Eine Währung, von der noch nicht eindeutig gesagt werden kann, ob ihr ein langes Leben beschieden ist, feiert am 1. Jänner 2012 ihr zehnjähriges Bestehen. Wobei "feiern" zu viel gesagt ist: Auf offizielle Festivitäten wird in der EU angesichts der anhaltenden Finanzkrise verzichtet. Stattdessen erinnern sich viele wieder der Bedenken, die damals in der Euphorie über eine gemeinsame Währung ungehört blieben: dass eine Eurozone nur mit einer gemeinsam akkordierten Budgetpolitik Aussicht auf Bestand und Stabilität haben könnte. Das war Anfang der 90er-Jahre, als noch niemand etwas von der Krise ahnte, die im Herbst 2009 in Athen ihren Ausgang nahm.
Auf und Ab des Euro
Dabei sollte der Euro besser anlaufen als gedacht. In insgesamt 12 Ländern wurde die Währung im Bargeldverkehr ab dem 1.1.2002 eingeführt. Von dieser profitierten der Tourismus, vor allem aber die Exportwirtschaft. Die Teuerungen, die mit dem Euro kamen, waren aus der Sicht der Befürworter verschmerzbar.
Auch der Kurs des Euro entwickelte sich zufriedenstellend, stellt Antje Höning von der Rheinischen Post zurückblickend fest: "Gegenüber dem amerikanischen Dollar wurde der Euro immer wertvoller: Auf seinem Tiefpunkt im Jahr 2000 war der Euro nur 0,82 Dollar wert, bis zum Sommer 2008 verdoppelte er seinen Wert auf 1,60 Dollar."
Doch eine griechische Staatspleite und - laut Höning - 14 Krisengipfel später ist die einstige Euro-Euphorie auf den Nullpunkt abgesakt. Georg Hoffmann-Ostenhof und Eva Linsinger von profil wundert das nicht: "Die vier großen Versprechen des Euro, niedergeschrieben in den Maastricht-Kriterien, sind geplatzt: Die EZB springt notleidenden Staaten bei. Die Staatsschulden in der Eurozone wurden nicht begrenzt, sondern haben sich seit dem Jahr 1997 verdoppelt. Nur vier Eurostaaten liegen unter der erlaubten 60-Prozent-Schuldenmarke. Und das Bail-out-Verbot (Ausstieg aus der Eurozone, Anm.) gilt nicht mehr."
Die Euro-Krise hat auch dazu beigetragen, dass 2011 folgende Begriffe in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind: Schuldenbremse, Ratingagenturen, Haircut, Rettungsschirm.
Letzterer, der anfänglich nur als Provisorium gedacht war, geht ab 2012 in eine permanente Schutzeinrichtung mit fixer Reserve für marode Euro-Staaten über. Jan Dams von Die Welt bleibt dennoch skeptisch: "80 Mrd. Euro an Kapital und 620 Mrd. Euro an Garantien sind viel Geld. Zur Rettung der Euro-Zone aber wird diese Summe nicht reichen. (...) 2012 wird das ein echtes Problem."
So schwarz will der Journalist Hüfner in seinem Wochenkommentar für die Plattform EXtra-Magazin nicht sehen. Pünktlich zum Jahresende präsentierte er seine Prognosen für 2012, die er in einem Jahr einer Überprüfung unterziehen möchte. Seine Einschätzung: "In Europa tritt ein Land aus dem Euro aus. Es ist aber nicht Griechenland, das die Lasten nicht mehr tragen will. Es ist Finnland, wo die 'wahren Finnen' die Gemeinschaftswährung ablehnen. Umgekehrt stellt Dänemark den Antrag auf Beitritt."
"Finanzkrise nicht vorbei"
Mit Festlegungen dieser Art halten sich freilich die meisten Experten zurück und halten es eher mit Warnungen. Die zumindest sinngemäß durchaus der Einschätzung von Star-Astrologin Gerda Rogers nahekommen, die gegenüber relevant kürzlich betonte: "Spätestens in der zweiten Jahreshälfte wird es keine Diskussionen mehr geben, ob wir sparen müssen oder nicht. (...) Auf die Banken kommen schwierige Zeiten zu. Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei."
Ute Rossbacher

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