General Petraeus folgt dem geschassten Afghanistan-Oberbefehlshaber Stanley A. McChrystal. Warum Optimismus in der Angelegenheit nun nicht unberechtigt ist, analysiert David S. Cloud in der "Los Angeles Times":
Cloud schildert eingangs: Als General David H. Petraeus das Kommando am Tiefpunkt des Irak-Krieges übernahm, schickte er ein unverblümtes E-Mail an einen Kameraden: "Wir werden einen letzten Versuch dort haben, und der wird zählen müssen. Das ist nicht business as usual."
Genau dieses E-Mail könnte, so Cloud, Petraeus heute wieder senden, nachdem ihn Obama auserkoren hat, Afghanistan zu übernehmen. Wieder wurde er eingesetzt, um schnelle Resultate in einem stagnierenden Krieg zu erlangen. Obama habe gleichzeitig eine überraschende und logische Personalentscheidung getroffen. Denn: "Kein anderer in der US-Armee ist qualifizierter für den Job, kein anderer hat eine höhere Erfolgsquote bei Kriegsführung zur Niederschlagung von Aufständen." Im Irak habe Petraeus bewiesen, dass er der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt war. In Afghanistan sei es aber in vielerlei Hinsicht eine noch härtere Aufgabe mit geringeren Aussichten auf etwas, das einem Sieg ähneln könnte.
Cloud begründet: "Viel beachtete Militäroperationen im Kernrevier der Taliban straucheln. Die Opferzahlen steigen. Die Ermüdung, sowohl in den USA als auch in Afghanistan, steigt über einen Konflikt, der schon länger dauert als der Vietnamkrieg." Allerdings sei Petraeus in einer drei Jahrzehnte währenden Karriere in der Army kaum jemals an etwas gescheitert - was ihn vielleicht zu einem der wichtigsten Kriegsgelehrten seiner Generation macht.
Der "LA-Times"-Kommentar beschreibt Petraeus' Werdegang. Ein besonders bemerkenswerter Aspekt: "Zwei Jahrzehnte bevor die Armee steckenblieb im Kampf gegen einen offenbar unbeugsamen Aufstand im Irak, hatte Petraeus während eines zweijährigen Forschungsurlaubs an der Princeton Universität eine beinahe prophetische Doktorarbeit geschrieben. Darin warnte er die Armee, sich mehr mit der Niederschlagung von Aufständen zu befassen anstatt sich lediglich auf herkömmliche Kriegsführung zu konzentrieren."
Und während, so Cloud schließlich, das Weiße Haus von jemandem im Militär (Vorgänger McChrystal, Anm.) verärgert wurde, der öffentlich die Deadline für einen Erfolg in Afghanistan in Frage zu stellen schien, habe Petraeus genau diese verteidigt. Die wachsende Behaglichkeit mit der Person Petraeus habe Obama veranlasst, sich für ihn zu entscheiden - in dieser dringenden Notlage.

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