Quelle: ZAMG

Interviews

Weitere Meinungsthemen

Media's Digest - die Medienkolumne

Relevant

Media's Digest

Tony, lass' es polstern ...

15.12.2011
Der muskelbepackte Fitnesstrainer Tony Little ist ein Phänomen für sich. Und wird es wohl auch bleiben.

6.000 Stunden (!) im Jahr ist Tony Little durchschnittlich im Werbefernsehen zu sehen. Kein Wunder also, dass "Amerikas Fitnesstrainer" auch hierzulande bei so manchem Zuseher einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Was - das muss man freilich zugeben - auch ein wenig seinem unverkennbaren Erscheinungsbild geschuldet ist: Mit der blonden Lockenmähne und seinen antrainierten Schulterpolstern beschwört der mittlerweile 56-Jährige Musketier der Fitnessszene die goldenen Tage der Hard Rock-Ära herauf, die laut Mickey Rourke ("The Wrestler") ja nur deshalb ein jähes Ende fand, weil "Kurt Cobain aufkreuzte und alles ruinierte."

Sie können sich also vielleicht schon denken, dass der unerschrockene Tony Little vermeintlichen Parodisten wenig Spielraum lässt. Denn die Vorführung seiner Heimtrainer wird nicht selten von einer trommelfellbetäubenden Brüllattacke ("Ihr schafft es!"; "Es geht um Technik!") begleitet - da haben potenzielle Sekundenschläfer im Fernsehsessel keine Chance.


Tony Little - ganz groß

Doch nicht nur der Auftritt des "Fitness Hall of Fame"-Mitglieds ist dabei filmreif, sondern auch sein Werdegang: Nach einem schweren Autounfall 1983 war der einstige Mister Florida und Bodybuilder außer Gefecht gesetzt und kam nur dank gezieltem Aufbautraining wieder auf die Beine. In seinem ersten Fitnessbuch, das er daraufhin veröffentlichte, verarbeitete er seine Erfahrungen und gab Trainingsanleitungen. Das Buch wurde ein Renner und bildete den Auftakt zu einer unzähligen Reihe an mehrfach ausgezeichneten Trainingsvideos und -geräten.

Heute verzeichnet das Unternehmen von Tony Little rund 40 Millionen Kunden; von kolportierten 4 Milliarden Dollar Einnahmen ist in der englischsprachigen Ausgabe von Wikipedia die Rede. Geld, das der Fernsehcoach mit Schwäche für ausgefallene Tiere am liebsten in Antiquitäten und alten Autos anlegt.


Little Einstein

Mit Klassikern entwaffnet der in zweiter Ehe verheiratete vierfache Familienvater übrigens auch Kritiker jeglicher Art. Etwa, wenn er auf Albert Einstein zurückgreift ("Große Geister haben stets heftige Gegnerschaft in der Mittelmäßigkeit gefunden."). Ein Spruch, den Little ohne Hemmung in einem Atemzug mit seiner eigenen Philosophie zu nennen pflegt: "Glaub' immer an dich. Du schaffst es!"

Diese Ermutigung gilt selbst seinen Gegnern. Da hilft es auch nichts, wenn Bruce Springsteen in seinem Lied "Sell it and they will come" ungewöhnlich laut und deutlich wird: "And Tony Little, America's personal trainer, please kill yourself". Der Fitnesstrainer findet selbst das noch zum Lachen ("Ich liebe diese Art Parodie!") - und macht unbeirrt weiter.

Auch vor Selbstparodien schreckt Little nicht zurück und macht sich gerne über sich selbst und seine Posen lustig; die nur eine von vielen Markenzeichen sind, die den am 16. September 1955 geborenen Amerikaner vor mehr als 20 Jahren über Nacht berühmt gemacht haben. Und das alles nur, weil er seinem Credo folgte: "Hab Ideen, glaub' dran und setz' sie um!".


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech