Herbst wird's und mich freut's. Wenn die Tage kürzer werden und es früh zu dämmern beginnt, dann schmecken Tee und Kekse gleich noch einmal so gut. Dann erleben geliebte Rituale aus Kindertagen ihr Comeback - die abendliche Schale Kakao vor dem Schlafengehen oder der Griff zur geliebten Kuscheldecke beim Fernsehen.
In diesen Tagen raschelt es gehörig in meinem Blätterwald aus Magazinen, die mit ihren Deko-, Back- und Bastelideen meine Vorfreude auf kühlere Tage steigern. Zeitschriften dieser Art gibt es ja mittlerweile unendlich viele. Doch das letzte fehlende Puzzleteil wurde erst kürzlich von den Verlagen nachgereicht: Heimat-Magazine.
Auf die Frage, was Heimat ist, hat meiner Meinung nach die Autorin Evelyn Holst in ihrer Kolumne in der Frauenzeitschrift Tina eine treffende Antwort gefunden: "Man wählt sie nicht, man hat sie, wie seine Familie."
Und nicht nur auf den Wert letzterer besinnen sich immer mehr Menschen, sondern auch auf ihre Ursprünge. Zeitschriften tragen diesem Umstand zunehmend Rechnung und setzen dabei Heimat vor allem mit dem Leben auf dem Land - abseits aller Metropolen - gleich; und damit einen durchaus wohltuenden Gegenakzent zu den überwiegend großstädtisch orientierten Lifestyle-Magazinen.
Dass das Ergebnis noch lange nicht altbacken oder bieder sein muss, beweisen die folgenden Beispiele. Ein Blick in die sympathischsten Magazine, die sich dem Leben in den eigenen Landesgrenzen, den direkt angrenzenden Nachbarregionen bzw. den persönlichen vier Wänden verschrieben haben.
Der treue Begleiter: "Servus in Stadt und Land"
Seit Dezember 2010 auf den Markt, bietet Servus in Stadt und Land aus dem Red Bulletin Verlag den Lesern Gelegenheit, den Alpen-Donau-Adria-Raum von Grund auf neu zu entdecken: die verschiedenen Regionen, ihre Besonderheiten und Spezialitäten; aber auch Wissen, das zu verloren gehen droht: über Kräuter und ihre Anwendung und Wirkung, Gemüse- und Obstsorten aus heimischem Anbau; die Pflege von Pflanzen und Blumen oder die Zubereitung regionaler Hausmannskost. Sehr ästhetisch aufbereitet, mit geschmackvollen Text-Bild-Kompositionen ohne falschen Pathos.
Das monatlich erscheinende Servus in Stadt und Land ist übrigens seit kurzem auch in Bayern, Südtirol und der deutschsprachigen Schweiz erhältlich und verzeichnet - den Leserbriefen nach zu schließen - auch dort eine wachsende Fan-Gemeinde. Die aktuelle Ausgabe ist seit Ende August auf dem Markt.
Deutschland entdecken mit "Hörzu Heimat"
Der Untertitel des Magazins "So schön ist Deutschland" ist themenführend. Wer sich für die landschaftliche Vielfalt unseres Nachbarlandes begeistert, wird mit üppigen Bildreportagen über dessen schönste Winkel, Stimmungsbildern zu den Jahreszeiten und Porträts über Menschen belohnt, die zu Unikaten ihres Ortes oder Heimatbezirkes geworden sind. Das Magazin des Axel Springer-Verlags erscheint vierteljährlich, das nächste Mal am 5. Oktober.
Österreich trifft Hamburg oder "Tina: Land & Leute"
Vor wenigen Tagen hat nun auch der in Hamburg ansässige Bauer Woman Verlag nachgezogen und mit dem Sonderheft der seit mehr als 35 Jahren erscheinenden Frauenzeitschrift Tina ebenfalls ein Heimat-Magazin auf den Markt gebracht. Das Thema liegt bei Chefredakteurin Sabine Ingwersen in guten Händen, ist die aus Österreich stammende Wahl-Hamburgerin selbst auf dem Land aufgewachsen. Eine Zeit, die, wie die Vorarlbergerin im Vorwort bekennt, ihre Spuren hinterlassen hat: "Wenn die ersten Blätter fallen und es nach Herbst duftet, zieht es mich in Gedanken wieder zurück in mein Heimatdorf nach Österreich."
