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Japan lesen - und verstehen

09.11.2011
Inspirierend, informativ und erfrischend anders: Ein Blick in die japanische Presse ist einer von vielen Schritten, sich dem Land und seiner Kultur anzunähern.

Am 11. November ist es acht Monate her, dass es zur Tsunami- und in weiterer Folge nuklearen Katastrophe in Fukushima kam. Aus den hiesigen Medien ist das Thema mittlerweile weitestgehend verschwunden, auch wenn die betroffene Region vom Normalzustand immer noch weit entfernt ist. Erst vor wenigen Tagen wurden Anzeichen einer neuerlichen Kernspaltung im Atomkraftwerk entdeckt, vielen Bewohnern bleibt die Rückkehr in ihre Siedlungen aufgrund der hohen Strahlenwerte verwehrt.

Für mich war das tragische Unglück Anlass, mich wieder eingehender mit dem Land und seinen Menschen zu beschäftigen, deren Sprache ich leider nicht beherrsche, um die japanischen Nachrichten, Reportagen und Analysen zu verstehen.

Aber es gibt Abhilfe! Mehrere Tageszeitungen bieten online englischsprachige Ausgaben an. Die auflagenstärkste unter ihnen ist die Yomiuri Shimbun, die Japan-Freunden neben Kolumnen und Kurzmeldungen auch stimmungsvolle Einblicke in das Land der aufgehenden Sonne gewährt. Zum Beispiel dieses einladende Bild: "Wir feiern den Herbst in Japan, die ersten schneebedeckten Berge von Hokkaido, die grüne Zirbe, die leuchtend roten Vogelbeeren, den mit gelb leuchtenden Birken bedeckten Berg und den ersten Schnee auf den Gipfeln - ein schöner Gegensatz."

Wenig überraschen wird Sie aufgrund dieser Textprobe vermutlich, dass die konservative Zeitung mit langer Tradition in Japan eine feste Größe ist, wenn es um Literatur geht und in dieser Funktion seit 1949 jährlich den Yomiuri-Literaturpreis vergibt.

Bemerkenswert ist weiters, dass die Tageszeitung aufmerksam das Geschehen in Europa begleitet, etwa im Bereich Fußball. Das machen sich auch Topvereine aus dem deutschsprachigen Raum zunutze: Laut Angaben von Wikipedia hat erst im Februar dieses Jahres eine Kooperation zwischen dem Blatt und dem deutschen Erstligisten FC Bayern München begonnen. Seitdem wird ausführlich über den Verein berichtet.


Japanisches Lebensgefühl

Ohne "Angst und Bevorzugung" präsentiert hingegen nach eigenen Angaben die Japan Times ihre Berichte und Meldungen, die durch ihre Themenvielfalt bestechen. Die beiden Blogs, die das Blatt in seiner Online-Ausgabe anbietet, sind dabei jedoch das eigentliche Highlight.

Wer auf dem neuesten Stand sein will, was Trends, Events und Ereignisse in Tokio angeht, findet in "Japan Pulse" einen verlässlichen Begleiter. Ein Blog, das nicht nur regelmäßig, sondern auch mit viel Liebe zur visuellen Gestaltung gewartet wird und daher schwer zu empfehlen ist!

Ähnliches gilt auch für das zweite Blog der Japan Times, "Yen For Living", das laufend von den Preisentwicklungen in Japan berichtet, ohne deshalb trocken zu erscheinen. Im Gegenteil: Leser werden auf günstige Angebote hingewiesen und über drohende Teuerungen vorzeitig informiert. Angesichts der seit den frühen 90er-Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Flaute ein wichtiges Thema für zahlreiche japanische Bürger, deren Gehälter mit den Preisen kaum noch Schritt halten. Und aufschlussreich für all jene, die sich für das aktuelle Geschehen in Japan interessieren und darüber informieren wollen.


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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