Ab 2012 ist der Stierkampf in der spanischen Region Katalonien per Gesetz verboten. Viktor Hermann in den "Salzburger Nachrichten" über die politische Signalwirkung dieser Entscheidung:
Den Stieren selbst, stellt Hermann vorsorglich klar, werde das neue Gesetz nur wenig bringen. Denn, erklärt er, der Stierkampf habe in Katalonien nie diese Anziehungskraft entwickelt wie im restlichen Spanien. Nein, betont der Autor, vielmehr liege hinter diesem Beschluss des katalonischen Regionalparlaments eine unmissverständliche politische Botschaft an Madrid.
Dazu holt er kurz geschichtlich aus: Katalonien sei die reichste Region des Landes. Doch seit der Franco-Diktatur fühlen sich die Bewohner "kulturell und politisch unterdrückt und wirtschaftlich ausgebeutet". Vor diesem Hintergrund sind auch deren Unabhängigkeitsbestrebungen zu verstehen, fügt Hermann erklärend hinzu.
Sein Resümee: Die Ablehnung des Stierkampfs ist also mehr als nur ein Bekenntnis zum Tierschutz. Er sei eine deutliche Abgrenzung gegenüber der spanischen Kultur, die uneingeschräkt an dem blutigen Ritual festhält, schließt Hermann: "Gerade weil vielen Spanier so viel am brutalen Stierkampf liegt, adelt die Opposition gegen diese Tierquälerei den katalanischen Drang nach Autonomie und Freiheit."

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