"Der Tod von Natalie Wood vor 30 Jahren ereignete sich in einer Nacht, in der gegessen, getrunken und gestritten wurde. Dennoch bleibt offen: War es mehr als nur ein tragischer Unfall?" Fragt sich nicht nur Anthony McCartney in seinem Kommentar für The Huffington Post aus Anlass des 30. Todestages des Filmstars am 28. November.
Zahlreiche amerikanische Medien rollen derzeit in Sonderberichten und -sendungen das Leben der populären Schauspielerin, die nur 43 Jahre alt wurde, auf und konzentrieren sich dabei vor allem auf die mysteriösen Umstände ihres Todes.
Bis heute hat dieser die Spekulationen am Köcheln gehalten. Etwa, ob Woods damaliger Ehemann und Serienstar Robert Wagner (bekannt aus "Hart aber herzlich") etwas mit ihrem Tod zu tun haben könnte. Oder ihr Filmpartner Christopher Walken, der sich in jener Nacht ebenfalls an Bord der Yacht Splendour befand, die auf dem Weg von Kalifornien zur vorgelagerten Insel Catalina war, als die Schauspielerin aus bislang ungeklärten Gründen über Bord ging.
Dass sich die Gerüchte weder erhärteten noch entkräftet wurden, lag einerseits am mangelnden Beweismaterial, andererseits an den in Verdacht geratenen Schauspielern selbst: "Weil Walken beharrlich schweigt und Wagner über die Jahre immer wieder die gleiche Geschichte erzählt hat (seine Frau, mit der er zweimal verheiratet war, habe irgendwann die kleine Privat-Party verlassen, die Toilette aufgesucht und sei nicht mehr wiedergekommen), hatte der Fall in den Archiven bereits Patina angesetzt", erinnert sich Dirk Hautkapp von Der Westen.
Das Urteil der Polizei, die Woods Leiche am nächsten Tag fand - bekleidet in einem Nachthemd - lautete denn auch: Unfalltod durch Ertrinken. Offen blieb die Frage, warum ausgerechnet Wood, die einerseits Angst vor hoher See hatte und nicht schwimmen konnte, allein ins Wasser hätte springen sollen.
Neue Indizien
Auch Woods Schwester Lana - ebenfalls Schauspielerin - hegte gerade deshalb in all den Jahren nach eigenen Angaben Zweifel am Befund der Polizei. Bestätigt sah sie sich, als sich der Kapitän der Yacht - Dennis Davern - kürzlich noch einmal zurückerinnerte und seine Aussage erweiterte: Wagner und Wood, hieß es plötzlich, hätten einen heftigen Streit gehabt, bevor die Schauspielerin verschwunden sei. Er sei eifersüchtig auf Walken gewesen, mit dem Wood geflirtet hätte.
Diese Bemerkung und offenbar noch weitere neue Indizien riefen Lieutenant John Corina vom Los Angeles Sheriff's Department auf den Plan, der vergangenen Freitag die Öffentlichkeit wissen ließ, dass der Fall noch einmal aufgerollt werde. Nein, Robert Wagner stehe nicht unter Verdacht, betonte er dabei gegenüber der Presse. Wagner übrigens "begrüßte" die Ermittlungen.
In ihrem Leitartikel meldet die Redaktion der Los Angeles Times Bedenken an dieser Entscheidung an: "Warum der Sheriff diesen Fall noch einmal aufgreift, ist ein Geheimnis. Aber vielleicht können wir ja zumindest dieses lösen." Die Zeitung argwöhnt, dass sich der Ermittler damit selber ins Rampenlicht befördern wolle, was ihm mit seinem Auftritt zweifelsfrei gelungen sei.
John Corina selbst führt "substantielle Beweise" ins Feld, die die neuerlichen Ermittlungen rechtfertigten. Weitere Details wollte er aufgrund des laufenden Verfahrens nicht bekanntgeben.
Ganz kauft es Aaron Goldstein von The American Spectator dem beflissenen Ermittler dennoch nicht ab: "Wie bei so vielen anderen Dingen können wir von Hollywood auch in dieser Angelegenheit viel Sensation und wenig Substanz erwarten."
Ein Leben im Rampenlicht
Beides lieferte auf jeden Fall das Leben von Natalie Wood. Die Tochter russischer Einwanderer war seit ihrem vierten Lebensjahr vor der Kamera gestanden und galt in ihrer neuen Heimat - den USA - als beliebter Kinder- und Teenie-Star. Ihren Mythos festigte sie mit dem James Dean-Klassiker "Denn sie wissen nicht was sie tun" oder Jahre später mit ihrer Darstellung der Maria in der Verfilmung der "Westside Story".
Als sie in jenen Tagen dem noch relativ unbekannten Robert Wagner begegnete, war sie der schillernde und bewunderte Star. Dennoch galten sie als das Traumpaar der 50- und frühen 60er-Jahre. Doch Woods Affären mit nicht weniger berühmten Schauspielkollegen wie Warren Beatty sollten letztlich zur Trennung führen; Jahre später jedoch fanden Wood und Wagner, die gemeinsam eine Tochter haben, wieder zueinander.
Diesmal jedoch unter veränderten Vorzeichen: "Wood war als 'altes Hollywood' nicht mehr gefragt - während Wagner mit TV-Serien einen zweiten Frühling feierte. 'Hart aber herzlich', sein größter Hit, hatte im August 1979 Premiere", vermeldet dazu Marc Pitzke von Der Spiegel. Wood soll, heißt es unter anderem auch in diesem Bericht, überdies unter Depressionen und Alkoholabhängigkeit gelitten haben.
Gesucht wird: die Wahrheit
Ob all diese Zutaten in Verbindung mit den jüngsten Aussagen, die der Polizei vorliegen, ausreichen, um den Fall Natalie Wood restlos aufzuklären bzw. eventuell sogar am Ende einen Mord zu beweisen, wird sich zeigen.
Gegenüber CNN bekräftigte Woods Schwester Lana unterdessen noch einmal ihren Wunsch, dass der Fall aufgeklärt werde, mit den Worten: "Ich will einfach nur, dass die Wahrheit ans Licht kommt."
Bereits in den 80er-Jahren hatte Christopher Walken, erinnert sich Anthony McCartney (The Huffington Post), in einem Interview mit dem US-Magazin Vanity Fair hingegen versichert: "Jene Menschen, die überzeugt sind, dass da mehr dahintersteckt als das, was die Ermittlungen ergeben haben, wird mit der Wahrheit nicht zufrieden sein. (...) Denn die Wahrheit ist: dass nicht mehr dahintersteckt. Es war ein Unfall."
Auf die Kraft seiner Aussage allein will der Schauspieler offenbar dennoch nicht vertrauen. Er soll sich, nachdem die Polizei von Los Angeles die Untersuchungen vergangene Woche aufgenommen hat, vorsorglich einen Anwalt genommen haben.
Ute Rossbacher

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