Wenn berühmte Hobby-Spieler gegen Schachgroßmeister antreten, ist das ein Fest, von dem allerdings abseits des Geschehens in der Regel wenig Notiz genommen wird. Leider! Es ist daher ein Verdienst der Monatszeitschrift Schach-Magazin 64, diese Informationslücke zu schließen sowie über die Turniere, ihre Protagonisten/innen und Spielzüge detailliert und umfassend zu berichten.
Das von Gründer, Chefredakteur und Schachmeister Otto Borik verantwortete Heft ist laut eigenen Angaben "Deutschlands erstes vollfarbiges Schach-Magazin", was im Umfeld der üblicherweise schwarz-weiß gehaltenen Fachzeitschriften tatsächlich ein erwähnenswertes Merkmal ist. Und bei weitem nicht das einzige.
Für jeden etwas
Wenden sich die Abbildungen der Spielzüge auf den rund 50 Seiten des Schach-Magazins 64 zweifellos an den passionierten Spieler, eröffnen die nachfolgenden Promi-Meldungen aus der Szene auch dem Laien einen würdigen Zugang, wie ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen kann! Ob Anatoli Karpow bei den Parlamentswahlen für Putins Partei kandidiert, Garry Kasparow sein neues Buch präsentiert oder die Frage, wie Großmeister Peter Heine Nielsen und Europameisterin Viktoria Cmilyte ihre Fernbeziehung meistern, beantwortet wird - einmal mehr wird dem interessierten Leser deutlich: Auch hinter jedem männlichen und weiblichen Schachprofi steckt nicht selten ein facettenreiches Leben, das nachzulesen interessant und spannend ist.
In seiner jüngsten Ausgabe berichtet das Blatt über Boris Becker, der sich kürzlich bei der London Chess Classic auf eine Partie mit Profi Nigel Short einließ und diese ehrenhaft verlor. Für den Tennis-Star und Schachfan war dieser Auftritt kein Debüt; dieses hatte er bereits im Jahr 2000 in New York beim CNN-Schaukampf gegen Garry Kasparow - sieglos - absolviert. Doch wie die Autoren des Schach-Magazins 64 ausdrücklich betonen, steht das Ergebnis bei derlei Begegnungen im Hintergrund, denn: "Es ist unserer Denksportart immer zuträglich, wenn Prominente (...) ihre Freude am Schachspielen öffentlich kundtun." Zu denen laut Angaben des Blattes weiters auch die Klitschko-Brüder zählen.
Schachmeister und Model: Magnus Carlsen
Zuträglich ist es der Nachwuchsarbeit nicht weniger, wenn sich Schachprofis über die Grenzen der Profiliga hinaus einen Namen machen. Als Werbeträger für den Bekleidungshersteller G-Star avancierte etwa der norwegische Schachspieler und Weltranglisten-Erste Magnus Carlsen an der Seite von Schauspielerin Liv Tyler (beide eindrucksvoll von Star-Fotograf Anton Corbijn in Szene gesetzt) schnell zur Kultfigur. Auch für jene, die nicht wissen, was es über den Schachspieler Boris Becker aussagt, wenn er gegen Nigel Short "Spanisch" oder gegen Garry Kasparow "Unregelmäßig" eröffnet ...
Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.

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