Aufdecker-Plattformen wie Wikileaks haben den großen Tageszeitungen das Spiel um die Enthüllung politischer und wirtschaftlicher Skandale abgenommen. Zeigt Eric Gujer aus aktuellem Anlass in der "Neuen Zürcher Zeitung":
Seit drei Jahren spiele Wikileaks im Bewerb um exklusive Enthüllungsgeschichten mit, schickt Gujer voraus. Und sei dabei angesehenen Medien wie der "New York Times" immer häufiger eine deutliche Schrittlänge voraus. Der "NZZ"-Autor kann offenbar noch nicht eindeutig sagen, ob ihm diese Entwicklung gefällt, wenn er schreibt: "Nicht mehr der Staat, sondern User im Netz bestimmen, was heute geheim ist."
Laut eigenen Angaben, bemerkt Gujer, habe Wikileaks nämlich in der Zwischenzeit bereits 1,2 Millionen geheime Dokumente von Unternehmen und Regierungen veröffentlicht. Wobei auch er zugibt: "Man kann Zweifel haben, ob diese Zahlen stimmen, die Wirkung der Plattform lässt sich nicht bestreiten." Das haben, wie er bemerkt, auch Staaten erkannt. Vor allem jene, denen besonders wenig daran gelegen sei, über ihre Strategien im Internet zu lesen - allen voran Simbabwe, Israel, aber eben auch die USA. Wie sich am Beispiel des von Wikileaks veröffentlichten Geheimpapier über die tatsächliche Lage in Afghanistan zeige, ergänzt der Autor. Um gleichzeitig auf die weitreichenden Folgen hinzuweisen, die er - zwiegespalten - nennt: Damit setze die Online-Plattform die Grenzen der Geheimhaltung außer Kraft. Lasse sich juristisch im Grunde nicht belangen. Liefere Informationen, deren Wahrheitsgehalt nur schwer überprüft werden könne. Ganz zu schweigen davon, kehrt er hervor, dass brisantes Material auf den Servern gespeichert bleibe.
Herausforderungen, denen sich die Öffentlichkeit stellen müsse, sieht Gujer Handlungsbedarf auf Seiten der Verantwortlichen: "So ist Wikileaks auch ein Testfall, wie heute die Macht verteilt ist zwischen dem Staat und der anonymen Internet-Gemeinde."

20.9°C
14.9°C
22.2°C
15.7°C














