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Stefan Kornelius

Strategie: Chaos

24.06.2010
"Die Afghanistan-Politik der USA wird mit dem innenpolitischen Griffel geschrieben."

Afghanistan sehen und sterben - für viele Menschen eine traurige Realität. Stefan Kornelius in der "Süddeutschen Zeitung" über die Schwierigkeiten des Westens, die Gesetze dieses Landes zu verstehen:

Afghanistan. Für Kornelius "ein Land, dessen politische Mechanik von außen nur schwer zu verstehen ist." Und noch weniger zu beherrschen, wie die mehr oder weniger erfolglosen Versuche der USA in diesem Krieg zeigen. Denn auch die Amerikaner haben eines unterschätzt, unterstreicht der Autor: Dass die schwierigste Aufgabe immer noch ist, stabile Verhältnisse in Afghanistan zu schaffen. Ohne diese sei ein Krieg dort nicht zu gewinnen, ist auch er überzeugt.

Über den beinahe zehn Jahre währenden Afghanistan-Einsatz der USA resümiert Kornelius: "Alles wurde ausprobiert. Nur wenig hat funktioniert." Die Entlassung von General McChrystal sei daher auch ein Urteil über die bisherige US-Strategie im Kriegsgebiet gewesen - der erfolglose Versuch, Hand in Hand mit lokalen Machthabern die Verantwortung für das Land wieder den Afghanen zu übertragen. Dass Washington nun wieder die militärischen Entscheidungen stärker an sich zieht, wird sich auch durch den neuen General nicht ändern, gibt sich Kornelius nüchtern: "Die Berufung von David Petraeus kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Afghanistan-Politik der USA nun wieder mit dem innenpolitischen Griffel geschrieben wird."

Den größten Fehler erkennt Kornelius im übrigen in der Festlegung der US-Regierung auf einen Zeitplan und auf eine Person wie den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, der erst kürzlich aus politischem Kalkül zwei fähige Minister entließ. In einem unberechenbaren Land berechenbar zu agieren - aus Sicht des Autors eben einfach fatal.

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