Wien Wolkig Nebel 17.1°C
Quelle: ZAMG

Kolumnen

Renate Rossbacher

kulturlounge Ystad, Stockholm, London: Krimi-Reisen liegen im Trend.


Manuel Simbürger

Inside Out Life Ball 2012: Fast-Live-Ticker zum Ball der Bälle.


Sascha Bém

provokant SMFPK? - Wenn sich Männer nach "Tetschn" sehnen.


Ute Rossbacher

Media's Digest Stars und Sternchen einmal anders: ein Blick in die Welt der Astrologie.


Markus Berndt

HR quergedacht Die ignorierten eierlegenden Wollmilchsäue.


Dr. Erdal Cetin

Inside OP Fersensporn: Schmerzhaft und langwierig zu behandeln.


Werner Becher

FrechDAX Bye Bye, Griechenland.

Interviews

Bildergalerien

Weitere Meinungsthemen

provokant - die Einserkolumne

Relevant Media

- provokant

Bullshit Bingo

23.09.2011
Je dünner das Eis, desto einheitlicher die Rhetorik.

Kennen Sie "Bullshit Bingo"? In launigen Managerkreisen (ja, die gibt's!) ist das ein beliebtes Spiel zum Zeitvertreib. Im Vorfeld von Vorträgen, Präsentationen oder Meetings, bei denen das Überraschungspotenzial überschaubar ist, legt jeder Mitspieler eine Liste mit Wörtern an, die dünn im Inhalt, dafür umso mächtiger in ihrer Verbreitung sind. Jedes Mal, wenn ein Terminus (zu empfehlen beispielsweise: "Win-win-Situation", "Synergiepotenzial", "proaktiv" ...) tatsächlich fällt, wird er von der eigenen Liste gestrichen. Ist eine Reihe komplett abgearbeitet, darf der Spieler – je nach Mut und Bedarf an Tagesfreizeit – aufspringen und wahlweise "Bingo", "Bullshit" oder "Bullshit Bingo!" rufen.

Mein Tipp: Im Newsroom des ORF spielt das Team um Armin Wolf schon längst das "Schwitzfloskel Bingo". Was die Studiogäste, deren Hochegger-Handshakes, Mensdorff-Mauscheleien, Telekom-Trinkgelder, Inseraten-Investments oder Offshore-Offices zu einer ZiB-Einladung geführt haben, so von sich geben, schreit nach - "Bingo!".

Gehandelt haben selbstredend alle immer "korrekt". Das Kreuzfeuer der Kritik fußt stets in einem "Versuch zu kriminalisieren" oder, wenn's blauer zugeht, in einer "Hetzkampagne". (Wird gerne genommen in Kombination mit "linke Kreise".) Gewiss, man ist bereit einzuräumen, dass die "Optik schief" (im mutigen Fall) oder "nicht optimal" (häufiger) ist. Selbstverständlich wird die "Bereitschaft, mit den Behörden offensiv zu kooperieren" bekundet. Es gehören schließlich alle "Vorwürfe schonungslos untersucht". Etwaigen Verfahren "blickt" man "gelassen entgegen".

Einen Anflug von Originalität bewies immerhin Herbert Scheibner (BZÖ), als er – etwas in Rage geraten – zuerst Armin Wolf als "Herr Redakteur Groß" anredete und dann fragwürdige Zusammenhänge mit einem "was da lustig herumrecherchiert wird" abzutun versuchte. (Herr Scheibner, Sie wissen schon, dass Journalisten im Sinne der Allgemeinheit recherchieren sollen, oder?)

Unsere durch die Mühlen aller Rhetorik- und Medienschulungen gegangenen Politiker sind öder als das Testbild und weniger glaubwürdig als eine Dauerwerbesendung. Das wird umso deutlicher, je dünner das Eis ist, auf dem sie sich bewegen. Also bei Dementis. Und wenn sie einmal vor lauter Aufgebrachtheit den geschniegelten Fertigteil-Sprech verlassen, wird ganz schnell klar, warum sie das so selten tun.

Vielleicht werden die Berliner Piraten auch einmal so.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech