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Wochenendgutachten

07.10.2011
Ich hätte kurzfristig Zeit für 300.000 Euro.

Sehr geehrter Herr Westenthaler,

lieber Ingenieur,

so wie es aussieht, werde ich am Wochenende nicht in der Sonne liegen oder mit meinem Moped durch die Stadt cruisen können. Ich habe keine dringenden familiären Verpflichtungen, und das Fernsehprogramm ist sowieso nicht abendfüllend. Es könnte also durchaus sein, dass ich ein paar Minuten zur freien Verfügung habe.

2006 sollen Sie Ihrem Mitarbeiter und Freund Kurt Lukasek auf generöse Weise geholfen haben, die tonnenschwere Last von Tagesfreizeit am Wochenende zu tragen. Er wiederum hat sich aber auch nicht lumpen lassen und geschuftet auf Teufel komm raus. Er ist online gegangen (am Wochenende!), hat im Internet recherchiert (hinein ins Milieu, wo wahre Experten den Gral ihrer Weisheit hüten!) und ein "Gutachten" (warum so defensiv? Als Bezeichnung hätten sich doch auch "Charta", "Gesetzbuch" oder schlicht "Bibel" angeboten!) erstellt.

9 Seiten wollen erst einmal gefüllt werden. Wochenendgutachter Lukasek, Journalistenkollegen und ich wissen das!

Ich möchte dennoch nicht hintanstehen, mich ebenfalls in den Dienst erleuchtender Wissensmehrung und knallharter Know-how-Konzentration zu stellen. Freizeit hin oder her – da kenne ich ebenfalls nix.

Um Ihren kolportierten Tarifgewohnheiten, die natürlich an die Qualifikation des Autoren im jeweiligen Fachgebiet und den Umfang des angehenden Standardwerks angepasst sind, zu entsprechen, darf ich folgende Themenvorschläge anbieten:

- "Korbblüter im Donauraum – Entwicklung in den vergangenen 100 Jahren sowie ihr volkswirtschaftlicher Nutzen" (5 Seiten, A4!).
- "Kostenwahrheit im Transit - nachhaltige Alternativen zum aktuellen Warentransport in der EU" (9,5 Seiten).
- "Südostasien: Expertise über Veränderungen dermatologischer Krankheitsbilder seit dem 19. Jahrhundert" (7 Seiten).

Bleibt’s bei den 300.000 Euro?

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um eine kurze Auftragsbestätigung,

Beinahe-Cand. Mag. rer. soc. oec. Sascha Bém

P.S.: Ich orientiere mich bewusst nicht am Hypo-Alpe-Adria-Gutachten von Steuerberater Birnbacher, dem Ihr langjähriger Weggefährte Jörg Haider und Josef Martinz (ÖVP) 12 Millionen Euro für sechs Seiten zugesagt haben sollen. Mit dem ganzen Tamtam und "Patrioten-Rabatt" und so - das finde ich nicht seriös.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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