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Bauernschlaue Gipfelkreuz-Abgabe

05.01.2012
Religion und Staat vermischen, mit Landschaft abschmecken – schon hat man eine neue Steuer.

Bauernbündler Maximilian Hiegelsberger (ÖVP) hat eine Idee: Wenn alle Kirchensteuer zahlen - egal, ob aus der Kirche ausgetreten oder nicht, dann gibt's mehr Geld.

Brillant! Allerdings nicht neu. Das hat er sich vom Farbfernsehen abgeschaut. Schließlich sind die ORF-Gebühren auch zu blechen – egal, ob man ORF-Programme tatsächlich technisch empfangen kann oder nicht. (Geschweige denn: will.) Es reicht, im theoretisch abgedeckten Sendegebiet zu wohnen.

Umgelegt auf Kirchensteuer: Ist eine Kirche in der Nähe, die den Besuch des Gottesdienstes prinzipiell ermöglicht, hat man auch schon das Abo zu berappen. Und in Österreich ist immer eine Kirche in der Nähe.

Seien wir uns ehrlich - der Gedanke ist nicht ungewieft: Profitmaximierung von Steuern durch ihre Abkoppelung von Anlässen. Jeder Finanzminister schnalzt wohl mit der Zunge beim Gedanken einer Grunderwerbsteuer, die einfach von jedem Bürger zu zahlen ist. Oder warum nicht eine verpflichtende Kfz-Abgabe ab Geburt?

Zurück zur Kirchensteuer. Zum Lex Hiegelsberger wird es natürlich nicht kommen. Dazu ist der Vorstoß sogar für ein Land, das mit der Kirchensteuer ziemlich unhygienisch Religion mit Staat vermanscht, doch zu abstrus.

Der oberösterreichische ÖVP-Mann hat jedenfalls mit seiner Idee einen rechten Bahöö hervorgerufen. Und als hätte er ihn kommen sehen, schwächt er den Glaubensaspekt ab, indem er von schützenswerten Kulturgüter (Stifte, Klöster und Kirchen) in Österreich fabuliert, deren Erhalt finanziert sein will. Der katholischen Kirche kommen ja immer mehr zahlende Schäfchen abhanden, sie brauche milde Unterstützung.

Lieber Herr Hiegelsberger, selbst wenn wir nur von touristischen Werten der Prunkbauten reden, die rein zufällig ein Kreuz oben drauf haben: Solange der Besitzer dieser Bauten wie 2011 lockere 25 Millionen Euro in die Hand nimmt, um Papst Benedikt samt Sonderflug, Entourage und seinen handgenähten Schlüpfern für ein paar Tage nach Deutschland zu schicken – solange fühlen sich andere solidarische Leistungen dringender an.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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