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Blackadder oder: der talentierte Mister Curtis

29.08.2011
Keine Chance dem Fernseh-Frust! Wenn der Drehbuchautor zur Feder greift, haben Zuseher viel zu lachen.

Wenn die Suche nach einem guten Film oder einer Sendung, die Laune macht, wieder einmal ergebnislos verläuft, obwohl Sie 50 TV-Kanäle und mehr empfangen können, verzagen Sie nicht: Schon im 15. Jahrhundert war die Samstagabendunterhaltung in der Krise! Fragen Sie einmal Blackadder ...

Nachdem bereits die bärtigen Frauen dem britischen Hof absagen mussten, weil sie frisch rasiert sind und auch noch die Eunuchen ausfallen, bleibt ihm, der das Abendprogramm für den König und dessen höfische Gesellschaft zusammenstellen soll, mangels Alternativen nur "ein weiterer Nagel am Sarg der Kleinkunst": Jerry Schönwetter und seine eierlegenden Hennen bzw. Bernard, der Bärenbezwinger. Letzterem lässt Blackadder vorsorglich ausrichten: "Und sagt ihm, er soll diesmal auch einen Bären mitbringen ... Seine Improvisation im letzten Jahr war erbärmlich."


I say: Thank you for the gags!

Dieses Szenario bleibt uns erspart, wenn der in Großbritannien lebende Neuseeländer loslegt, um den es hier geht. Wenn ich sage, Sie kennen ihn alle, ist es keine Übertreibung, denn einen der folgenden Filme haben Sie bestimmt gesehen: "Notting Hill", "Tatsächlich ... Liebe", "Bridget Jones" oder "Vier Hochzeiten und ein Todesfall". Die Drehbücher dieser Kino-Erfolge gehen auf das Konto eines Mannes: Richard Curtis. Ihm gebührt Ehre, und das nicht nur, weil er Anfang November seinen 55. Geburtstag feiert.

Der Drehbuchautor, der mit Emma Freud - einer Urenkelin des berühmten Psychologen - liiert ist, entwickelte außerdem mit seinem Kollegen Ben Elton Anfang der 80er-Jahre die vierstaffelige BBC-Serie "Blackadder", deren pointen-strotzendes Drehbuch er auch gleich selbst verfasste.

Wer diese Serie mag (wie ich), dem muss ich nichts erklären. Wer sie nicht kennt, dem sei sie ans Herz gelegt - allerdings unbedingt im englischen Original mit Untertiteln und nicht in deutscher Übersetzung.

arte und 3sat haben sich Ende der 90er-Jahre darum verdient gemacht, die Comedy-Reihe auch dem deutschsprachigen Fernsehpublikum nahezubringen; und die BBC hat die Serie in einer DVD-Kompilation auf den Markt gebracht.

Dass die Dialoge ihren vollen Witz entfalten, ist den damals noch am Beginn ihrer Karriere stehenden Komödiendarstellern zuzuschreiben, die in den von Curtis entworfenen Szenen zur Hochform auflaufen: der hierzulande als Mister Bean berühmt gewordene Rowan Atkinson als kühler aber immer wieder verhinderter Stratege Blackadder und seine in wechselnden Rollen auftretenden Kollegen Hugh Laurie (vielen mittlerweile besser als Dr. House bekannt), Tony Robinson, Stephen Fry, Tim McInnerny oder Brian Blessed.

Jede Staffel der Erfolgsserie ist dabei in einer anderen britischen Epoche angesiedelt; geschickt und gewitzt verknüpft Curtis historische Fakten mit fiktiven Handlungen und literarischen Anleihen jener Zeit. Über die einzelnen Folgen und ihre Pointen ließe sich vieles sagen. Am vielleicht lustigsten vermitteln lässt sich die Komik dieser TV-Reihe jedoch am Beispiel der mit Abstand besten Folge - "Corporal Punishment", die im Ersten Weltkrieg spielt:


Lachsalven im Schützengraben

Die britischen Soldaten Blackadder (Rowan Atkinson), Baldrick (Tony Robinson) und George (Hugh Laurie) langweilen sich im Schützengraben um die Wette, als die königliche Brieftaube "Speckled Jim" (Gesprengelter Jim) die Nachricht überbringt, unvorzüglich vorzurücken. Blackadder, der Gefallen am süßen Nichtstun gefunden hat, weiß die Lösung, um dem Befehl von höchster Stelle zu entgehen: Er erschießt die Taube, verzehrt sie zum Mittagessen und vernichtet die Nachricht.

