Je langsamer und je weniger in Pakistan geholfen wird, desto mehr spielt die Flutkatastrophe den Taliban in die Hände - Cameron Sinclairs Interpretation für "The Huffington Post":
Sinclair: 13,8 Millionen von der Flut in Pakistan betroffen, mehr als 1500 Tote, eine noch höhere Zahl vermisst, ganze Städte und Dörfer von den Wassermassen verschlungen - und das einzig Ruhige in diesem stürmischen Szenario sei bisher die internationale Antwort auf die Katastrophe gewesen.
Da Sinclair selbst im Wiederaufbau tätig ist (siehe unten) und schon ein Dutzend Katastrophengebiete erlebt hat, kennt er die Gründe für internationales Interesse: zufällige Auslöser. So sei 2004 der Tsunami in Südasien eine "Camcorder"-Katastrophe gewesen, aufgenommen von vielen Urlaubern. Hurrikan Katrina wiederum habe sich zu einem 24-Stunden-Event für Nachrichtenkanäle mit endlosen Helikopteraufnahmen entwickelt. Bei Haiti habe Twitter die Hauptrolle gespielt, indem es schon wenige Momente nach dem Erdbeben Informationen lieferte, und die Ölpest im Golf von Mexiko habe uns vor allem durch die Unterwasseraufnahmen des sprudelnden Öls erreicht. Sinclair: "Trauriger Weise bestimmen solche medialen Momente, wie auf eine Katastrophe reagiert wird."
Einen solchen "medialen Moment" dürfte es im Falle der Flut in Pakistan noch nicht gegeben haben - zusätzlich, so der Autor, wird es überschattet: Genauso wie das Erdbeben 2005 in Kaschmir, bei dem die Weltaufmerksamkeit auf den Tsunami und auf Hurrikan Katrina abgelenkt war, stehen derzeit mehr Haiti und die BP-Ölpest im öffentlichen Fokus.
Diese mangelnde Beachtung kann aber verheerende Folgen haben, warnt Sinclair und zitiert einen unabhängigen Subunternehmer von USAID (Behörde der Vereinigten Staaten für Entwicklungszusammenarbeit, Anm.), der sich weniger über die finanziellen Hilfsmittel Sorgen machte als darüber, was passiert, wenn die Staatengemeinschaft die Region verlässt: "Wer wird wohl die Schulen und Kliniken aufbauen, welche gut finanzierte Gruppe, die Interesse hat, die Menschen für sich zu gewinnen? Die Taliban-Extremisten. Menschen werden nicht einfach zu Terroristen, sie schließen sich diesen Gruppen an, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben."
Sinclair ruft auf, Verantwortungen wahrzunehmen: Wenn nicht die Staatengemeinschaft entsprechend tätig wird, stehen Gruppierungen mit anderen Gesinnungen Gewehr bei Fuß, um die sozialen Brüche nach einer Katastrophe zu füllen. Des Autoren Fazit: "Mangelnde internationale Maßnahmen machen solche sensiblen Gegenden zum Nistplatz für Terrorismus. Wenn du nichts hast, wovon du leben kannst, hast du jede Bereitschaft zu sterben."
Cameron Sinclair ist Mitbegründer der karitativen Organisation "Architecture for Humanity" und der Online-Innitiative für bessere Lebensbedingungen "Open Architecture Network".

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