Miguel-Anxo Murado in der britischen Tageszeitung "The Guardian" über die Faszination Stierkampf und warum es für Spanier so schwierig ist, eindeutig Position zu beziehen:
Murado ist in Spanien aufgewachsen und hat von kleinauf den Stierkampf als fixen Bestandteil der spanischen Kultur erlebt. Ihm seien daher, wie er schreibt, die Für und Wider wohl vertraut. Und für ihn durchaus nachvollziehbar, wie er betont. Wobei der Autor auf beiden Seiten argumentative Schwachpunkte zu erkennen glaubt: Wenn die Stierkampf-Fans etwa meinen, die Tierrasse sei durch die Kämpfe ja ohnehin nicht bedroht und das sogar noch mit Zahlenmaterial belegen wollen. Oder die Gegner die Stierkämpfe als rein bestialische Tierquälerei abtun und ihnen jegliche künstlerische Ästhetik absprechen.
Zermürbende Debatten, glaubt Murado, die sich die Diskutanten sparen könnten. Denn der Stierkampf wanke bereits ohnehin wie der Stier in der Arena, bevor er zu Boden geht, ist er fest überzeugt: "In ganz Spanien verliert der Stierkampf an Popularität. Katalonien beschleunigt diese Entwicklung nur."
Und die Spanier, bemerkt der Autor amüsiert, würden den Stierkampf kaum vermissen, denn auch in ihrem Land habe der Fußballsport jenem schon vor langer Zeit den Rang abgelaufen. Zur Untermauerung zitiert er seinen Vater, der ihm Folgendes erzählte: "In Madrid gab es einen Friseur, der seinen Kunden folgende Gesprächsthemen zur Wahl stellte: 'Fußball oder Stierkampf?' Und mit der Zeit sollte sich die überragende Mehrheit für den Ball, und nicht mehr für den Bullen entscheiden."

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