Aufnahmen, die die brutale Tötung von Straßenhunden in der Ukraine zeigen, schockieren die Öffentlichkeit und rufen die Tierschützer auf den Plan. Ihr dringender Verdacht, so das Handelsblatt: "Für die kommende Europameisterschaft wolle sich der osteuropäische Staat von seiner besten Seite zeigen – abgemagerte und dreckige Straßenhunde passten da nicht ins Bild."
Dass vorerst weder die UEFA noch namhafte Sponsoren wie der Ausstatter Adidas auf das drastische Vorgehen der ukrainischen Behörden reagiert hatten, mobilisierte die Facebook-Gruppe Stopp Killing Dogs - EURO 2012 in Ukraine. Deren mittlerweile rund 80.000 Mitglieder sehen sich in ihrem Verdacht endgültig bestätigt, seit ihre Seite von Facebook teilweise wegen "Spam-Verdacht", wie es in einem Bericht von Vienna Online heißt, blockiert wurde. Sie glauben, dass dies auf Betreiben der Euro-Sponsoren erfolgt sei, die von der Flut an Mails und der Welle an Anfeindungen offenbar kalt erwischt wurden.
Aufstand im Netz
An diesem Zustand hat sich kaum etwas geändert, seit die UEFA mit folgender Pressemeldung auf ihrer Website aufhorchen ließ: "Nach verschiedenen Zusammentreffen zwischen der UEFA und ukrainischen Behörden, gab der ukrainische Umweltminister Mykola Zlochevsky Mitte November offiziell bekannt, dass das Töten herumstreunender Hunde unverzüglich beendet wird." Stattdessen, so der Verband weiter, würden die Tiere nun sterilisiert und dann wieder freigelassen.
Auch Adidas setzte zu einem Beschwichtigungsversuch auf seiner Facebook-Seite an: "Die Adidas-Gruppe ist strikt gegen jegliche Form der Tierquälerei und erwartet von den ukrainischen Behörden, diesen Vorwürfen gewissenhaft nachzugehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wir beobachten dieses Thema ganz genau und werden das auch weiterhin tun."
Statements jedoch sind den Zehntausenden Usern zu wenig. Etliche von ihnen rufen via Facebook zum Boykott der Sponsorenmarken auf. So wie diese Userin: "Wisst ihr, wer ich bin? ich bin eure Kundin. Ich kann nicht zusehen, was hier vor sich geht ..."
In die aufgebrachten Appelle mischen sich - wenn auch wenige - gegenteilige Stimmen: aus anderen osteuropäischen Ländern etwa, die ihre eigenen Erfahrungen mit verwilderten Tieren gemacht haben. Dazu ein in Moskau lebender User: "Es ist ein Albtraum mit den streunenden Hunden hier, die Kinder und Erwachsene anfallen."
Ein Problem, dass die Behörden der betreffenden Länder offenbar lange Jahre anstehen ließen und nun blutig statt gewaltfrei zu lösen versuchen.
Viele Fronten
Auf der einen Seite also: die brutale Tötung zahlloser Tiere, die zu Recht verurteilt und verhindert wird. Auf der anderen: die UEFA und Sponsoren, die erst unter öffentlichem Druck von ihrem Einfluss Gebrauch machen. Demgegenüber: Zehntausende Menschen, die ihrem Veto auf unterschiedliche Weise Ausdruck verleihen. Gleichzeitig: Betroffene Anrainer, die fordern, dass die Probleme mit streunenden Tieren angegangen werden. Am Ende: ein vorläufiger Stopp der Tötungen - zumindest in der Ukraine.
Fest steht jedoch: Es wird ein Thema bleiben, zumal es nicht nur dieses eine Land betrifft. Und hoffentlich auch dann noch für die gebührende Aufmerksamkeit sorgen, wenn die Euro 2012 in der Ukraine erst einmal Vergangenheit ist.
Ute Rossbacher

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