Bei all den beklemmenden Fakten der pakistanischen Flutkatastrophe - Pakistan-Experte Shuja Nawaz sieht einen Hoffnungsschimmer für das Land aus den Wassermassen aufsteigen. Ein Blick in seinen Gastkommentar für die "Washington Post":
Nawaz: Die schlimmste Flut seit 80 Jahren habe das Land nachhaltig verwüstet. Und dennoch: "Inmitten all der Zerstörung gibt es Anlass zu Optimismus." Rasche Hilfe durch die USA könne nämlich jetzt zukunftsweisende diplomatische Annäherungen anbahnen. Washington habe Hilfe in der Höhe von 55 Millionen Dollar zugesagt, der höchste Einzelbetrag innerhalb der internationalen Gemeinschaft. Die "Chinooks" (Lastenhubschrauber, Anm.) der US Army verkörpern bei der pakistanischen Bevölkerung mittlerweile - auch nach dem Erdbeben von 2005 - zweierlei: Das Wollen und Können der USA, Pakistan zu helfen, aber auch die Bereitschaft des pakistanischen Militärs, mit den US-Truppen zu kooperieren. Das könnte sich zu einer langfristigen Zusammenarbeit jenseits der Spitzenpolitik ausweiten.
Nawaz führt ein vielsagendes Beispiel an: Dieser Tage sei der Chef der pakistanischen Luftstreitkräfte in den USA, um gemeinsamen Übungen in Nevada beizuwohnen. Zusammentreffen wie diese könnten helfen, bei beiden Völkern falsche Meinungen über den jeweils anderen abzulegen.
Dass auf beiden Seiten nach wie vor jede Menge Ressentiments bestehen, steht für Nawaz außer Zweifel. So seien laut aktuellen Studien 68 Prozent der Pakistani negativ gegenüber den USA eingestellt; umgekehrt seien nur 23 Prozent der US-Bevölkerung positiv gegenüber Pakistan gestimmt. Aber auch in den statistischen Daten vermag der Autor Positives herauszulesen: Bei den jüngeren Befragten sei nämlich die Stimmung offener. Nawaz: "Es kann eine Möglichkeit bestehen, dass sich die pakistanische und die amerikanische Jugend verbindet und die tief verwurzelte Geschichte der beiden Länder, die so lange die Politik geprägt hat, überwindet."
Nawaz kehrt schließlich zur aktuellen Flut zurück: Die langfristigen flächendeckenden Hilfspläne der Administration Obama und des Kongresses müssen jetzt im Angesicht der Flutkatastrophe überarbeitet, Geldflüsse beschleunigt werden. Um sich zu erholen, sei aber Pakistan neben der Hilfe aus den USA und aus Europa auch auf Unterstützung anderer muslimischer Länder angewiesen. Da allerdings in der Zwischenzeit der interne Konflikt weiter tobt, müsse Washington - auch bei der Idee des Abzuges - langfristig denken. Nawaz fordert beständige bilaterale Entwicklungen zwischen den USA und Pakistan - "nicht für kurzfristige Vorteile, sondern um eine andauernde Beziehung aufzubauen."
Shuja Nawaz ist Direktor des "South Asia Center" im Nordatlantikrat und Autor des Berichts "Pakistan im Gefahrenbereich: Die prekäre Beziehung zwischen den USA und Pakistan".

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