Sie sind "der Renner" unter den Sachbüchern. Die Stände für Kochbücher und Rezeptsammlungen werden auf diversen Büchermessen alljährlich gestürmt. Das Interesse der Käufer sorgt neben den verhältnismäßig hohen Einschaltquoten diverser Kochsendungen für eine mittlerweile mehr als gut gefüllte Marktnische im Bereich Kulinarium. Und die Verlage (z.B. GU) reagieren auch in diesem Bereich auf jüngste Entwicklungen, erweitern ständig ihr Angebot und bieten in ihren Appstores mittlerweile auch Rezepte-Apps an.
Very British
Pünktlich zu Halloween bringt der einst als jüngster TV-Koch der BBC-Kultserie "The Naked Chef" gefeierte britische Spitzenkoch Jamie Oliver sein neuestes Buch "Die besten Rezepte aus dem Königreich" auf den deutschsprachigen Büchermarkt. Wohl auch zur Einstimmung auf Olympia 2012 – das Londoner Großereignis des kommenden Jahres, zu dem jede Menge internationales Publikum erwartet wird.
Neben Rezepten zum Angewöhnen, die gleichzeitig helfen sollen, die Vorurteile gegenüber der englischen Küche abzubauen, gibt der mittlerweile international erfolgreiche Koch und Autor darin auch Einblicke in sein persönliches Leben und räumt auch der traditionellen britischen Pub-Kultur entsprechenden Platz ein.
"Kochen ist eine lebenswichtige Fähigkeit, die wir verloren haben", sagt der 1998 über Nacht berühmt gewordene Jungstar (geb. 1975), der bereits im Alter von sechs Jahren im Pub seines Vaters, dem ersten und einzigen Pub Englands, in dem zum Bier auch warme Speisen angeboten wurden, mitgearbeitet und vom achten Lebensjahr an bereits mitgekocht hat. Er gilt als Trendsetter, der vor allem bei der jüngeren Generation Kultstatus genießt. Für sein umfangreiches soziales Engagement in Ernährungsfragen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.
Eine Wienerin in Berlin
Soziales Engagement beweist auch Sarah Wiener, Spitzenköchin mit österreichischen Wurzeln, die in Berlin drei Restaurants leitet und mit zahlreichen TV-Serien zum Thema Kochen und gelegentlichen Auftritten in Koch-Shows die Herzen und Gaumen eines Millionenpublikums errungen hat. Zu den Gründungsmitgliedern der von ihr im November 2007 gegründeten "Sarah Wiener Stiftung – Für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen" gehört auch TV-Legende Alfred Biolek.
Für ihr neues Ende September in zweiter Auflage erschienenes Kochbuch mit dem Titel "Herdhelden: Mein ganz persönliches Österreich-Kochbuch" hat sie auf ihren Reisen quer durch Österreich Köchen in allen Regionen über die Schulter und in den Kochtopf geschaut. Die ihr anvertrauten Rezepte dieser "Herdhelden" hat sie zusammen mit einigen ihrer persönlichen Lieblingsrezepte in diesem Buch veröffentlicht. In Kürze erscheint im GU-Verlag zu diesem Kochbuch auch eine App.
Sarah Wiener, die sich vor Jahren auf Film-Caterings spezialisiert hat, hat oft mit Filmstars zu tun und weiß, dass es unter Schauspielern "viele Essgestörte" (Interview mit Die Zeit) gibt. Von Diäten hält sie nach eigenen Worten nicht viel, da ihrer Meinung nach das Problem wohl eher "im Hirn" als "im Darm" liegt. , sagt sie, "würden sich über uns wundern".
Blut, Tränen und Schweiß
Nicht mit Rezepten, sondern mit teilweise schockierenden Einblicken in überzogenes Gourmet-Verhalten, gibt der amerikanische Koch und Autor Anthony Bourdain, der auf jahrzehntelange Berufserfahrung "in den härtesten Küchen der Welt" verweisen kann, in seinem bereits 2010 erschienenen Buch "Neue Geständnisse eines Küchenchefs" (Karl Blessing Verlag).
Mit ihm wurde seinerzeit die Ära der Fernsehköche und TV-Koch-Shows im amerikanischen Fernsehen eingeleitet, dementsprechend kritisch beurteilt er die "quotenträchtige Berieselung", die durch Häufigkeit und immer schlechter werdende Qualität des Angebots längst zu einem "Imperium der Mittelmäßigkeit" verkommen ist.
Der amerikanische Spitzenkoch mit französischen Wurzeln hält Kochgrundkenntnisse für eine Tugend und plädiert dafür, dass jungen Menschen die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen wie die, "sich den Hintern abzuwischen", anerzogen werden sollte.
Er versucht in diesem Buch aber auch Antworten auf die Frage zu geben, "warum dir reichsten Menschen der Welt verlässlich Unsummen für den schlechtesten Fraß bezahlen" und "die renommiertesten Köche Werbung für den größten Schrott machen". Und schockiert gleich zu Beginn des Buches den Leser mit der Beschreibung der Fang- und Masttradition sogenannter Fettammern und deren Zubereitung zu einem Gourmetessen, die einem mehr als nur auf den Magen schlägt.
"Das ist Amerika!", ist man versucht zu denken! Doch auch der französische Präsident Francois Mitterand, so der Autor, soll als letzte Mahlzeit einen solchen - unter Naturschutz stehenden - Vogel, der unglaubliche Qualen ertragen muss, ehe er als Gourmethäppchen am Teller landet, mit Genuss verspeist haben.
Möglicherweise hat es ihm das Sterben erleichtert. "Wenn der Appetit gestillt ist", schreibt Miguel de Cervantes, "bleibt es das höchste Vergnügen, das man haben kann, von dort, wo man sich gesättigt hat, wegzugehen."
Buchtipps
Jamie Oliver Zu Gast bei Jamie: Die besten Rezepte aus dem Königreich - erschienen im Dorling Kindersley Verlag
Sarah Wiener Herdhelden – Mein ganz persönliches Österreich-Kochbuch - erschienen im Verlag Gräfe und Unzer GmbH
Anthony Bourdain Neue Geständnis eines Küchenchefs - erschienen im Karl Blessing Verlag
Josef Lafer Der große Lafer: Die Kunst der einfachen Küche: 60 beliebte Klassiker und wie man sie genial variiert - erschienen im Verlag Gräfe und Unzer GmbH
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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