Eine Frage beschäftigt mich schon seit längerem: Wie ordnet der Jazzpianist Herbie Hancock persönlich seine erste und wegweisende Filmmusik zu dem Kinoklassiker "Blow Up" aus dem Jahr 1966 ein? Persönlich habe ich keine Gelegenheit, ihm diese Frage zu stellen. Da trifft es sich gut, dass es ein anderer für mich tun könnte: Gilles Peterson, einer der namhaftesten Jazz-Kenner aus London.
Wenn der Brite mit französisch-schweizerischen Wurzeln in BBC Radio 1 Musiklegenden begrüßt, sammelt er im Vorfeld via Facebook interessierte Hörerfragen ein und arbeitet diese in seine Gespräche ein. Wobei seine eigenen Fragen schwer zu toppen sind. Denn der 1964 geborene DJ und Plattenlabel-Besitzer verfügt über ein Tiefenwissen mit Seltenheitswert - dank seiner langjährigen Liebe zu modernem Jazz.
Die Bedeutung seiner Begegnungen mit den Größen à la Herbie Hancock bringt Peterson gegenüber dancemusic.about.com so zum Ausdruck: "Allein die Tatsache, dass du diesen Menschen zuhören kannst, wenn sie erzählen. Sie haben so viel zu sagen. Davon möchte ich mehr, denn es gibt nicht mehr viele von ihnen und es wird sie auch nicht mehr lange geben."
Nicht zu unterschätzen ist dabei Petersons eigener Beitrag: Ihm und seiner umfangreichen Sammlung an Vinyl-Raritäten aus der Zeit der 50er- bis 80er-Jahre ist es nicht zuletzt zu verdanken, dass vergessene Perlen der jüngeren Jazz-Geschichte wiederentdeckt, -gespielt und neu aufgelegt werden.
Und auch, wenn es um seine persönlichen musikalischen Umtriebe geht, lautet das Motto: Jazz rules! Elegant und gekonnt lässt er Stücke ineinander fließen, verwebt Klänge verschiedener Werke zu eingängigen einnehmenden und originellen Klang-Collagen. Diese gibt es zum Glück schon lange nicht nur auf den Britischen Inseln zu hören. Weltweit ist seine eigens gemixte Sendung "Worldwide" zu empfangen; darunter via FM4 sonntags von 17 bis 19 Uhr. Der Sender spricht auf seiner Website von Peterson anerkennend als "DEM internationalen Botschafter für jazzige und progressive Klänge". Wie wahr!
Über seine Begegnungen, Festivals, Auftritte und Radio-Sendungen lässt sich überdies einiges via Twitter, MySpace und Facebook erfahren - Plattformen, die der Familienvater intensiv nutzt. (Links siehe unten.)
Die virtuelle Kommunikation ersetzt ihm aber nicht seine regelmäßigen Abstecher in Londons Plattenläden. Auch und vor allem, wie er gegenüber planet-interview.de erklärt, da "das soziale Leben in den Plattenläden eine wichtige Rolle spielt. Du triffst dich mit Leuten, mit anderen DJs, trinkst Kaffee, unterhältst dich über Musik – das ist wichtig."
Eine Szene, die sich leider immer weniger im Programm der Radiostationen widerfindet. Mit Ausnahme von Sendern wie BBC Radio 1, dem Peterson mehr als nur ein regelmäßiges Einkommen verdankt, sondern auch einen Kulturbeitrag. Den er gegenüber planet-interview.de zu würdigen weiß: "Für mich ist die BBC die letzte Plattform in Großbritannien, wo man noch Musiker wie Ben Westbeech oder das Heritage Orchestra hören kann."
Das nächste Mal schon wieder vielleicht ja in einer der Sendungen von Gilles Peterson.
Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.

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