Die Flutkatastrophe in Pakistan hat eine Dimension, die sich merkwürdigerweise nicht in der medialen Berichterstattung proportional niederschlägt. Warum weggeschaut wird, erörtert Karsten Polke-Majewski in seinem Kommentar für die "Zeit Online":
Polke-Majewski stellt mit Erstaunen gegenüber: 14 Millionen steht das Wasser wortwörtlich bis zum Hals, in den Medien blieben die Überschwemmungen in Pakistan aber nur Randthema. Laut Expertenmeinung sei Pakistan für den Westen einfach kein Sympathieträger. Dauerkonflikte mit Nachbarstaaten, Atomwaffen, Heimat radikaler Islamisten und der Taliban - das alles rieche nicht gerade nach verlockender exotischer Urlaubsdestination.
Neben weiteren Argumenten für das dünne Echo in Medien wie im Spendenverhalten analysiert Polke-Majewski: "Zu wenig Opfer: Es ist zynisch, aber der Nachrichtenwert einer Katastrophe richtet sich allzu oft nach der Zahl der Toten." Es folgt ein Vergleich der Worst-of: Während das Erdbeben in Haiti 300.000 Menschen, der 2004er-Tsunami 200.000 das Leben kostete, könne die aktuelle Flut in Pakistan gerade mal 1500 Todesopfer verantworten. In der medialen Berichterstattung sei die Notwendigkeit spürbar, die 14 Millionen Gefährdeten nachzureichen - sonst würde die Meldung zahlenmäßig nicht das Schlagwort Katastrophe rechtfertigen. Wohl auch nicht in der Wahrnehmung.
Welche Gründe fürs Abwenden von Katastrophen auch jeweils zutreffen mögen - wir sollten sie uns schleunigst abgewöhnen, appelliert Karsten Polke-Majewski schließlich: "Betrachtet man die sehr nüchternen Prognosen der Vereinten Nationen zu den Folgen des Klimawandels, des weltweiten Bevölkerungswachstums, der erwartbaren Nahrungsmittelknappheit oder der zunehmenden Wassernot, werden Ereignisse wie in Pakistan uns in Zukunft weit intensiver beschäftigen, als wir es bisher kennen."

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