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Falscher Alarm?

09.12.2011
Je größer die Perspektive, desto kleiner das Hickhack.

Die Aufgeregtheit der europäischen Debatten steht im krassen Kontrast zu den erzielten (Nicht-)Ergebnissen. Der Euro ist knapp vor dem Aus. 10 Tage hat er noch. Die Woche der Entscheidung. Freitag aber wirklich: hop oder drop.

Wir zoomen hinein, in den kleineren österreichischen Rahmen: Schuldenbremse, sonst ist das österreichische Triple-A ganz sicher futsch. So geht’s nicht weiter. Allerhöchste Feuerwehr.

Und dann? Mündet doch wieder alles ins gewohnte Hickhack. Politisches Kleingeld anstatt volkswirtschaftliche Weichenstellungen. Es wird in Österreich lieber diskutiert, ob die Schuldenbremse ins Verfassungsrecht gehört, anstatt die Schulden zu bremsen. Es werden Beamtengehälter erhöht, anstatt den Staatsdienst zu reformieren. Und über allem liegt das Gezeter der nahenden ökonomischen Apokalypse.

Es wird haargenau gleich gestritten und stagniert, wie wenn es um Hundeleinenpflicht, Rauchverbot in Restaurants oder Ladenöffnungszeiten an Advent-Samstagen geht. Der einzige Unterschied vielleicht: Jeder Standpunkt wird untermauert von einem gebrüllten "So geht's nicht weiter!" - bevor es so weitergeht.

Wir zoomen wieder hinaus. Auf europäischer Ebene ist gerade doch nix mit großem Durchbruch. Auch, weil der britische Premier David Cameron lieber an den Finanzplatz London als an den Kontinent denkt. Die Lage ist zwar todernst, aber auch wieder nicht so, dass gemeinsam an einem Strang gezogen wird.

Wir zoomen noch weiter hinaus. Globaler Klimaschutz. Seit vielen Jahren überschlagen sich die Horrorszenarien. Wer aber daran glaubt, dass beim Klimagipfel in Durban heute noch etwas wirklich Großes erreicht wird, ist ein beneidenswerter Optimist oder hat ein erstaunliches Händchen beim Konsum von Punsch und anderen Wahrnehmungsverzerrern.

Die Szenarien verdeutlichen: Entweder der Mensch neigt als Gemeinschaft zur Krisenhysterie oder er ist als Gemeinschaft nicht konstruiert, Krisen zu meistern. Mehr Argumente sprechen wohl für letztere Variante.

Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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