"Soundtracks sind eine Form musikalischer Sprache", sagt der 2007 mit dem Oscar für sein Lebenswerk geehrte italienische Konzert- und Filmmusikkomponist Ennio Morricone und findet es geradezu lächerlich, auf welch "snobistische Weise" Musikwissenschafter und Musikhistoriker Filmmusik immer noch ignorieren.
Zu mehr als 300 Filmen hat er die Musik geschrieben und damit seinen Teil zu deren "Ausdruckskraft" beigetragen. Die meisten seiner berühmten Soundtracks, darunter jene zu "Es war einmal in Amerika", "Der Profi" oder "Spiel mir das Lied vom Tod", zählen mittlerweile zu den Klassikern der Filmmusikgeschichte, sind geprägt von einem sehr persönlichen Stil, der "im Lauf eines Lebens entsteht und einen großen Komponisten auszeichnet" und somit allesamt "unverkennbar Morricone".
Allerdings sind nach seiner Ansicht auch dem Einfluss der Musik gewisse Grenzen gesetzt. Fällt ein Soundtrack mittelmäßig aus, wird er einem wirklich guten Film vermutlich nicht schaden können, doch selbst "die beste Filmmusik" - davon ist er überzeugt - "kann einen schlechten Film nicht besser machen".
Hollywood in Vienna
Nicht Morricone, sondern drei andere namhafte Soundtrack-Komponisten internationaler Größe werden sich in diesem Jahr bei der Filmmusik-Gala "Hollywood in Vienna" am 23. September im Wiener Konzerthaus (www.fimuvienna.com) dem Publikum präsentieren. Und der schottische Komponist Patrick Doyle, bekannt unter anderem durch Filme wie "Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück", den Soundtrack zu "Harry Potter und der Feuerkelch", seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem britischen Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh ("Hamlet", "Henry V", "Viel Lärm um nichts") sowie seine aktuelle Arbeit für "Thor" und "Planet der Affen: die Prevolution" ist nur einer davon.
Mit einer eigens für diesen Konzertabend zusammengestellten "Harry-Potter"-Suite werden Kompositionen von ihm, aber auch von John Williams und Alexandre Desplat für einen ganz speziellen Höhepunkt des Abends sorgen.
Ein anderer, der im Rahmen dieser Gala nicht nur am Pult stehen wird, sondern auch mit dem "Max Steiner Film Music Achievement Award" gewürdigt werden soll, ist Alan Silvestri, einer der bekanntesten US-amerikanischen Filmkomponisten, berühmt für seine Soundtracks zu zahlreichen Hollywood-Klassikern wie "Forrest Gump", "The Bodyguard" und "Zurück in die Zukunft".
Nadine Beiler, die Österreich in diesem Jahr beim Eurovision Song Contest vertreten hat, wird an diesem Abend dem Publikum Silvestris Grammy-prämiertes Lied "Believe" aus dem Film "Der Polarexpress" zu Gehör bringen.
Als weiterer Höhepunkt der Veranstaltung wird Bruce Broughton, ebenfalls erfolgreicher US-amerikanischer Filmmusikkomponist, der unter anderem auch für die Musik zahlreicher Disney-Filme ("Bambi", "The Three Musketeers") verantwortlich zeichnet, ans Pult treten und einen musikalischen Streifzug durch seinen Disneyfilm-Themenreigen darbieten. Der ORF zeichnet dieses Konzert auf und so werden auch Fernsehzuschauer das Vergnügen haben, der Gala - wenn vielleicht auch erst zu einem späteren Termin - beizuwohnen.
Zwei Österreicher und drei Musketiere
Der Soundtrack zur aktuellen Filmversion von "Die drei Musketiere", die Anfang September in den österreichischen Kinos angelaufen ist, stammt übrigens von dem mittlerweile in Los Angeles sesshaft gewordenen Komponisten Paul Haslinger.
"Die musikalische Untermalung fügt sich dem abenteuerlichen Charakter des Films" – soweit das Urteil der Filmkritik über den 1962 in Linz geborenen Komponisten, der nicht nur mit Musik zu diversen Computerspielen, wie jener zu "Lara Croft.Tomb Raider", sondern auch mit dem Soundtrack zur US-TV-Serie "The Sleeper Cell I: The Enemy Is Here", die ihm seine bislang erste Grammy-Nominierung einbrachte, in Hollywood Erfolge feierte.
Es war übrigens der 1888 in Wien geborene Komponist Max Steiner, der 1935 für die erste Filmfassung von "Die drei Musketiere" die Filmmusik geschrieben hat. Dem mit drei Oscars und zahlreichen Preisen gewürdigten Österreicher, von dem auch die Soundtracks zu den Filmklassikern "Vom Winde verweht" und "Casablanca" stammen, hat Hollywood auf dem berühmten Walk of Fame längst ein Denkmal gesetzt.
Immer donnerstags
Interessierte können sich jeweils donnerstags zwischen 18 – 20 Uhr auf www.klassikradio.de über aktuelle Kinofilme informieren, haben Gelegenheit, schon mal in die pünktlich zum Kinostart veröffentlichten Soundtracks reinzuhören und sich von Moderator Florian Schmidt alle Hintergrundgeschichten zu den jeweiligen Filmen liefern zu lassen.
Wer sich über Sänger und Songtitel, die zwar in diversen Filmen zu hören, allerdings - meist aus rechtlichen Gründen - auf dem Original-Soundtrack-Album nicht zu finden sind, näher informieren möchte, findet alle Angaben dazu auf der Website von The Internet Movie Data Base.
Uraufführungen für Soundtracks gibt es bekanntlich nicht. Laut Ennio Morricone wird "Filmmusik dann als veröffentlicht betrachtet, wenn sie im Film und auf CD erscheint".
Das Soundtrack-Album zu der aktuellen Filmfassung von "Die drei Musketiere" ist daher bereits seit dem 2. September im Handel erhältlich.
Soundtracks
Paul Haslinger Die drei Musketiere - erschienen bei Königskinder Music
Patrick Doyle Harry Potter und der Feuerkelch - erschienen bei Warner Bros. Records
Alan Silvestri Der Polarexpress - erschienen bei Reprise Records (Warner)
Bruce Broughton Disney: Bambi II - erschienen bei Disney EMI
Disney The Three Musketeers - erschienen bei Disney
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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