Quelle: ZAMG

Interviews

Weitere Meinungsthemen

FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Die EUdSSR als Ausweg aus der Krise und Zukunftsmodell für Europa?

12.12.2011
Nur Gleichmachen, indem man Starke schwächt, schadet dem Ganzen.

Nehmen wir mal an, fern jeder Realität und rein hypothetisch, wir wären alleine auf diesem schönen Planeten. Mit "wir" meine ich dabei uns Europäer. Weder die USA, noch die immer rascher aufholenden Tigerstaaten Asiens und auch die bereits in wenigen Jahren zum nächsten Überholmanöver ansetzenden Länder Afrikas, dürfte es in dieser Welt geben.

Mit einer solchen Phantasiewelt müssen manche wohl die Realität verwechseln, lauscht man erstaunt ihren absurden Vorschlägen zur Bewältigung der europäischen Schuldenkrise. Deutschland soll seinen Außenhandelsüberschuss doch gefälligst abbauen, denn genau selbiger sei die Ursache der Krise, hört man derzeit öfters. Oder: Deutschland solle den Weg frei machen für Eurobonds, endlich unbegrenzte Haftungen für Staatsschulden anderer Länder übernehmen und damit in der Praxis sowohl deren Zinsen zahlen als auch die Kredite mangels alternativer Zahlungswilliger tilgen. Noch besser ist der Vorschlag: Deutschland solle die Löhne dramatisch erhöhen, damit die deutsche Wirtschaft an Konkurrenzfähigkeit verlieren und auf das Niveau der schwächeren EU-Länder sinken würde.

So stellt sich der kleine Salon-Experte (und nostalgischer Hobby-Kommunist?) also die große weite Welt der Makroökonomie vor! Man könnte meinen, von der Gesamtschule sei die Rede, die auch endlich überdurchschnittliche Schüler verhindern soll. Das alte Ziel der "Gleichheit", das schon als Vision für die UdSSR bekanntlich super Ergebnisse geliefert hat, soll endlich mit ein paar Jahrzehnten Verspätung auch in Europa implementiert werden. Anstatt einer auf wirtschaftlicher, persönlicher und politischer Freiheit basierenden EU soll also in einer EUdSSR nun bald alles besser werden. Als Leitspruch für dieses neue Europa würde ich vorschlagen: "Europäer, werdet endlich alle gleich arm!"


Euro-Chance genutzt!

Im Unterschied zu vielen Ländern, speziell in der südlichen Peripherie Europas, haben Deutschland und Österreich das vereinigte Europa und den Euro genutzt, um nach dem Wegfall von Zollschranken und Wechselkurskosten wirtschaftlich stark zu wachsen. Nach vielen Liberalisierungen und Privatisierungen ehemaliger Staatsbetriebe ist der Anteil des Exports von zuvor 40 auf 60% des BIP gestiegen. Diese vielen zusätzlichen Produkte und Dienstleistungen musste natürlich irgendwer produzieren. Wenig überraschend ist die Beschäftigung entsprechend stark gestiegen und zwar beispielsweise in Österreich von 3,5 Millionen auf mehr als vier Millionen Erwerbstätige innerhalb von nur 20 Jahren.

Ganz anders haben sich jene Länder in den vergangenen Jahren entwickelt, die nun am lautesten und nicht ganz uneigennützig nach Eurobonds rufen. In diesen Ländern ist die Produktivität, damit korrespondierend die Exportquote kaum und die Anzahl an Beschäftigten nicht relevant gestiegen. Stattdessen gab es einen starken Anstieg des Konsums, finanziert von einem stark steigenden Kreditvolumen der Staaten wie der Privathaushalte.

Nachdem das Oligopol der Ratingagenturen viele Jahre lang allem und jedem euphorisch ein AAA-Rating verpasst hatte sowie "die Märkte" damit dieser divergenten Entwicklung nicht entgegenwirken wollten und konnten, stehen wir nun vor dem logischen Scherbenhaufen. Eurobonds und andere krude Vorschläge, mit dem einzigen Ziel, einfach so weiter tun zu wollen wie bisher, würden demnach die unabdingliche radikale Umkehr bestenfalls verzögern und leider die Lawine zwischenzeitlich noch größer werden lassen, die uns ganz sicher überrollen wird.

Weder Eurobonds, noch politisch erzwungene höhere Gehälter in den produktiven Ländern und auch nicht eine einheitliche Wirtschafts- und Steuerpolitik durch die EU - man könnte frech hinzufügen: nach dem Vorbild der UdSSR-Planwirtschaft - werden die Ursachen der Krise beseitigen.


Euro-Chance verbockt!

Das Problem ist der Euro! Wirtschaftlich weniger produktive Länder wie Griechenland, Italien oder Spanien konnten früher alle paar Monate ihre nationale Währung abwerten. Damit wurden Importe teurer und der Wohlstand der Menschen in diesen Ländern wuchs einfach ganz automatisch langsamer, als in produktiveren Volkswirtschaften. Gleichzeitig mit der Abwertungen wurden auch die Lohnkosten gesenkt – in diesen Ländern zu investieren oder Produktionsstandorte in diese Länder zu verlagern, wurde mit jeder Abwertung interessanter. So stellte sich ein Gleichgewicht ein, das einerseits Wohlstand entsprechend der wirtschaftlichen Kraft des Landes herstellte und gleichzeitig durch attraktive Lohnkosten viel Potential für Investitionen ausländischer Investoren und damit Wachstum und Arbeitsplätze schaffte. Dieser Selbstregulierungsmechanismus fehlt seit Einführung des Euro.

Theoretisch wäre ein Miteinander unterschiedlich produktiver Nationalstaaten auch mit einer gemeinsamen Währung möglich, wie die USA seit vielen Jahrhunderten beweisen. In den produktiveren Ländern müssten die Löhne einfach nur schneller steigen, als in den weniger produktiven. Insofern geht der Vorschlag, Deutschland (und Österreich) sollten die Gehälter dramatisch erhöhen, in die richtige Richtung. In der Praxis war allerdings genau das Gegenteil der Fall: Während in Deutschland und Österreich die Löhne in den vergangenen Jahren nur sehr maßvoll gestiegen sind und genau damit die internationale Konkurrenzfähigkeit erhalten und viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnte, sind die Löhne in vielen Ländern Europas deutlich stärker gestiegen und haben logischerweise zu einer zusätzlichen Reduktion der Produktivität und damit zwangsläufig zu steigender Arbeitslosigkeit geführt.


Auf Sozialromantiker wartet niemand -
auch nicht der Euro

Wenn unser Ziel nicht ist, dass wir alle gleich arm werden, sondern alle Europäer wohlhabender werden sollen, dann führt kein Weg daran vorbei, die viel zu stark gestiegenen Löhne in den unproduktiveren Ländern zu kürzen und künftig auch langsamer zu erhöhen, als jene in den Top-Ökonomien. Nur so haben die schwächeren Länder eine Chance, zu den starken Wirtschaftsnationen aufzuschließen, da Asien, die USA und sehr bald auch immer mehr arabische und afrikanische Staaten nicht auf uns Sozialromantiker warten werden.

Ob dies realpolitisch umsetzbar und durchzuhalten sein wird, entscheidet darüber, ob es den Euro auch in fünf Jahren noch geben wird.


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech