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Afghanistan-Krieg: US-Dokumente "geleakt"

Julian Simmonds/Rex Features/picturedesk.com

Steffen Richter

Dokumente direkt aus dem Kriegsgeschehen

27.07.2010
"Allein für die Afghanen ändert die Veröffentlichung zunächst einmal gar nichts."

Die 92.000 Militärakten, die zur Lage in Afghanistan aufgetaucht sind, werden so manches ändern. Nur nicht die Lage der Bevölkerung, befürchten Steffen Richter und Tina Klopp in ihrem Kommentar für die "Zeit":

Es sind nicht die Informationen des Geheimberichts, die Richter und Klopp hellhörig machen. Vielmehr das Zeugnis, das jener davon ablegt, wie dramatisch die Lage in Afghanistan wirklich ist. Anhand von Beispielen wollen die Autoren diese dem Leser verdeutlichen.

Die brisantesten Punkte aus ihrer Sicht: Der langläufigen Meinung, dass die Taliban nur mit primitivem Kriegsgerät arbeite, werde in dem Bericht eindeutig widersprochen. Offenbar, so Richter und Klopp, reiche deren Bewaffnung auf jeden Fall aus, um amerikanische Militärhubschrauber abzuschießen. Mit wärmegesteuerten Boden-Luft-Raketen zum Beispiel. Beunruhigt stellen die Autoren daher die Frage: Von wem erhalten die Taliban ihre Waffen? Denn nach dem letzten Afghanistan-Krieg haben die USA sämtliche einsatzfähigen Raketen von ihnen wieder zurückgekauft.

Und dann, kommen sie auf einen weiteren wunden Punkt zu sprechen: Pakistan. Das Land, das die USA in den vergangenen Jahren wie kaum ein anderes mit Geld und Diplomatie umworben haben, um es im Kampf gegen den Terrorismus auf ihre Seite zu ziehen. Und dann, zeigen sich Richter und Klopp befremdet, zeige der Bericht, dass der Nachbar Afganistans die Taliban nicht nur unterstütze, sondern mit ihnen sogar gemeinsame Strategien gegen die US-Armee ausbrüte. Keine guten Vorzeichen also für die weitere Entwicklung am Hindukusch, verhehlen auch die Autoren ihre Bedenken nicht.

Drängt sich Richter und Klopp schlussendlich nur noch die Frage auf, was diese Enthüllungen für die Menschen in Afghanistan selbst bedeuten mögen. Hier haben auch sie nur wenig Hoffnung. Auch dann noch, wie sie betonen, wenn die Amerikaner aufgrund der vorliegenden Akten ihr Vorgehen ändern sollten: "Allein für die Afghanen ändert die Veröffentlichung zunächst einmal gar nichts. Ihre Sicherheitslage bleibt in vielen Teilen des Landes weiter unverändert bedrohlich."

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