Einen Ausflug dorthin unternimmt die erste Ausgabe des Magazins ebenso (konkret: Südsteiermark und Nußbach in Niederösterreich), wie in die Schweiz oder nach Bayern. Wir erfahren Grundsätzliches über die Unterschiede regionaler Apfelsorten, wie Knödel richtig gut gelingen oder was es mit den Strickerinnen des Emmentals auf sich hat.
Ein gelungener Auftakt des farbenfroh gestalteten Heftes!
Der Vorreiter: Wohnen & Garten
Als ich Ende der 90er-Jahre das erste Exemplar des Burda-Magazins Wohnen & Garten in Händen hielt, war ich auf Anhieb angetan: von den ästhetischen Landschaftsfotografien, den einladenden Gartenszenen, den geschmackvollen Einrichtungen und den stimmungsvollen Begleittexten; allen voran dem monatlichen Vorwort von Chefredakteurin Andrea Köbel. Etwas Vergleichbares war mir bis dato noch nicht untergekommen; denn zu jenem Zeitpunkt gab es im deutschsprachigen Raum noch kaum Magazine dieser Art; anders als in Großbritannien oder den USA.
Auch mehr als zehn Jahre später hat das monatlich erscheinende Magazin nichts an Charme und Ästhetik eingebüßt. Die Liebe zum Detail kommt auch in den Sonderheften von Wohnen & Garten zu tragen, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten widmen, die von Festdekorationen bis hin zu landesspezifischen Einrichtungsstilen reichen.
Selbst wenn das Wetter vor dem Fenster nicht gerade der Jahreszeit entspricht, lädt das Magazin dazu ein, zu dekorieren, zu backen oder auf der Suche nach Bastelutensilien durch die Wälder zu streifen. Zumindest Leserinnen wie mir geht es so.
"Ohne jeden Zweifel selbstgemacht ..."
Auf jene unter ihnen, denen derlei Regungen und Leidenschaften befremdlich erscheinen, habe ich übrigens nicht vergessen! Mit Ihnen fühlt der Kabarettist Lars von Reichow; der in seinem Stück "Gemütlichkeit" über jene Frauen der Nordhalbkugel witzelt, die bei Einbruch der herbstlichen Dämmerung reflexartig Teelichter im ganzen Haus entzünden und jedes freie Fleckchen Wohnraum ungebremst mit Duftschalen, Gestecken und Zierkürbissen bevölkern:
Alles beginnt mit einer "Stroh-Stoff-Nuss-Puppen-Geschichte", die der Kabarettist - über dem Fenster hängend - entdeckt: "Hm, sehr hübsch gemacht eigentlich ... aber ohne jeden Zweifel selbstgemacht."
Noch bevor sich von Reichow entscheiden kann, passiert es: "Und wenn mich dann meine Frau fragt: Und wie gefällt's dir? ... Ja, das sind so Fragen. Die kann man eh nicht ... was soll man ohne eine Krise dann ...".
Warum Lars von Reichow zum Sommer-Fan wurde, ist daher nicht nur den Temperaturen geschuldet: "Die Dekorationsphase war im Sommer leicht zurückgegangen. Da waren wir sehr viel draußen und sie wirkte ausgeglichen irgendwie ... und jetzt fängt es halt wieder an."
Zur Belustigung des Kabarettisten. Zur Freude seiner Frau - und unsereins, denen die Frage "Wer bastelt mit?" keinen Schrecken einjagen kann.
Die Verdienste des Tourismusverbandes
Dabei ist der Wert von Heimat- und Wohnmagazinen nicht zu unterschätzen. Bedenken Sie: Eine bessere Fremdenverkehrswerbung gibt es nicht! Die sich der heimische Touristenverband ja im Ausland sonst viel kosten lassen muss. Und, wie ich erst seit kurzem weiß, damit sogar verdienstvoll ganze Magazine am Leben erhält.
Konkret die britische Frauenzeitschrift She, die - schon einmal dem wirtschaftlichen Kollaps nah - nach mehr als 20 Jahren nun endgültig das Zeitliche gesegnet hat. Dass es nicht schon eher mit dem Blatt zu Ende ging, ist dem britischen Economist zufolge vor allem ihnen zu verdanken - den Inseratenkampagnen des "unerschrockenen Österreichischen Tourismusverbandes".
Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.

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