Katalonien hat den Stierkampf verboten. Große Erleichterung bei Tierfreunden. Wer aber glaubt, dass der Grund für diese Entscheidung gegen das grausame Treiben Mitleid an den malträtierten Stieren ist, liegt leider völlig falsch - so eine Analyse von Leo Wieland aus Madrid für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung":
Wieland: Das katalonische Parlament in Barcelona hat sich also gegen den Stierkampf entschieden. Eineinhalb Jahre Übergangsfrist, dann ist endgültig Schluss mit dem Gemetzel. Wieland steigt aber gleich den Tierschützern auf die Euphoriebremse: Nein, es habe rein gar nichts mit Ökologie und Tierliebe zu tun - vielmehr sei unter diesen hehren Vorwänden schlicht und einfach eine nationalistisch motivierte Trotzreaktion durchgesetzt worden. "Es ging in Wahrheit darum, 'Spanien' eins auszuwischen - und damit um krude Politik", so der Autor.
Den Zeitpunkt für das Aus der schon seit Ewigkeiten umstrittenen Corrida erklärt Wieland so: Das spanische Verfassungsgericht habe unlängst den Begriff "Nation" in Kataloniens Autonomiestatut als "rechtlich bedeutungslos" abqualifiziert. Das habe die nationalistischen Strömungen weiter aufgeschaukelt. Mit Hinblick auf Wahlen im Herbst schlagen die Wogen derzeit noch höher. Das Stierkampfverbot sei daher nicht mehr als eine politische "Retourkutsche".
Keine inhaltliche Glaubwürdigkeit sei auch, einmal mehr, von Regierungschef Montilla ausgegangen, beobachtet Wieland. Der aus dem andalusischen Córdoba stammende Corrida-Fan sei mirnixdirnix zu einem - holprig - katalonisch sprechenden Separatisten geworden, der vor der besagten Abstimmung kein Wort über die Lippen brachte, dann gegen ein Verbot votierte, um danach "Mäßigung und Verantwortungsbewusstsein" zu fordern.
Leo Wieland steht nicht alleine mit seiner Meinung da. Er zitiert den peruanischen Schriftsteller und Spanien-Kenner Mario Vargas Llosa: "Hinter diesen Versuchen, die Stierkämpfe zu verbieten, steckt eine politische Operation mit dem Ziel, zu demonstrieren, dass Katalonien nicht Spanien ist." Für alle, die immer noch an eine neue ökologische Warmherzigkeit Kataloniens glauben, hat Wieland noch einen Beweis dagegen parat: Die "carrebous" seien weiterhin erlaubt, ein regionaler Brauch, bei dem Stiere mit Böllern zwischen den Hörnern durch Straßen gehetzt werden. Nicht gerade tierlieb und genauso zu verbieten. "Aber diese Sitten haben eben keine 'spanischen' Wurzeln", so Wieland.

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