Wien Bewölkt 20.9°C
Quelle: ZAMG

Kolumnen

Renate Rossbacher

kulturlounge Ystad, Stockholm, London: Krimi-Reisen liegen im Trend.


Manuel Simbürger

Inside Out Life Ball 2012: Fast-Live-Ticker zum Ball der Bälle.


Sascha Bém

provokant SMFPK? - Wenn sich Männer nach "Tetschn" sehnen.


Ute Rossbacher

Media's Digest Stars und Sternchen einmal anders: ein Blick in die Welt der Astrologie.


Markus Berndt

HR quergedacht Die ignorierten eierlegenden Wollmilchsäue.


Dr. Erdal Cetin

Inside OP Fersensporn: Schmerzhaft und langwierig zu behandeln.


Werner Becher

FrechDAX Bye Bye, Griechenland.

Interviews

Bildergalerien

Weitere Meinungsthemen

Regime neu in Nordkorea: nicht ohne Militär

Rex Features/picturedesk.com

relevant Redaktion

Nordkorea: Kim Jong Un regiert, aber nicht alleine

21.12.2011
Das Militär unterstützt zwar den Sohn des verstorbenen Diktators Kim Jong-il, aber nicht ohne Absicherung.

Während einer Zugfahrt soll es am Samstag (17.12.) geschehen sein, dass Nordkoreas Diktator Kim Jong-il 69-jährig einem Herzinfarkt erlegen ist. Er, dessen Vater Kim Il Sung Anfang der 50er-Jahre Nordkorea begründete und das Land bis 1994 beherrschte; er, dessen Sohn Kim Jong Un jetzt das Regime fortsetzen soll.


Ausnahmezustand als Normalfall

Ein Land, ein Familienclan, viele Unbekannte und noch mehr Probleme, die Bastian Brinkmann von der Süddeutschen Zeitung umreißt: "Nordkorea ist der am stärksten abgeschottete Staat der Welt. Die UN schätzen, dass rund sechs Millionen Menschen im Land von Hunger bedroht sind, vor allem Kinder."

Norbert Eschborn, Beauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung, ergänzt im Interview mit Der Tagesspiegel: "Strom gibt es, wie mir auf Nachfrage gesagt wurde, nur an zwei Stunden am Morgen und am Abend sowie ganztägig am Sonntag. Der Rest fließt in die Produktion. Die Wasserleitungen sind zu dieser Jahreszeit gefroren. Wir hatten zwischen 0 und -10 Grad und man kann sich vorstellen, wie kalt das in den Wohnungen wird."

Martin Benninghoff vom Handelsblatt weiß überdies: "Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner lag 2009 nach Angaben der 'Bank of Korea' bei nur noch 960 US-Dollar – auf dem Niveau eines Entwicklungslandes." Nicht genug, so der Autor weiter: "Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme in Osteuropa fielen wichtige Handelspartner weg, die Wirtschaft kam zum Erliegen."

Hoffnung schöpft daher Beat U. Wieser von der Neuen Zürcher Zeitung aus etwas anderem: "Gleichzeitig ist dieses darbende Volk heute besser informiert – sowohl über die Innen- wie auch die Außenwelt. Diese Mischung könnte sich im Moment des dynastischen Übergangs in der Familie Kim als explosiv entpuppen."


Nordkorea - "terra incognita"

Das scheint bereits viel Information über einen Staat, der wie kaum ein anderer darauf bedacht ist, für Außenstehende unbekanntes Land zu bleiben. Kaum einer darf ein-, kaum einer ausreisen. Auch innerhalb Nordkoreas ist die Reisetätigkeit stark reglementiert. Daher gibt es auch kaum freigegebene Fotos, die den Alltag der Menschen zeigen. Dafür umso mehr Propaganda-Material über das Regime.

Ausnahmebestimmungen gelten höchstens für das benachbarte China. Zu den geschichtlich bedingten engen Verflechtungen erklärt Ruth Fend von der Financial Times Deutschland: "Ideologisch hat sich China an Nordkorea gekettet. Peking hatte kaum eine andere Wahl. Die Opfer für den kleinen Bruder im Koreakrieg waren enorm. Hätte China seine Truppen nicht dort gebunden, hätte Taiwan sich kaum von der Volksrepublik abspalten können."

Seit 2009 sind jedoch auch kritische Kommentare aus Peking zu vernehmen, bestätigt ZDF Heute und kennt auch die Ursache: "Pjöngjang (Hauptstadt von Nordkorea, Anm.) stieg im April 2009 aus den Sechs-Nationen-Gesprächen über sein Atomprogramm aus, an denen die USA, Japan, Russland, China und Südkorea beteiligt sind." Entsprechend alarmiert zeigt sich vor allem Südkorea seit der Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Diktators, von dem nur wenige gesicherte Informationen überliefert sind.


Jüngster Sohn als Nachfolger

"Alles in Bezug auf ihn ist Spekulation, angefangen bei seinem genauen Geburtsdatum und -ort bis zu den Mythen über seinen Aufstieg", arbeitet sich David E. Sanger von der New York Times an der "vielleicht letzten Kultfigur in der kommunistischen Welt" ab.

Über dessen nicht minder nebulöses Privatleben macht sich hingegen Rafael Wober von der Huffington Post Gedanken: "Er (Kim Jong-il, Anm.) soll einmal verheiratet gewesen sein und mindestens drei Lebensgefährtinnen gehabt haben. Er hat mindestens drei Söhne mit zwei von ihnen, und eine Tochter mit einer Dritten."

Kim Jong Un ist der Jüngste der Söhne. Sein Alter wird auf Ende 20 geschätzt. 2008 - in dem Jahr, als sein Vater einen Hirnschlag erlitt - wurde er zum designierten Nachfolger bestimmt. Er soll bereits Funktionen in der Partei bekleidet und repräsentative Pflichten wahrgenommen haben. Ob es ihm gelingen wird, das Land mit ähnlich rigider Hand wie sein Vater zu führen, ist unklar, wird aber nicht ausgeschlossen.

Eine tragendere Rolle kommt jedoch nach der Einschätzung von Bastian Brinkmann (Süddeutsche Zeitung) ohnehin der Armee zu, die mit 1,2 Millionen Soldaten zu einer der größten der Welt zählt. Ihre Gunst hat sich Kim Jong Un fürs Erste zwar gesichert, konnte aber nicht verhindern, dass die Generäle bzw. ein Onkel von ihm mitregieren werden.


Drittes Kapitel der Ära Kim

Dass es zu einem Sturz des noch jungen Nachfolgerregimes kommen könnte, wird daher allgemein bezweifelt. Hinzu kommt, dass der Großteil der Bevölkerung ums Überleben kämpft, und es kaum ausländische Investoren in dem Land gibt und daher auch kaum Staaten, die über die genauen Abläufe in Nordkorea Bescheid wissen.

So schlägt der Clan unbehelligt das dritte Kapitel seines Herrschaftsbuches auf - gemäß dem Motto, das Donald Kirk in seinem Kommentar für die chinesische Tageszeitung Asia Times formuliert: "Der Kim ist tot, lang lebe der Kim."

Ute Rossbacher


Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech