment

20.01.2012
Das amerikanische Unternehmen galt als Vorreiter der Digitalfotografie. Das große Vermögen damit haben jedoch andere gemacht.

(Hobby-)Fotografen, die sich an vergangene Tage erinnern, wird die Insolvenz des amerikanischen Herstellers Kodak vermutlich etwas wehmütig stimmen. Denn, lässt Eamonn McCabe von The Guardian seiner Nostalgie freien Lauf: "Es war schlimm genug, als Kodak den Lieblingsfilm der Fotografen - Kodachrome - einstellte, obwohl Paul Simon in seinem Song aus den 70er-Jahren, der den 'schönen, leuchtenden Farben' huldigte, das Unternehmen noch gebeten hatte, es nicht zu tun."

Stefan Betschon von der Neuen Zürcher Zeitung stimmt ein: "Es wird einem bewusst, wie sehr die Produkte dieser Firma unsere Wahrnehmung der Welt geprägt haben. Das 20. Jahrhundert – ein Kodak-Moment."

Dem sich auch Scott Anthony von Bloomberg nicht entziehen kann: "Während die Insolvenz noch nicht das Ende des Weges für Kodak ist, sollte uns das Straucheln eines klugen Unternehmens, das vieles richtig gemacht hat, jene, die den Wandel erfolgreich gemeistert haben, umso mehr schätzen lassen. Das ist harter Tobak."

Denn, gibt die Los Angeles Times in ihrem Leitartikel zu bedenken: "Die wahre Tragödie ist, dass Kodak die Technologie mitentwickelte, die schrittweise das Bedürfnis nach ihren eigentlichen Produkten zunichte machte, und daraus kein Kapital schlagen konnte."


Trendwende - ohne Kodak

Konkret geht es um die Digitalfotografie, die Kodak wesentlich inspirierte - und das bereits vor fast 40 Jahren, wie Stephan Finsterbusch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung anerkennend bestätigt: "Kodak hatte während der siebziger Jahre die Forschung und Entwicklung der Digitalfotografie zwar vorangetrieben, als es aber Anfang der achtziger Jahre um deren Einführung auf den Massenmärkten ging, ließen die Amerikaner den Japanern den Vortritt. Ein Fehler."

Mittlerweile beherrscht die japanische Konkurrenz den Markt, aber auch Marken mit Geschichte, denen es gelungen ist, mit modernisierter Technologie den Kunden zurückzuerobern, Stichwort Leica.

Kodak dagegen gelang es nicht, seine Nischenposition in den vergangenen Jahren zu festigen. Wirtschaftlich dürfte das Unternehmen mit seinen rund 17.000 Mitarbeitern in der Not auf seine Patente setzen. Dazu Carsten Dierig von Die Welt: "Kodak besitzt Rechte an vielen grundlegenden Techniken. Experten schätzen den Wert der zum Verkauf gestellten 1.100 Patente auf zwei bis drei Milliarden Dollar."


Bitterer Rückblick

Gemäß dem amerikanischen Insolvenzrecht (Chapter 11) bleiben Kodak vorerst weitere finanzielle Forderungen erspart. Dass die Aktie vom New Yorker Börsenhandel ausgesetzt wird, ist hingegen nur noch eine Frage von Tagen, nachdem jene unter einem Dollar notiert.

Kodak-Chef Antonio Perez will mittels neuer Strategie das Ruder noch einmal herumreißen. Diese skizziert Andreas Albert von der Financial Times Deutschland: "Mit einem Umbau und der Konzentration auf zwei Sparten (digitale Druckdienstleistungen und Produkte, Anm.) soll Kodak gerettet werden."

Bei den Kodak-Helden von einst löst diese Entwicklung zwiespältige Gefühle zurück; wie die Los Angeles Times von Steve Sasson - Entwickler des Prototyps der Digitalkamera von 1975 - weiß, der sich erinnert: "Für uns war sie nicht die erste Digitalkamera der Welt. Für uns war sie ferne Zukunft."

Oder, um bei den Worten von Stefan Betschon (NZZ) zu bleiben: ein verpasster "Kodak-Moment".

Ute Rossbacher

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