Dass er seine trotteligen und unverdrossenen Kumpanen George und Baldrick darauf einschwört, niemandem zu sagen, dass er den Vogel gesehen und verspeist habe, nehmen diese allzu wörtlich, als unerwartet Corporal Melchett (Stephen Fry) und dessen ihn anhimmelnder Captain Darling (Tim McInnerny) zum Verhör anrücken.

Doch der smarte Blackadder wäre nicht Herr der Lage, wenn er nicht selbst dann noch, als er schon aufgeflogen ist, Fassung bewahrt. Auf die herablassende Frage Darlings, ob er denn wisse, welche Strafe auf die Missachtung von Befehlen stehe, wagt er die kühne Gegenfrage: "Kriegsgericht und sofortige Halbierung meiner täglichen Schokoladen-Ration?" Um von Darling, der seine seltene Überlegenheit ausspielt, hämisch grinsend korrigiert zu werden: "Falsch, Blackadder. Kriegsgericht und sofortige Tötung durch ein Erschießungskommando." Seinen Triumph spart sich Blackadder in Form des letzten Wortes auf: "Auch gut. Dann hatte ich ja zumindest zur Hälfte recht."

Gute Nerven muss er auch im Gefängnis bewahren; etwa, als Baldrick zwei Nachrichten durcheinanderbringt und den namhaftesten Anwalt des Landes um Toilettsachen für den Inhaftierten und stattdessen ausgerechnet George, der lieber auf "hirnlosen Optimismus" als Gesetze setzt, um Rechtsbeistand bittet. Als George vor Gericht in völliger Unkenntnis juristischer Praxis die Anklage in den Zeugenstand ruft, bleibt Blackadder nur noch, das Gericht um einen letzten Gefallen zu bitten: "Könnte ich bitte geweckt werden, bevor ich erschossen werde?"

Wäre nicht noch Baldrick ("Verzweifeln Sie nicht, Sir! Ich habe einen schlauen Plan."), der Blackadder ein Fluchtpaket in die Zelle schmuggelt. Doch auch hier hat sich der Todgeweihte zu früh gefreut: "Wenn ich mich nicht irre, haben wir hier einen Hammer und eine Feile ...

Darauf Baldrick entwaffnend: "Und wie Sie sich irren!"

Denn in dem vermeintlichen Fluchtpaket befinden sich stattdessen eine kleine bemalte Holzente, ein Bleistift, eine Mini-Trompete und ein Robin-Hood-Kostüm. Doch soll noch einer sagen, dass sich Baldrick nicht auch bei dieser unkonventionellen Zusammenstellung etwas gedacht hätte:

"Die Holzente, damit Sie sich im Wasser tarnen können; einen Bleistift, damit Sie mir schreiben, ob die Flucht geklappt hat; eine kleine Trompete für den Fall, dass Sie während der Flucht ein quengelndes Kind ablenken müssen und ein Robin Hood-Kostüm."

Selbst ein vernichtender Blick Blackadders kann Baldrick nicht ängstigen: "Zuerst dachte ich ja an ein französisches Bauernkostüm, aber dann sagte ich mir: Was, wenn Sie in ein französisches Bauerndorf kommen und es wird gerade ein Kostümfest gefeiert?"

Worauf der entnervte Blackadder endgültig seine Waffen streckt: "Und was, Baldrick, wenn ich als Robin Hood verkleidet in ein französisches Bauerndorf komme - und es ist gerade kein Kostümfest?"

Baldrick kleinlaut: "Um ganz ehrlich zu sein, habe ich daran nicht gedacht. Da würden Sie ja auffallen wie jemand, der ...

