"Ich zeige das Leben, wie ich es kenne", sagte einst der erfolgreiche amerikanische Dramatiker Arthur Miller, der mit seinem später mehrfach verfilmten Theaterstück "Tod eines Handlungsreisenden" 1949 bewiesen hat, dass man es mit dieser Einstellung zu einem Welterfolg von zeitloser Aussagekraft bringen kann.
Mit seinem Theaterstück "Dreck", das Anfang November im Innsbrucker Theater "praesent" Premiere hatte und auch in Buchform erhältlich ist, versucht der erfolgreiche österreichische Schriftsteller Robert Schneider ("Schlafes Bruder") die Probleme einer zunehmend multikulturellen Welt aus dem Blickwinkel eines ausländischen Rosenverkäufers zu zeigen. Eines Fremden inmitten einer ihm fremden Welt, einer ihm fremden Kultur und einer fremden Stadt (Wien), die ihm einerseits enorme Anpassung abverlangt, andererseits das Überleben schwer macht. Die Polarisation ist gelungen und vom Autor auch beabsichtigt.
Sich ja nicht aufhalten lassen
Der österreichische Erfolgsautor, der dafür bekannt ist, neben seinem Talent als Schriftsteller auch ebenso großes Talent zur Selbstvermarktung zu besitzen, hat seinen Durchbruch seinerzeit mit dem mittlerweile immerhin in 24 Sprachen übersetzten Roman "Schlafes Bruder" geschafft. Das Buch hat die beachtenswerte Auflage von 1,3 Millionen erreicht. Zuvor hatten ihm allerdings 24 Verlage Absagen erteilt.
Um dem Erfolg auf die Sprünge zu helfen, hat der Autor, der sich zu jener Zeit von seinem Verlag etwas im Stich gelassen fühlte - wie er in einem Interview bekannte - mit beträchtlichem Eigenkapital Werbung geschaltet und die Anzeigen dafür am Computer selbst entworfen.
Durch diese Erfahrung klüger geworden legte er den ersten hundert Manuskriptseiten seines Nachfolge-Romans "Die Luftgängerin" auch gleich einen entsprechenden Vertrag bei, in dem er den in Frage kommenden Verlegern von vornherein klar zu machen versuchte, was er sich als Gegenleistung für das literarische Werk erwarte. Vom eigenen Chauffeur und noblen Unterkünften war da die Rede, und wie sich nachträglich herausstellt, hat sich die scheinbar überzogene Forderung, die ihm ganz nebenbei auch den Ruf des Exzentrikers einbrachte, doch tatsächlich für ihn gelohnt und soll ihm immerhin über drei Millionen Euro an Vorschusszahlungen eingebracht haben.
Vom Erfolgsdruck befreit
Vom Erfolgsdruck befreit hat sich der Schriftsteller, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, ins elterliche Haus ins Bergdorf seiner Kindheit zurückgezogen, wo er sich "ein wunderschönes Zuhause für seinen Schmerz" geschaffen hat. Und sich selbst die Freude machte, davor einen Park anzulegen, wo er alle seine Romanfiguren als Skulpturen um sich hat, die er bei jedem Blick aus dem Fenster sehen kann. An seinen Erfolg hat er immer geglaubt und gleich nach Fertigstellung seines Erstlingswerks das Gefühl gehabt, dieser Roman sei nicht aufzuhalten und er selbst genauso wenig.
Das Geheimnis seiner wahren Abstammung möchte der Autor, der als Kind erfahren hat, dass seine Eltern ihn adoptiert haben, gar nicht erst lüften: "Nicht zu wissen, woher man kommt, das hat auch was Magisches."
Vom Opernball ins Erzgebirge
Josef Haslinger, österreichischer Erfolgsautor, der 1995 mit seinem Roman "Opernball" von sich reden machte, erzählt in seinem aktuellen Roman "Jáchymov" die (wahre) Geschichte eines einst überaus erfolgreichen tschechischen Sportlers, der einer Bagatelle wegen in die Fänge des stalinistischen Regimes gerät und dabei all dessen Härten zu spüren bekommt.
Es scheint die Lebensaufgabe seiner Tochter zu werden - die diese Zeiten selbst nicht miterlebt hat, aber an der Wut über die Willkür und Ungerechtigkeit, die ihrem Vater widerfahren ist, zu ersticken droht - die Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte in Angriff zu nehmen. Als schicksalhaft erweist sich dabei die Begegnung mit einem Verleger, der als ehemaliger DDR-Bürger selbst bittere Erfahrungen mit einem diktatorischem Regime gemacht hat.
Der Titel des Buches bezieht sich auf "ein Nobelhotel aus der Zeit der Monarchie, in dem sich seit hundert Jahren nicht viel verändert hat". In diesem Hotel auf der tschechischen Seite des Erzgebirges begegnen sich der zur Kur weilende Verleger und die Tänzerin, Tochter des mit einem tragischen Schicksal belasteten Vaters, dessen Lebensgeschichte letztlich auch zur Geschichte dieses Romans wird.
Josef Haslinger, Erfolgsautor und Mitbegründer der österreichischen Initiative gegen Fremdenhass "SOS-Mitmensch", dem seinerzeit zum 44. Opernball mit seinem gleichnamigen Roman ein Überraschungserfolg gelungen ist, hat in seinem Erstlingswerk auch versucht, die längst wieder aktuell gewordene Frage "sozialer Gerechtigkeit" als "eines der entscheidenden Zukunftsprobleme nicht nur unserer Gesellschaft" (Interview mit Der Spiegel) aufzuwerfen.
Der österreichische Schriftsteller, der auch am Deutschen Literaturinstitut Leipzig lehrt, sieht in seiner Tätigkeit vor allem die Aufgabe, künftigen Autoren dabei zu helfen, Anfängerfehler zu vermeiden. Womit erste Hürden genommen wären. Wie man es anstellt, einen Erfolgsroman zu schreiben, müssen sie allerdings selbst herausfinden.
Buchtipps
Josef Haslinger Jáchymov - erschienen im S. Fischer Verlag
Robert Schneider Dreck - erschienen bei Reclam
Robert Schneider Die Luftgängerin - erschienen im btb Verlag
Josef Haslinger Das Vaterspiel - erschienen im S.Fischer Verlag
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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