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Vaclav Havel (1936 - 2011)

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relevant Redaktion

Vaclav Havel (1936 - 2011)

19.12.2011
Erinnerungen an den Lyriker und Schriftsteller, dessen politisches Engagement bis zum Ende ungebrochen war.

Einst boten die Kommunisten Vaclav Havel die Emigration an. Doch der Regimekritiker, Lyriker und Schriftsteller blieb und ging für seine Überzeugungen ins Gefängnis. Das war nach 1968, als die russischen Truppen den Prager Frühling niedergeschlagen hatten. Havel jedoch ließ sich nicht beirren. Weder von Haft noch Isolation. Gründete mit anderen Verbündeten in den 70er-Jahren die Demokratiebewegung "Charta 77" und trat für Bürgerrechte ein.

Es war daher eine logische Konsequenz, dass er im Jahr 1989 zum "Hauptdarsteller und Regisseur jenes Spiels wird, das die Geschichte veränderte", wie es in den Worten des Historikers Timothy Gordon Ash (Gastkommentar in der britischen Tageszeitung The Guardian) nachklingt. Ein Spiel, das den Titel die "Samtene Revolution" trägt.

Als Präsident der Tschechoslowakei (1989 - 1992) verkörpert er die Hoffnung der Menschen auf einen Neuanfang, der jedoch auch von Spannungen begleitet wird. Diese enden in der Spaltung des Landes; Havel wird Präsident der tschechischen Hälfte.


Kurs der Versöhnung

Seine Botschaft lautet unmissverständlich Versöhnung, erinnert sich Kilian Kirchgeßner von Die Zeit: "In vielen Behörden und Ämtern blieben die alten Mitarbeiter weiterhin beschäftigt, Havel wollte keinen Graben durch das Land, sondern wünschte sich eine Erneuerung, an der alle mitwirken sollten."

Nur eine von vielen politischen Leistungen, deren Liste Stefan Heinlein von der ARD Tagesschau fortsetzt: "Konsequent führt er sein Land in Richtung EU und NATO - ohne die Schattenseiten der Westintegration zu übersehen." So habe Havel, ergänzt der Autor, vor dem aufkeimenden Nationalismus als Reaktion auf eine unkontrollierte Globalisierung gewarnt.


Ideal und Wirklichkeit

Mit seiner kritischen Haltung und seinem moralischen Anspruch, den er sich auch als Politiker bewahren wollte, geriet Havel jedoch schon bald an seine Grenzen, resümiert der Journalist Andreas Oplatka im Interview mit der Basler Zeitung: "Havel war zu feinfühlig, zu sehr Humanist, als dass er dem täglichen politischen Geschäft hätte gewachsen sein können."

Nicht die einzige Bürde für den gesundheitlich zusehends angeschlagenen Havel, weiß Timothy Gordon Ash (The Guardian): "Im Zustand nachlassender Gesundheit war er von der nicht enden wollenden Liste an repräsentativen Verpflichtungen und belanglosen politischen Kämpfe erschöpft, und mit der Zeit wurden die Menschen seiner überdrüssig."

Vor allem seit 1996, als ihm infolge einer Krebserkrankung eine Lungenhälfte entfernt werden musste, "schien er von geborgter Zeit zu leben", wie es Paul Wilson in seinem Kommentar für den US-Sender CNN ausdrückt.


Die Politik geht, das Engagement bleibt

2003 scheidet Havel nach zwei Amtszeiten aus der Politik aus, setzt jedoch sein politisches Engagement, das nun verstärkt anderen Ländern gilt, trotz schwacher Gesundheit fort. Und: er schreibt wieder. Essays und Stücke. Noch im Frühjahr 2011 wird sein Stück "Abgang" verfilmt - unter seiner Regie, mit seinem Drehbuch.

Als ihn Paul Wilson aus Anlass dieses Projekts aufsucht, ist Havel von Krankheit gezeichnet, aber mit Sorgen ganz anderer Art befasst: "Glauben Sie, sind die Araber bereit für die Demokratie?" fragt er den CNN-Journalisten, der ihm zu bedenken gibt: "Wart ihr es damals 1989?" Worauf Havel lächelnd und mit leiser Stimme zur Antwort gibt: "Ich habe verstanden."

Ute Rossbacher

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