... der mit einer Holzente auf dem Kopf im Wasser herumsteht?", beendet Blackadder ungerührt den Satz.

Die Farce geht weiter, als zu allem Übel die lebensbejahenden Gesellen des Erschießungskommandos bei Blackadder vorstellig werden und ihm bereitwillig ihre Auffassung von Dienstleistung darlegen: "Unser Ziel sind - zufriedene Kunden." Auch seine verständliche Abneigung kann die Truppe nicht vergrämen, ist sie doch Widerstand gewohnt: "Uns geht's wie der Finanz – jeder hasst uns, dabei machen wir nur unsere Arbeit."

Wie es ihm letztlich doch gelingt, dem buchstäblich feuereifrigen Erschießungskommando zu entkommen, sehen Sie am besten selbst. Vielleicht ja an einem Samstagabend auf DVD, wenn es im Fernsehen nichts zu sehen gibt! Am besten die Folgen der dritten und vierten Blackadder-Staffeln, die mit geistreichen Sagern, tiefschwarzem Humor und brillantem Nonsense zünden.

Damit ginge nebenbei auch der größte Wunsch Blackadders in Erfüllung, den er Baldrick, als dieser gerade die letzte Bewerbungsrunde zum Dorftrottel versemmelt hat, offenbart: "Über mich sollen einmal Bücher geschrieben werden ... und eine Serie gedreht, die am Samstag im Hauptabendprogramm laufen soll!"


Lachen mit Blackadder

"Begleiten Sie mich ja nicht zur Tür! Ich möchte nicht an Altersschwäche sterben, bis wir dort angekommen sind." (Duke of Wellington zu dem als Diener verkleideten Prinz George; Folge: Duel and Duality/Staffel 3)

Blackadder wütend: "Du hast es tatsächlich fertiggebracht, unsere gesamten 400.000 Pfund für eine Riesenrübe auszugeben! - Baldrick zu seiner Ehrenrettung: Ja, aber ich musste handeln!" (Folge: Dish and Dishonesty/Staffel 3)

"Lass' uns gehen, Baldrick. Umsonst gibt's hier nur die Ruhr." (Blackadder zu Baldrick beim Besuch des Feldlazaretts; General Hospital/Staffel 4)

"Wenn sie gemeinsam wenigstens eine Hirnzelle hätten." (Blackadder über George und Baldrick; Dual and Duality/Staffel 3)

Blackadder zu Baldrick: "Baldrick, ich hab' was für dich: Was fängt mit 'Komm her' an und hört mit 'Au' auf?" (Folge: Corporal Punishment/Staffel 4)

Baldrick: "Mein Cousin Bert Baldrick, der der Butler-Gehilfe des Malers Gainsborough ist, sagt, dass alle Porträts heutzutage gleich aussehen, weil sie eher einem romantischen Ideal nachempfunden sind als eine wahre Darstellung der typischen Gesichtszüge der betreffenden Person zu sein." - Blackadder: "Dein Cousin Bert verfügt offensichtlich über einen größeren Wortschatz als du." (Folge: Dual and Duality/Staffel 3)

Königin zu Harry über ein Theaterstück: "Was macht denn eigentlich ein Schotte in Ägypten?" - Harry: "Keine Ahnung. Sie bekamen gute Kritiken." (Folge: Born To Be King/Staffel 1)

"Ich habe einen schlauen Plan!" (Baldrick; alle Staffeln)

"Das Glück kotzt mir heute wieder regelrecht auf meine Daunendecke ..." (Blackadder; Folge: Dual and Duality/Staffel 3)

Baldrick fragt sich, wann er wohl der Frau seines Lebens begegnen werde. Darauf Blackadder: "Dazu müssten wir sie wohl erst aus ihrer Zwangsjacke befreien." (Folge: General Hospital/Staffel 4)


Die besten Blackadder-Folgen

Erste Staffel: The Foretelling; Born To Be King; The Queen of Spain's Beard; Dritte Staffel: Dish and Dishonesty; Duel and Duality; Vierte Staffel: Corporal Punishment; General Hospital


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.

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