"Man muss nicht immer ein Held sein, aber man muss immer ein Mann sein", schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe. Und gleich vier Filme sind es, die im September-Kino diesem Thema auf der Spur sind. Sehenswert vor allem das kanadische Drama "Herzensbrecher" und eine amerikanische Tragikkomödie, die es als einzige geschafft hat, selbst den Männern am Drehset die Tränen in die Augen zu treiben.
Mit "Beginners" hat sich Regisseur Mike Mills einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte von der Seele geschrieben, in der das Coming-Out seines 75-jährigen Vaters, unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter, für das zweite Trauma in seinem Leben sorgte. Gleichzeitig wurde ihm – und wird auch dem von Ewan McGregor gespieltem Sohn Oliver im Film - endlich klar, was an der Ehe seiner Eltern nicht gestimmt hat.
Eine melancholische Komödie
Diese berührende, aus Sicht des Sohnes in Rückblicken erzählte tragisch-komische Vater-Sohn-Geschichte hat es zweifellos in sich. Zunächst noch überfordert von der neuerwachten Lebens- und Liebeslust seines Vaters Hal (Christopher Plummer), der - von seiner Lebenslüge befreit - auf seine alten Tagen plötzlich neue Maßstäbe in puncto Lebensfreude setzt, muss sich der 30-jährige Oliver schon bald darauf der Tatsache stellen, dass auch dieser nicht mehr lange zu leben hat.
Die als unheilbar diagnostizierte Krebserkrankung macht die verbleibende Zeit mit einem Mal kostbar, bringt Vater und Sohn einander nah und macht beiden Mut auch Gefühle zuzulassen, die man als Mann gelernt hat, eher nicht zu zeigen. Der Abschied wird entsprechend schwer und hat – so Mike Mills und Ewan McGregor im Interview mit dem Independent – bei den Dreharbeiten selbst bei Regisseur und Schauspielern ungeahnte Emotionen ausgelöst.
Erst als der allein zurückbleibende, nun vor allem mit dem Hund seines Vaters kommunizierende Oliver nach seiner gescheiterten Beziehung der liebenswerten Anna (Mélanie Laurent) begegnet, wendet sich das Blatt zum Besseren und lässt seine Vorstellung vom Glück - "Sex. Lieben. Heiraten. Natur. Magie. Genauso sollte es sich anfühlen" - wahr werden.
Klare Absage an das Macho-Gehabe
Es sei nicht so sehr das Drehbuch, sondern vor allem die wahre Geschichte dahinter gewesen, die den schottischen Schauspieler Ewan McGregor nach eigenen Worten derart fasziniert hat, dass er aus dem Bauch heraus entschied, die Rolle anzunehmen.
Auf die Frage, ob er sich selbst für männlich halte, hat er ein klares "Nein" parat und erteilt jeder Art von "Macho-Gehabe", das er "ziemlich peinlich" findet, eine klare Absage.
Der Vorstellung, dass es Momente geben könnte, in denen der "richtig altmodische Kampf von Mann zu Mann" gerechtfertigt erscheint, kann er allerdings schon eher etwas abgewinnen und wäre dazu auch jederzeit bereit, falls beispielsweise die Privatsphäre seiner Familie vor lästigen Fotografen nicht anders zu schützen sei.
Mann und Abenteurer
Der bekennende Familienmensch Ewan McGregor, bei dem sich die "Prioritäten" in den letzten Jahren eindeutig zu Gunsten von Frau und Töchtern verschoben haben, hat sich seinen Sinn für Abenteuer, die vor allem mit seiner Begeisterung für Motorräder zu tun haben, dennoch bewahrt.
Seine bislang längste Tour von Schottland nach Südafrika, "ein satter 24.000 Kilometer-Trip", der über drei Monate gedauert und den er "mit jeder Pore seines Körpers" genossen hat, hat er gemeinsam mit seinem besten Freund zurückgelegt. "Dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer ist mittlerweile ein echtes Lebenselixier für mich."
Moderner Mann und Herzensbrecher
Literarisch wartet der September unter anderem mit dem klugen Ratgeber "Mann. Moderne Betrachtungen" von Stefan Pott auf, der sich "als modernes Buch für moderne Männer. Und alle Frauen, die einen an ihrer Seite haben möchten" versteht.
Hat der Autor recht, beginnt "das Leben eines Mannes erst, wenn er alles Jungsein hinter sich lässt". Hör- und Leseprobe finden sich auf der Website des Verlages.
Buchtipps
Stefan Pott Mann. Moderne Betrachtungen - erschienen im Pott Verlag
Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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