Big Brother
Deutschland hat's als erster geschafft: Negativzinsen für Staatsanleihen. Das heißt, dass Investoren dafür zahlen, Deutschland Geld borgen zu dürfen. Es wird ein kleiner Verlust in Kauf genommen, weil eine Rückzahlung – im Gegensatz zu anderen Depot-Varianten – gewährleistet zu sein scheint. Chapeau.
Und kaum spürt man den typisch österreichischen Anflug von Neid und Missgunst in Richtung Norden, schreitet Wulff ein: Ein Präsident, der einem mächtigen Medienmann auf die Mobilbox blökt – diese Dodelaktion rückt Deutschland wieder näher und macht unsere Nachbarn wieder menschlicher, weil fehlbarer.
Österreich hat sich übrigens im Laufe der Woche auch Geld von den Märkten geliehen und dabei ebenfalls für kurzfristige Anleihen das Kunststück des Reibachs durch Schnorren zustande gebracht. Erfolgreich nachgemacht!
Die Mobilbox-Angelegenheit wird sich hierzulande leider nicht wiederholen. Bei uns ist die Schlawinerszene routinierter und professionalisierter. Da wird bekanntlich nur direkt via Wertkartenhandy kommuniziert.
Save the Pelikan
Langsam tut er mir leid, der Pelinka Niko. Nicht für die Welle der Kritik von außen. Was hat er sich erwartet? Was hat sich Alexander Wrabetz erwartet? Der Gegenwind kam mit Ansage und zu Recht. Aber die Wortmeldungen von seinen Freunden bzw. seinem engsten Umfeld – DIE sind heftig!
Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina sagt im Falter über seinen ehemaligen Protegé: "Niko Pelinka ist in einem Ausmaß unkritisch, das wirklich beachtlich ist." Keine Frage, das weckt den väterlichen Schutzinstinkt. Also sagt Papa Pelinka ebendort: Sollte Sohnemann es wagen, in eine ORF-Diskussion per Besetzungswunsch zu intervenieren - dann "hau ich ihm persönlich eine Watschen runter."
Wer solche Freunde hat, muss sich erst einmal neue Feinde machen.
Außenminister der Herzen
Karl-Heinz Grasser, Alfons Mensdorff-Pouilly, Ernst Strasser. Wir möchten gar nicht wissen, wer sonst noch mit österreichischem Diplomatenpass reist. Ärgerlich, ungerecht, unsympathisch, nach Nepotismus und Privilegienschacher stinkend.
Für Politiker, die sich auf die Seite des Volkes stellen möchten, ist so eine Geschichte ein Elfer ohne Tormann. Ganz leicht schlüpft es sich da in die Rolle des Rächers der Enterbten. Was aber macht Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger (zur Erinnerung, Chef der Volkspartei)? Er nennt die Causa gleich mal "Pipifax-Thema". Das sitzt.
Passgesetz und Spindeleggers Statements werden jetzt repariert. Leider erst jetzt.
Nachbar in Not
Eine köstliche Meldung ist diese Woche hierzulande völlig unterverkauft worden: Die italienischen Behörden haben ein kleines fiskales Planquadrat in Cortina d’Ampezzo errichtet. In dem Nobelskiort hat man sich die im Rudel auftretenden Ferrarifahrer näher angesehen. Dabei kam zutage, dass 42 von den 251 Kontrollierten laut Steuererklärung ein Einkommen unter 2500 Euro monatlich haben. 50 Ferraris waren als Firmenfahrzeug gemeldet. Noch ärmer sind aber italienische Bootsbesitzer dran: 42 Prozent verdienen offiziell keine 20.000 Euro im Jahr. Genauso übrigens 26 Prozent der Eigentümer von Flugzeugen.
Angesichts des Sparprogramms der Regierung in Rom und der offenbar suboptimalen Treffsicherheit des Steuersystems kann man jeden Italiener verstehen, der mit blutunterlaufenen Augen in Richtung Cortina Gift und Galle spuckt.
Michael Spindelegger würde das wahrscheinlich ein herzhaftes "Pillepalle" entlocken.
Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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