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Daheim in allen Medien: Stephen Fry

20.09.2011
Er bloggt, twittert, podcastet, schreibt, moderiert in TV und Radio und ist ganz nebenbei noch Schauspieler und Regisseur: Stephen Fry, der Bekenner.

Wenn er karikative Websites auf Twitter empfiehlt, brechen diese unter der Last der Zugriffe zusammen, wenn er auf unbekannte Musiker oder Autoren verweist, die er schätzt, gehen deren Alben- und Buchverkäufe in Großbritannien schlagartig nach oben.

Wer ist dieser Mann, der mehr als 3 Millionen Twitter-Follower hat, einer der beliebtesten Uni-Rektoren Großbritanniens war, als "Pfeifenraucher des Jahres" gewürdigt wurde, zahlreiche Ehrendoktortitel trägt, Platz 6 bei der BBC-Wahl der lebenden Ikonen erreichte und von den Lesern der Radio Times zum intelligentesten Mann im britischen Fernsehen gewählt wurde? Der als der zweiteinflussreichste Homosexuelle Großbritanniens gilt, wie der Independent on Sunday eruierte und als "nationaler Schatz" (so das Broadcast Magazine anerkennend) von seinen Fans verehrt wird?

Niemand geringerer als Schauspieler, Komiker, Regisseur, Moderator, Schriftsteller, politischer Experte, Kolumnist und High Tech-Freak Stephen Fry. Dass ihn die BBC anlässlich seines 50. Geburtstages vor vier Jahren in mehreren Sondersendungen würdigte, ist kein Wunder!


Atheist, Labour-Wähler, Blair-Kritiker ...

Denn Frys Meinung hat in seiner Heimat Gewicht. Mit der der Absolvent der Cambridge Universität nicht hinterm Berg hält und jene bereits in zahlreichen Gastkommentaren für renommierte Blätter dargelegt hat.

Als glühender Atheist zieht er gegen die Katholische Kirche, deren Sexualmoral und Reichtum zu Felde; und schloss sich einem öffentlichen Boykottschreiben gegen den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Großbritannien an. - Die Erklärung wurde in der Tageszeitung The Guardian abgedruckt.

Als prominenter Anhänger und gleichzeitig heftiger Kritiker der Labour Party machte er sich einen Namen; boykottierte 2005 die britischen Parlamentswahlen wegen der strittigen Haltung, die die Partei in der Irak-Frage als Verbündeter der damaligen Bush-Regierung eingenommen hatte. Den Kurs von Tony Blair verfolgte Fry mit gemischten Gefühlen, insbesondere die Tendenz der Sozialdemokraten, sich zusehends von ihrer Kernwählerschaft und ihren sozialen Grundsätzen zu entfernen. Was er den Politiker in einem TV-Interview, das er mit ihm führte, auch wissen ließ.

Gesellschaftliche Berührungsängste nach oben kennt Fry dennoch nicht. Zu seinen engsten Freunden zählt Prinz Charles, zu dessen Hochzeit mit Camilla er ebenso eingeladen war, wie zu jener seines Kumpels und Kollegen Rowan Atkinson (Mister Bean), dessen Trauzeuge er war. Sein bester Freund allerdings ist Schauspielkollege Hugh Laurie (Dr. House), den er – wie übrigens auch Emma Thompson - bereits während seiner Studienzeit kennenlernte und mit dem er als Comedy-Duo in den frühen 80er-Jahren im britischen Fernsehen durchstartete.

Dass Fry obendrein noch ein Sportkenner ist, macht ihn nicht zuletzt in der breiten Bevölkerung beliebt. Seine Wortspenden, die er als versierter Anhänger von Cricket und Fußball (er ist übrigens seit 2010 Mitglied im Aufsichtsrat seines Heimatvereins Norwich City Football Club) abgibt, bleiben nicht ungehört.


Fry überall

Daneben gilt die Liebe des alleinstehenden Fry der modernen Technik; intensiv nutzt er die digitalen Kommunikationsformen und outet sich als Fan von Wikipedia ("damit ich weiß, wann ich gestorben bin").

Früh umarmte er das Internet-Zeitalter und ging bereits 1997 mit seiner ersten Website online; zehn Jahre später folgten diverse Blogs und seine erste Podcast-Reihe (Stephen Fry's Podgrams). Sein Unternehmen SamFry Ltd, das er mit Andrew Sampson 2008 gegründet hat, bündelt mittlerweile alle seine medialen Aktivitäten.

Denn quer durch alle Medien hinterlässt der Brite seine Spuren: als Moderator einer der beliebtesten Quizsendungen des Landes (QI – Quite Interesting), als Gastmoderator und Komiker im Radio, als Produzent mehrteiliger TV-Dokumentationen (Stephen Fry in America), Sprecher von Naturfilmen und bekannte Stimme in diversen britischen Werbespots (Vauxhall, Orange Mobile, After Eight, Heineken ...).

Als Sprecher von Hörbüchern für Kinder (Winnie Pooh) steht er überdies einem jüngeren Publikum nahe. Das wiederum schätzen auch die Eltern: Bestseller-Autorin J. K. Rowling soll sich explizit Fry als Sprecher für die Hörbuch-Reihe zu Harry Potter gewünscht haben.

Auch die Anliegen größerer Kinder verficht Fry mit Hingabe und wurde dafür in den 90er-Jahren gleich zwei Mal von den Studenten der Universität Dundee zum Rektor gewählt.

Schon bald allerdings lockten ihn wieder die Bühne und das Fernsehen: In den preisgekrönten TV-Dokumentationen, die der humorvolle Fry in den letzten Jahren produzierte, zeigt er dabei jedoch zusehends seine ernstere und tiefsinnigere Seite; thematisierte die Krankheit Depressionen, gegen die er auch selbst ankämpft; arbeitete die Familiengeschichte seiner jüdischen Vorfahren auf, von denen die meisten in Auschwitz umgekommen waren. Oder mimte - noch bevor das US-Drama "Philadelphia" 1993 um die Welt ging - in der sehenswerten Tragikkomödie "Peter's Friends" einen HIV-infizierten Homosexuellen.


Fry und die Weltpolitik

Scharfzüngig und kritisch setzt sich Fry dabei nicht nur mit der Geschichte Europas, sondern auch der politischen Gegenwart im In- und Ausland auseinander. Wenn diese Woche die Palästinenser die UNO-Vollmitgliedschaft eines eigenen Staates Palästina beantragen, wird mit ziemlicher Sicherheit auch er die Ereignisse aufmerksam verfolgen – und auch öffentlich kommentieren. Denn als Mitglied der Organisation "Jews for Justice for Palestinians" setzt er sich schon seit längerem für die Rechte der palästinensischen Zivilbevölkerung ein.


Buch-Tipp

Stephen Fry The Fry Chronicles (Autobiografie) - erschienen bei Penguin (in deutscher Fassung: Ich bin so fry - meine goldenen Jahre bei Aufbau)


DVD-Tipp

Stephen Fry in America (BBC)


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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