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Und wäre die Liebe nicht ...

15.11.2011
Liszt. Love. One-night-stands.

Es war eine massive Depression, die die amerikanische Autorin Elizabeth Gilbert - nach erfolgter Scheidung mit 30 "todunglücklich und einsam" - mit ihrem Roman "Eat Pray Love" (verfilmt mit Julia Roberts) zu heilen versuchte und dabei versehentlich einen Weltbestseller landete. Mit dem Erfolg, dem Geld und der zahlenmäßig kaum noch überschaubaren, in die Millionen gehenden Leserschaft, kündigte sich allerdings gleich darauf die nächste Krise an.

Wer kann sich schon geschmeichelt fühlen, sich nach dem Erfolg eines - aus sehr persönlichen Gründen geschriebenen - Buches plötzlich unter den Chic-Lit-Autorinnen, wie Verfasserinnen seichter Frauenliteratur in den USA abschätzig genannt werden, wiederzufinden?


Es geht auch anders

Um den Irrtum aus der Welt zu schaffen, hat Elizabeth Gilbert mit dem Nachfolgewerk "Das Ja – Wort" versucht, ihre Glaubwürdigkeit als ernsthafte Autorin, die sie zweifellos ist, zurückzuerobern; dass sie damit einen Großteil ihrer LeserInnen enttäuscht oder zumindest vor den Kopf gestoßen hat, muss sie dafür wohl in Kauf nehmen.

Der erwartete Liebesroman ist nämlich ausgeblieben, stattdessen liegt ein versöhnlicher Ratgeber für all jene vor, die nach gescheiterter Ehe den Mut verloren haben, es noch einmal zu versuchen. Sie hat es getan. So gesehen, erfährt ihre (wahre) Liebesgeschichte aus "Eat Pray Love" in diesem Buch ihre Fortsetzung und das endgültige Happy-End. Ernüchternd vielleicht der Umstand, dass wahre Liebe in der realen Welt mitunter eben auch gegen gesetzliche Hindernisse ankämpfen muss.


Was sein muss, muss sein

Felipe (fiktiver Name), ein in Brasilien geborener australischer Staatsbürger, dem sie – auf einer ihrer Reisen – zufällig in Indonesien begegnet ist, wird unerwartet zur großen Liebe ihres Lebens. Eine erfolglose Ehe hat bei diesem Mann "eine bleibende Traurigkeit hinterlassen", die sich in "Reue, Isolation und finanziellen Ängsten" manifestiert hat.

Der Traummann, der ihren LeserInnen bereits aus "Eat Pray Love" bestens bekannt ist, wird eines Tages als unerlaubter Grenzgänger festgenommen und inhaftiert, was bedeutet, dass er nach seiner Abschiebung nie wieder in die USA einreisen dürfte. Nur die Ehe mit der Autorin kann ihn vor diesem Schicksal bewahren.

Was es bedeutet, seine Ängste vor einem neuerlichen Scheitern zu überwinden, und wie man sich dem kontroversen Thema Ehe auch mit Witz, Charme und Intelligenz nähern kann, beweist dieser – wohl eher dem Genre Sachbuch zugeordnete Mix aus autobiografischen Erfahrungen und gut begründeten Ratschlägen.

Aus Sicht der Ämter ist die Ehe, um es - wie die Autorin - mit einem Zitat des Dichters Robert Louis Stevenson auszudrücken, mitunter eben dann auch nicht mehr als "eine polizeilich anerkannte Freundschaft".


Verliebt. Verlobt. Verheiratet. Seitensprung.

Ganz anders nähert sich die irische Autorin Anne Ethrige in ihrem aktuellen Roman "Anatomie einer Affäre" dem Thema Ehe und Seitensprung. Vor dem Background des neu erwachten Wirtschaftsaufschwungs Irlands lässt sie eine jung verheiratete Frau nach einem One-night-stand mit einem Familienvater in eine rauschhafte Affäre schlittern, die sich sehr bald als verhängnisvoll herausstellt.

In dieser aufwühlenden Alltagsgeschichte, der es an Dramatik nicht fehlt, wird auch ein mit bröckelnden Traditionen einhergehender Moralverlust innerhalb der irischen Gesellschaft aufgezeigt, in der sich die Menschen zunehmend ihre Grenzen selber setzen.


Heiß und kalt

Der Originaltitel des Buches geht übrigens auf ein Musikstück von Franz Liszt zurück. Einer der "Vergessenen Walzer" des österreichischen Komponisten, den die Autorin zufällig im Radio gehört hat, wird so auch zur Hintergrundmusik dieser Liebesaffäre, die zu den verschiedenen Aspekten der Geschichte passend erscheint, in der das Gefälle zwischen rauschhafter Leidenschaft und kühler Ernüchterung erschreckend groß ist.


Gut Ding braucht Weile

In dem eben erst in den österreichischen Kinos angelaufenen, nach David Nicholls gleichnamigem Weltbestseller-Roman gedrehten Film "Zwei an einem Tag", für den Regisseur Lone Scherfig (An Education) gewonnen werden konnte, dreht sich alles um einen bestimmten Jahrestag und zwei Menschen, die 20 Jahre lang daran festhalten und sich in all der Zeit nie wirklich aus den Augen verlieren.

Ihre Erfolgs- bzw. Misserfolgsgeschichten könnten unterschiedlicher nicht verlaufen und so dauert es eben einfach seine Zeit, bis sie beide in puncto Reife dasselbe Level erreicht haben. Erst danach scheint ein glückliches Ende in Sicht.

Für die zähe Kämpferin Emma (Anna Hathaway) und den erfolgsverwöhnten Dexter (Jim Sturgess) ist und bleibt der 15. Juli bis zum Ende der Geschichte ein magischer Fixpunkt; andernfalls hätte man sich wohl irgendwann ganz aus den Augen verloren.

Die Geschichte geht gut aus, doch gute Geschichten müssen nicht zwangsläufig glücklich enden. Sie sollten nur ein Ende haben, das man – wie in all diesen Geschichten gegeben - verstehen und nachvollziehen kann.


Buchtipps

Anne Ethrige Anatomie einer Affäre - erschienen bein Deutsche Verlags Anstalt

Elizabeth Gilbert Das Ja-Wort - erschienen bei Bloomsbury Taschenbuch

David Nicholls Zwei an einem Tag - erschienen im Heyne Verlag

Cecelia Ahern Ein Moment fürs Leben - erschienen im Krüger Verlag

Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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