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Koller: Wo der Trainer keinen Namen hat

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relevant Redaktion

Koller: Wo der Trainer keinen Namen hat

05.10.2011
Wie gut dass der neue ÖFB-Trainer Marcel Koller die heimische Fußballszene nicht kennt. Das lässt hoffen, dass ihn die Pfeile, die auf ihn abzielen, nicht treffen.

Mit einem "herzlichen Grüß Gott" präsentierte sich Marcel Koller der österreichischen Fußballgemeinde am (gestrigen) Dienstag. Freundlich und zurückhaltend wie der Schweizer auftrat, hätte er sich sicherlich einen netteren Empfang verdient. Den ihm jedoch so mancher verweigern wollte. Fair Play sieht anders aus.

Sieht man davon ab, dass Koller seit 2009 keinen Trainerposten bekleidete, kann sich seine Vita durchaus sehen lassen: Seine Karriere begann und beendete er bei den Grashoppers Zürich. Als Trainer führte er St. Gallen und seinen Heimatverein jeweils zum Meistertitel. Dem Vfl Bochum sicherte er den Klassenerhalt. Lukas Podolski wurde von ihm entdeckt.

Und zumindest die Spieler scheinen es ihm zu danken. Legionär Christian Fuchs etwa, der bereits mit ihm zusammengearbeitet hat: "Mit den Jungen kann er gut umgehen, Koller hat etwas von einer Vaterfigur. Das kann unsere Nationalmannschaft weiterbringen", betont der Spieler gegenüber Der Standard.

Andere begegnen dem am 11. November 1960 geborenen Zürcher deutlich reservierter. Kurt Jara etwa. Im Interview mit der Basler Zeitung nahm sich der Tiroler kein Blatt vor den Mund: "Bei uns in Österreich ist Koller geradezu ein absoluter NoName. (...) Wenn schon, dann müsste ein ausländischer Trainer in Österreich einen ganz großen Namen wie Hitzfeld, Wenger oder Heynckes haben."

Ob das die heimischen Kommentatoren auch so sehen - hier ein kleiner Überblick:


"Glücksgriff", "Vaterfigur", "NoName"

"Der erste Schweizer Teamchef in Österreich wird sich an den Erfolgen der heimischen Trainer messen lassen müssen und wird es sehr schwer haben!"
(Herbert Prohaska in der Kronen Zeitung)


"Dem Schweizer soll die Gelegenheit gegeben werden, zu zeigen, was denn alles besser funktioniert beim Nachbarn, der in den vergangenen Jahren erfolgreicher war."
(Bernhard Hanisch, Kurier)


"Ein Teamchef, der mit keiner Altinternationalen-Lobby verbandelt ist, eine Struktur, die endlich den Mief des vorigen Jahrhunderts abschüttelt – das alles hatte Österreichs Fußball schon lange nötig."
(Christoph Zöpfl, Oberösterreichische Nachrichten)


"Er ist niemandem im Fußballbetrieb – auch niemanden im ORF oder in der 'Kronen Zeitung' – einen Gefallen schuldig. Mit anderen Worten: Marcel Koller ist ein Glücksgriff."
(Gerhard Hofer, Die Presse)


"Natürlich wird es Marcel Koller nicht einfach haben. Welcher Trainer hätte es mit der österreichischen Nationalmannschaft schon einfach?"
(Philip Bauer, Der Standard)


"Koller präsentierte sich sympathisch und unspektakulär. Ein Hauch von Aufbruchstimmung war zu spüren: ein Schweizer als neuer Hoffnungsträger im Austria-Fussball."
(Werner Pietsch, Neue Zürcher Zeitung)

Ute Rossbacher

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