Der Fehler ist dein Freund sagen die Asiaten - und die Krise eine Chance. In Zeiten wie diesen auch für Buchautoren, Kabarettisten und Filmemacher, ist man geneigt hinzuzufügen. Doch es gibt auch Bücher, die mehr zu bieten haben als bloße Kritik an Banken und Märkten, in ihnen finden sich auch Lösungsansätze, die hoffen lassen.
"Die Steuerzahler sind zu nachsichtig"
In seinem Buch "Im freien Fall: Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft", das im August 2010 im Pantheon Verlag erschienen ist, klärt der amerikanische Nobelpreisträger und ehemalige Chefökonom der Weltbank Joseph Stiglitz den Leser nicht nur über die Ursachen der noch lange nicht ausgestandenen Finanzkrise auf. Der bekennende Kritiker des Kapitalismus, der den Markt nicht abschaffen, sondern umbauen will, gilt auch als Kritiker der Globalisierung, die er ebenfalls nicht ablehnt, sondern neu organisieren möchte.
"Die Krise wird noch eine ganze Weile andauern, weil uns das Schlimmste noch bevor steht", sagt der 2001 zusammen mit George A.Akerlof und Michael Spence mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete Ökonom, der am sogenannten Rettungsprogramm der Politiker für die Banken vor allem eine Unterscheidung vermisst, die der Steuerzahler noch lange spüren wird: "Rettung der Bank ist nicht dasselbe wie Rettung der Banker und der Aktionäre." (Interview in Le Monde Diplomatique)
Dem Internationalen Währungsfonds wirft er vor, "die Prozesse zu lenken", und kritisiert die mangelnde Demokratie in dieser Institution, in der einzig und allein Amerika ein Vetorecht genieße, somit jeden Vorschlag zur Verbesserung der Situation blockieren kann und davon auch Gebrauch mache.
In seinem Gastkommentar "Wie eine Bankensanierung gelingen kann" für Le Monde Diplomatique fordert Stiglitz "einen völlig neuen Rahmen für Bankgeschäfte"; einen "Regulator", durch den Banken künftig dazu verpflichtet werden können, für ihre "Produkte" den "Unbedenklichkeitsbeweis" erbringen zu müssen, wie das beispielsweise auch von Pharmafirmen für jede ihrer Arzneien verlangt wird.
Mann mit Weitsicht
Einer, der "als weltweit Einziger" die Finanzkrise längst kommen sah, ist der 1959 in Istanbul geborene amerikanische Nationalökonom mit iranisch-jüdischen Wurzeln, Nouriel Roubini, der schon frühzeitig vor dem Platzen der Immobilienblase, vor der folgenden Rezession mit weltweiter Auswirkung und vor der aktuellen Finanzkrise gewarnt hatte, dafür damals in den USA allerdings nur Kritik und Spott erntete.
Der Wirtschaftswissenschaftler, der während der Präsidentschaft von Bill Clinton auch als Berater im US-Finanzministerium tätig war und auch um die Situation Griechenlands und Spaniens bestens Bescheid weiß, prophezeit Europa dramatische Entwicklungen bis hin zur Staatspleite dieser Länder, auch weil nach seiner Einschätzung die erforderlichen Sparmaßnahmen gar nicht zu schaffen seien.
In seinem Buch "Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft" versucht der "globale Nomade" – wie er sich selber bezeichnet - ebenfalls Wege aufzuzeigen, wie "künftige Großkrisen" verhindert werden können.
Damit das Lachen nicht vergeht
Skurril und witzig hingegen setzt sich der Film "Aushilfsgangster", der am 4. November in die österreichischen Kinos kommt, mit dem Thema Finanzkrise auseinander, in dem Ben Stiller in der Rolle eines Kleinanlegers von einem Wall-Street-Titanen seines Vertrauens um sein mühsam Erspartes gebracht wird. Der Finanzhai, der mit dem ihm anvertrauten Geld seiner Anleger spekuliert hat, - was aber sein eigenes Vermögen angeht, weiterhin aus dem Vollen schöpft - bekommt nun die Rache von fünf ganzen Kerlen zu spüren, die das nicht einfach so hinnehmen wollen.
Dem reichsten Enterich Amerikas wäre dergleichen wohl nie passiert. Donald Duck, der seinen Geldschatz nie aus den Augen gelassen hat, hätte wohl jeden Anlageberater mit seinem schnoddrigen "Wer sind Sie und was wollen Sie, und warum?" abgewimmelt. Er hätte nichts verliehen, nichts verschenkt und hätte auch andere nicht an sich verdienen lassen - ganz nach dem Motto: "Leute, die Geld ausgeben, verstehen nichts von den wahren Freuden eines Kapitalisten" (Quelle: "Die Weihnachtsgans" und "Der reichste Mann der Welt"). An einem wie ihm wäre die Finanzkrise vermutlich spurlos vorübergegangen und das bisschen Inflation hätte er locker verkraftet.
Buchtipps
Joseph Stiglitz Im freien Fall: Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft - erschienen im Pantheon Verlag
Nouriel Roubini Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft - erschienen im Goldmann Verlag
Paul Krugman Die neu Weltwirtschaftskrise - erschienen im Campus Verlag
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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