Die Veröffentlichung der rund 92.000 Berichte über die Lage in Afghanistan könnte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt für die US-Regierung kommen, so Gregor Peter Schmitz im "Spiegel":
Auffällig in Schmitz' Augen, wie betont abwehrend die US-Regierung den von der Online-Plattform Wikileaks veröffentlichten Geheimbericht über Afghanistan kommentiert. Nämlich gar nicht. Die Journalisten würden abgespeist, auf aussagekräftige Statements aus dem Weißen Haus warten sie dieser Tage vergebens, gibt der Washington-Korrespondent Einblick in die mitunter zermürbende journalistische Kleinarbeit. So fasst er auch das Gebahren der US-Regierung mit leichter Gereiztheit zusammen: "So sieht also die Verteidigungslinie des Weißen Hauses aus: Runterspielen, cool bleiben, abwimmeln."
Und das natürlich nicht ganz ohne Grund, wie Schmitz dem Leser zu vermitteln versucht: Denn für die wachsende Zahl an Kritikern seien die Enthüllungen über die dramatischen Zustände in Afghanistan Wasser auf die Mühlen. Zumal die US-Truppen zwei der blutigsten Monate im Kriegsgebiet hinter sich hätten, wie der Autor unterstreicht: "Die brisanten Details erschüttern eine Nation, die des Kämpfens müde ist."
Für ihn besonders brisant: Auch wenn sich der Bericht auf die Zeit von 2004 bis 2009 beziehe, stelle er die jüngste Strategie Obamas - mehr Geld und Soldaten in die Kriegszone zu entsenden - nicht minder in Frage. Auch Schmitz vernimmt in seinem Umfeld die immer lauter werdenden Rufe nach einem Rückzug à la Vietnam in den 70er Jahren. Der, wie er ergänzt, im übrigen auch infolge eines Papiers über die verheerenden Zustände eingeleitet wurde.
Mit leiser Genugtuung registriert der "Spiegel"-Autor daher, dass sich dieser Afghanistan-Bericht nicht werde aussitzen oder wegschweigen lassen. Zu drückend aus seiner Sicht die Beweislast, die gegen eine Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes spreche. Eine Haltung, die Schmitz auch zusehends bei Beratern und verbündeten Staaten von US-Präsident Obama ortet. Die Debatte also, glaubt und hofft er offenbar gleichermaßen, ist noch nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen.

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