Der an die Öffentlichkeit gelangte Geheimbericht über Afghanistan bestätigt, was viele bereits ahnten: Dass die Lage in dem Land aussichtslos ist. Schreibt eine nachdenklich gestimmte Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid im "Standard":
Auch Föderl-Schmid wollte die jüngsten Jubelmeldungen über die Entwicklung in Afghanistan glauben. Glauben, dass sich das Land soweit stabilisiert habe, dass es bereits in wenigen Jahren wieder auf eigenen Beinen stehen könne. Mit einer demokratischen Regierung, die die Menschenrechte wahrt. Doch der Glaube an eine bessere Zukunft für das kriegsgeplagte Land sei nun dahin, bemerkt die Chefredakteurin mit Unbehagen.
Denn, was der Geheimbericht enthüllt, komme einer Katastrophe für Afghanistan und den Westen gleich, schildert sie: Soldaten allein auf weiter Flur in purer Angst, schwerwiegende Pannen der Geheimdienste. Eine weitaus höhere Zahl ziviler Opfer, als bislang offiziell verkündet. Und ein schriftlicher Beleg dafür, dass die westlichen Armeen nach zehn Jahren der Taliban noch immer nicht annäherend Herr geworden sind. Dazu eine Regierung, die den Herausforderungen nicht gewachsen sei. Föderl-Schmid mit einem Anflug von Resignation: "Selbst wenn offiziell Durchhalteparolen verbreitet werden, so ist doch längst klar: Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen."
Die Vergleiche zum amerikanischen Vietnam-Einsatz sind daher für sie berechtigter denn je zuvor. Ein Abzug der Truppen aus Afghanistan wohl die einzig sinnvolle Lösung, deutet sie vage an. Was das allerdings für den zerrütteten Staat bedeuten werde, möchte sich Föderl-Schmid dabei lieber nicht ausmalen.

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