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George Clooney for president

29.11.2011
Von Wahlkämpfen wie sie im Buche stehen.

Man nehme ein zeitkritisches Theaterstück und adaptiere es zu einem soliden, klassischen Drehbuch, bei dessen Umsetzung eine Hollywoodgröße wie George Clooney nicht nur äußerst glaubhaft seinem Anliegen gerecht wird, politische Missstände aufzuzeigen, sondern dabei auch noch selbst als Regisseur und Hauptdarsteller agiert. Seit der Präsentation des Films bei den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig gilt der Streifen jedenfalls als oscar-verdächtig. Erst am 27. Jänner 2012 wird man wissen, ob er es tatsächlich auf die Liste der Nominierten geschafft hat.


Kein gutes Omen

Der Politthriller "The Ides of March: Tage des Verrats" gewährt schonungslose Einblicke in politische Machtspiele in Wahlkampfzeiten. Die Iden des März – seit Caesars Zeiten Synonym für bevorstehendes Unheil und daher als Titel nicht zufällig gewählt - ist auch für dieses Wahlkampfdrama kein gutes Omen. Auf dramatische Weise wird dem Publikum vor Augen geführt, dass sich Machtspiele und Intrigen wie im alten Rom auch heute noch genauso abspielen, und die Politik heute wie damals ein schmutziges Geschäft war und ist.

Die Geschichte selbst basiert auf dem Theaterstück "Farragut North" von Beau Willimon, der dieses reale Wahlkampfdrama aus der Zeit nach Clinton um einen demokratischen Politiker, der es zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei bringen möchte, 2005 auf die Bühne brachte.


Stolperstein - die Praktikantin

Es geht um Mike Morris alias George Clooney, der sich – unterwegs in Ohio – im Vorwahlkampf befindet. Betreut, beraten und begleitet von seinem äußerst ehrgeizigen und zielstrebigen Wahlkampfmanager Stephen Meyers (Philip Seymour Hoffman). Oberste Maxime: Schlafe nie mit der Praktikantin! Das Problem bei der Sache: Es gibt eine. Ihren Reizen erliegt allerdings nicht der Präsidentschaftskandidat, sondern der 30-jährige Wahlkampf-Manager, dessen Karrierepfeil zu diesem Zeitpunkt noch steil nach oben zeigt. Sein gnadenloser Ehrgeiz ist zugleich auch seine Schwachstelle. Der Gegner schläft nicht, und so entwickelt sich dieses spannende Drama für ihn zu einer Lehrstunde darüber, wie schwer durchschaubar die Spielregeln der Politik für einen Newcomer sein können, und wie schmutzig es in diesem Umfeld tatsächlich zugeht.

George Clooney, der schon mit Filmen wie "Syriana" und "Good Night and Good Luck", bei dem er auch als Drehbuchautor fungierte, Mut bewiesen hat, engagiert sich seit Jahren für kritische Themen, auch wenn er sich damit nicht immer beliebt macht. Nach "Katrina" mussten sich immerhin Politiker erstmals der Presse und der Öffentlichkeit stellen und unliebsame Fragen beantworten. Darauf ist er stolz, denn er sieht sich als "politisches Wesen", das Stellung beziehen, vor allem aber Fragen aufwerfen möchte. Der Publikumserfolg hat seinen Spielraum erweitert und doch ist er sich dessen bewusst, dass "ich bei allem, was ich gemacht habe, etwas riskiert und Glück gehabt habe". (Interview mit der FAZ)

Der spannende - von der Kritik bereits mit Lob überhäufte - Politthriller kommt noch vor Weihnachten (23.12.) in die heimischen Kinos.


Gefühlskino mit dem Hollywoodstar

George Clooney hat sich mit seinem zweiten aktuellen Filmprojekt "Mit deinen Augen" (Originaltitel: The Descendants) für eine weitere Literaturverfilmung zur Verfügung gestellt, in der er sich als liebender Ehemann und Vater von zwei Töchtern präsentiert. Der 2009 erschienene, gleichnamige Roman der hawaiianischen Autorin Kaui Hart Hemming erzählt die Geschichte eines Mannes, der durch den Unfall seiner Ehefrau in eine tiefe seelische Krise stürzt. Während seine Frau – Mittelpunkt seines Lebens - im Koma liegt, aus dem sie nie wieder erwachen wird, muss er erfahren, dass er von ihr bereits lange Zeit betrogen wurde. Nur mit Mühe schafft er es, den ihm bis dahin nicht möglichen Kontakt zu seinen beiden Töchtern allmählich herzustellen und mit ihrer Hilfe die tiefe Krise zu meistern.

George Clooney in der Rolle des vom Leben und der Liebe enttäuschten Großgrundbesitzers Matt King zeigt den Schauspieler einmal mehr von jener Seite, die besonders das weibliche Publikum an ihm zu schätzen gelernt hat. Wie schon in "Tage wie dieser" an der Seite von Michelle Pfeiffer darf er auch in dieser Rolle den sensiblen, an Herz und Seele verletzten Mann geben. Das Datum für den Kinostart dieses Films steht allerdings im Moment noch aus.


Filmtipps

Up in the Air

The American

Syriana

Tage wie dieser


Buchtipps

Kaui Hart Hemming The Descendants/Mit deinen Augen - erschienen bei Diana Taschenbuch (auch als Kindle-Edition erhältlich)


Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.


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