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Occupy: die Expansion einer Bewegung

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relevant Redaktion

Occupy: die Expansion einer Bewegung

19.10.2011
In mittlerweile 80 Ländern machen Menschen ihrem Unmut über die Finanzkrise Luft. Nach einem Ende des Protests sieht das nicht aus.

Bereitwillig bringt die amerikanische Gewerkschafterin Angeline Echeverría gegenüber der APA den Unmut der rapide wachsenden Bewegung Occupy Wall Street zum Ausdruck: "Es ist nicht fair, dass sich die Banken jetzt nicht an der Bewältigung der Krise beteiligen, sondern lieber Millionenboni auszahlen. Das sind Prämien von unseren Steuergeldern." Oder: "Wir wollen Jobs, von denen man auch leben kann und die sicher sind."

Rufe, die auch außerhalb der USA auf Widerhall stoßen. In bereits mehr als 80 Ländern finden die Demonstrationen, die am 17. September in New York ihren Ausgang nahmen, Nachahmer; darunter auch in Österreich, wo am Wochenende insgesamt knapp 2.000 Menschen in mehreren Landeshauptstädten auf die Straße gingen.


"Welle der Entrüstung"

Kritikern sind die Protestschreie der Demonstranten gegen Banker, Superreiche und ihre Warnung vor der Verarmung der mittleren Einkommensschichten zu undifferenziert. Einer von ihnen - Tom Strohschneider von Der Freitag: "Die Protestierenden werden kaum umhin kommen, noch schwierige Debatten zu führen, etwa über die blinden Flecken einer allzu banalen Bankenkritik, über konkrete Alternativen."

Selbst Brett Scott vom britischen Guardian, der ausdrücklich die Occupy-Wall-Street-Bewegung unterstützt, plädiert für eine Profilschärfung, denn: "Sie (die Demonstranten, Anm.) missverstehen Konzepte und zwängen einzelne in Klischees."

Gerade zu diesem Punkt will die Financial Times Deutschland etwas anbringen: Die Fakten, ortet sie, interessieren nicht, "wenn man auf der Welle der Entrüstung reiten kann. Und auf der reiten zurzeit viele."

Vor allem in Deutschland, was vor allem Sabine Menkens von Die Welt befremdet: "Anders als in den USA, Spanien oder Italien, wo vor allem junge Menschen die Krise in beängstigender Art und Weise am eigenen Leib erfahren, bleibt sie hier seltsam virtuell. In Deutschland gibt es keine Massenarbeitslosigkeit, im Gegenteil."

Der Slogan der Occupy-Bewegung "Wir sind die 99 Prozent" (in Anspielung auf die ungleiche Verteilung von Vermögen) reizt Oliver Stock vom Handelsblatt daher auch zum Widerspruch: "Ich finde, es ist besser, sich auf das Ursprüngliche zu besinnen: Auf einen Staat, der nicht mehr gibt, als er hat. Auf eine Bank, die uns dient und daran auch verdienen darf. Und auf uns Bürger, die nicht mehr verlangen, als wir uns leisten können. Wetten, ich bin mehr als ein Prozent?"

Gewiss wenn es nach Redaktion der Washington Times geht, in deren Augen Occupy das Problem und nicht die Lösung ist: "Es war diese Haltung, die Amerika groß machte: hart arbeiten, Opfer bringen und nicht etwas für nichts haben wollen. Es war das exakte Gegenteil dieser Haltung, die die Nation, die einst der weltweit größte Geldgeber war, zum größten Schuldner formte."

Das will der Ökonom Paul Krugman in seinem von der Berliner Zeitung veröffentlichten Gastkommentar so nicht gelten lassen: "Wer ist nun unamerikanisch? Sicherlich nicht die Demonstranten, die einfach versuchen gehört zu werden. Nein, die eigentlichen Extremisten sind Amerikas Oligarchen, die jede Kritik an ihrem Reichtum unterdrücken wollen."

Ein Schönheitsfehler stört Alexander Görlach von The European dennoch - der Beifall etlicher Politiker: "Indem sie die Occupy-Bewegung in ihrer Haltung gegen die Banken stärken, lenken sie von sich, den Staaten und Regierungen als den Verursachern der gegenwärtigen Schuldenkrise ab."

Und zwar ungeachtet ihrer Couleurs, findet Malte Lehming von Der Tagesspiegel bemerkenswert: "Ob ihre Wagen rot, schwarz, grün oder gelb gestrichen sind, interessiert nicht. (...) Politik als ideologisches Projekt – das war einmal. Insofern überrascht es nicht, dass die Linke kein bisschen von der Krise profitiert."

Zu einer abschließenden Ehrenrettung fühlt sich angesichts der überwiegend kritischen Kommentare Globalisierungskritikerin Naomi Klein gegenüber der New York Times verpflichtet: "Das ist eine junge Bewegung, die erst herausfinden muss, wie mächtig sie tatsächlich ist, und dass diese Macht erst entscheiden wird, welche Forderungen möglich sind."


Ein Aufruf genügte

Allein ihre Entstehung hat zumindest bereits belegt, was möglich ist, wie Matthias Greffrath von die taz erinnert: "Im Juli 2011 schlug die Redaktion der kanadischen antikonsumeristischen Adbusters-Zeitschrift vor, angesichts der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich die Wall Street zu besetzen. Als Protestbeginn schlugen sie den 17. September, den Verfassungstag der USA vor."

Zahlreiche Menschen folgten diesem Aufruf. Und ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. Denn was mit einer Zehnerschaft vor der New Yorker Börse begann, ist in einem Monat zu einer globalen Bewegung in 80 Ländern angewachsen: mit 200.000 Teilnehmern in Rom, rund 40.000 in Deutschland, Zehntausenden in Spanien und auch immer mehr in amerikanischen Städten. Nach einem Ende des Protests sehen diese Zahlen nicht aus. Schon eher nach einem vielsagenden Anfang.

Ute Rossbacher

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