"Der Deal von Durban ist besser als nichts. Aber nichts wäre eine Katastrophe", bilanziert die Redaktion des britischen Guardian am Ende des jüngsten Klimagipfels in Südafrika nüchtern. Warum, überrascht Joachim Wille von der Berliner Zeitung nur wenig: "Kanada, Japan und Russland haben in Durban klargemacht, dass sie aussteigen, weil sie lieber Teersand für Öl ausbeuten wollen, oder an den Folgen einer Atomkatastrophe laborieren oder sowieso ihren eigenen Weg verfolgen."
Kanada entzieht sich
Für das größte Aufsehen sorgte dabei Kanadas Ankündigung, vom Kyoto-Protokoll (das seit 2005 in Kraft ist und die Schadstoff-Obergrenzen festlegt bzw. die schrittweise Reduzierung derselben vorschreibt) zurückzutreten. Umweltminister Peter Kent begründete den Schritt damit, dass jegliche Vereinbarungen ohne die Unterstützung der USA und China ohnehin wirkungslos blieben.
Thomas Schmidt von der ARD Tagesschau zufolge ist das jedoch nur die halbe Wahrheit: "Was er (Kent, Anm.) verschwieg: Mit einem Ausstieg vermeidet Kanada Strafzahlungen in Milliardenhöhe." Konkret: 14 Milliarden kanadische Dollar, die laut Kyoto-Protokoll vorgesehen gewesen wären. Diese Sanktion wie auch weitere Klima-Vorschriften zu umgehen, lässt Kanada in den Augen von Margaret Wente (Globe and Mail) zum "Mini-Satan" werden.
Beunruhigt über diese Entwicklung zeigt sich der amerikanische Klima-Aktivist Bill McKibben, der von Tom Zeller Jr. (The Huffington Post) mit den Worten zitiert wird: "Es ist ein eigenartiges Gefühl, nach Norden zu blicken und dort ein Land vorzufinden, das sich noch unverantwortlicher gegenüber dem Klimawandel verhält als die USA."
Macht und Geld statt Klima
Über die zweifelhafte Rolle letzterer macht sich hingegen Dagmar Dehmer von Der Tagesspiegel Gedanken: "Das Grundproblem, dass die USA und China gemeinsam für etwa die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, und beide frühestens 2020 mit einer deutlichen Senkung der Emissionen beginnen wollen, ist nicht gelöst." Das Risiko jedoch, dass diese die durchschnittlichen Temperaturen weiter ansteigen lassen und Überschwemmungen, Dürre und Unwetter fördern, ist damit größer denn je.
Wen die folgenschweren Auswirkungen als erste treffen werden, ist dabei für die südafrikanische Tageszeitung Times kein Geheimnis: "Afrika, der ärmste Kontinent der Welt, bekommt die Effekte des Klimawandels am schmerzhaftesten zu spüren - Millionen Menschen verhungern bereits am Horn von Afrika wegen der langen Dürre."
Doch darum gehe es im Grunde bei der Klimakonferenz nicht, bekrittelt Margaret Wente von der kanadischen Tageszeitung Globe and Mail, sondern vielmehr "um Macht und Geld"; ein Beispiel sei China, das den allgemeinen Wohlstand fördern wolle, um soziale Unruhen zu verhindern. Denn: 128 Millionen Chinesen leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Kein günstiger Moment für Klima-Diskussionen.
Der Durban-Deal
Den Kopf in den Sand stecken will die südafrikanische Tageszeitung Business Day dennoch nicht: "Sich darauf zu einigen, dass man gemeinsam eine Einigung erzielen will, klingt nach wenig, und ist es in gewissem Sinne auch. In anderer Hinsicht jedoch ist es eine große Veränderung."
Ab 2020 soll ein neues Klimaprotokoll in Kraft treten, das auch die USA oder China nicht aus der Verantwortung lassen will. Bei der Klimakonferenz in Katar im kommenden Jahr sollen jedoch erst einmal die Eckpunkte jenes Vertrages erarbeitet werden, der das auslaufende Kyoto-Protokoll bis dahin ersetzen soll. Weiters sollen ab 2020 jährlich Milliarden Euro bereitgestellt werden, um die Entwicklungsländer bei der Umsetzung einer klimafreundlichen Politik zu unterstützen, resümiert dazu die Süddeutsche Zeitung.
Warten auf das Klima-Tribunal
Gute Absichten - keine Zweifel. Die Taten werden diesen jedoch erst mit großer Zeitverzögerung folgen. Zu spät - nicht nur nach dem Empfinden von Steven Vromman von der belgischen Tageszeitung De Standaard, der zu Papier bringt: "Es würde mich nicht überraschen, wenn wir in wenigen Jahren oder Jahrzehnten ein Internationales Klima-Tribunal haben. Das der Frage nachgehen wird, warum es die Regierungen verabsäumt haben, das Klima-Chaos zu verhindern."
Ute Rossbacher

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