"Soviel ist also geblieben vom coolen Marlboro Image und dem Cowboy, dem frau gerne in den Sonnenuntergang folgen würde", würzt Marketingdirektorin Anne Connelly ihren Gastkommentar für das Handelsblatt mit Ironie.
Den Anlass für ihre Bemerkung finden freilich nicht alle Raucher komisch: Die Zigaretten, die seit gestern (Donnerstag) in der EU offiziell Pflicht sind, gehen aus, wenn nicht innerhalb einer gewissen Zeit an ihnen gezogen wird. Erreicht wird dieser Effekt durch eine Verdickung des Papiers an mehreren Stellen, wodurch das Feuer automatisch erlischt.
Die EU verspricht sich von dieser Sicherheitsmaßnahme rund 500 Tote pro Jahr weniger. Derzeit sterben circa 1.000 Menschen jährlich infolge von Bränden, die durch brennende Zigaretten ausgelöst werden. Insgesamt 30.000 Unfälle dieser Art sind es im Jahr in der EU.
Kritische Stimmen
In den Brüsseler Jubel über den Vorstoß mischen sich jedoch auch Bedenken. Vor allem das neue Zigarettenpapier betreffend gibt Ludwig Jonanovic von der Rheinischen Post zu verstehen: "Nicht alle Chemikalien, die dafür verwendet werden können, sind wirklich unbedenklich. Vor allem nicht in einer Zigarette, die mit 600 bis 900 Grad verbrennt und dabei die ohnehin schon enthaltenen 4800 chemischen Substanzen reagieren lässt."
Sozialmediziner Michael Kunze ergänzt gegenüber dem Magazin News, dass "durch das mehrmalige Wiederanrauchen oder aber durch hastiges Ziehen an der Zigarette die Raucher stärker geschädigt werden könnten als bisher."
Neben diesen sind es noch andere Nebenerscheinungen, die Christian Busse von ZDF heute ins Auge stechen: "Unbemerkt von der Öffentlichkeit haben die Hersteller bereits seit Monaten auf die LIP-Zigarette (Name der Sicherheitszigarette, Anm.) umgestellt und diese in den Handel gebracht."
Nächster Schritt: Rauchverbot im Auto?
Europa zieht mit dieser Änderung nach. Denn in den USA ist die "Sicherheitszigarette" seit Jahresanfang 2011 Vorschrift (in New York sogar bereits seit 2004); in anderen Teilen der Welt in etwa seit 2010.
Dass es das schon gewesen ist, davon ist nicht auszugehen. In Großbritannien wird derzeit laut über ein Rauchverbot im Auto nach US-Vorbild nachgedacht. Der APA zufolge bremst Gesundheitsminister Alois Stöger in dieser Frage noch ein, denn: "Amerikanische Verhältnisse mit Verboten, die nichts bringen und nicht zu kontrollieren sind, wollen wir nicht."
Ute Rossbacher

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